»Kaputtes Telefon« sorgte für Verständigung

Weißrussische und deutsche Jugendliche kamen sich näher /»Frieden und Versöhnung«

es Daaden. »Stille Post« heißt das Spiel auf Deutsch. Ein Wort wird durch Flüstern von Person zu Person weitergegeben und das Resultat ruft meist Gelächter hervor. »Das kaputte Telefon« sagt man, wörtlich übersetzt, in Weißrussland, wo das Spiel ebenfalls bekannt ist. Wenn Weißrussen und Deutsche gemeinsam spielen, wird es noch komplizierter, ein Wort weiterzugeben, da man es aufgrund der unterschiedlichen Sprachen gar nicht verstehen kann.

Aber gerade das fanden zwölf Jugendliche aus Weißrussland und sieben junge Deutsche am Wochenende offensichtlich sehr amüsant. Beim Treffen der beiden Nationalitäten in Daaden funktionierte die Kommunikation, und das »kaputte Telefon« trug dazu bei. Die Jugendlichen und jungen Erwachsenen aus Weißrussland waren auf Einladung der Tschernobylnothilfegruppe des Caritasverbands Betzdorf zwei Wochen in der Zehntscheune in Daaden zu Gast. Die Mitglieder der weißrussischen Gruppe sind alle ehrenamtlich in einem Jugendzentrum in Tschetschersk tätig. »Frieden und Versöhnung« lautete das Thema des Projekts, an dem die Gruppe in Daaden teilnahm.

»Die Weißrussen wünschten sich Begegnungen mit jungen Deutschen«, erzählte Kerstin Schneider (Sozialarbeiterin, Caritas Betzdorf), »und so haben wir das Projekt in Schulen und Verbänden vorgestellt«. Jugendliche aus Tscheteschersk seien auch in den vergangenen Jahren im Kreis Altenkirchen zu Gast gewesen, aber eine so intensive Zusammenarbeit mit deutschen Gleichaltrigen wie in diesem Jahr habe es bisher noch nicht gegeben. So unternahmen die Weißrussen gemeinsam mit 17 deutschen Jugendlichen eine Fahrt zum sowjetischen Soldatenfriedhof und Gefangenenlager in Stuckenbrock bei Paderborn sowie zur Wewelsburg (ebenfalls nahe Paderborn), wo die Nazis, so Schneider, eine »Kult- und Terrorstätte« entstehen lassen wollten.

»Es ist schwer, sich vorzustellen, wie viele Leute dort umgekommen sind«, sagte der 16-jährige Iwan aus Weißrussland, als er auf den Besuch des Soldatenfriedhofs zurückblickte. »Ich war tief beeindruckt, als ich auf einem der Grabsteine meinen Nachnamen gelesen habe«, erzählte er weiter. Auch bei Kerstin Schneider hat der Besuch des Friedhofs einen bleibenden Eindruck hinterlassen: »Da wurde klar, dass die Weißrussen und wir eine gemeinsame Geschichte haben«.

Am vergangenen Wochenende, dem Abschlusswochenende, machten sich die Weißrussen und Deutschen weniger Gedanken um die Vergangenheit, sondern eher um die Zukunft der Beziehungen der beiden Länder. Dazu gehörten ernsthafte Gespräche über die politische Situation in Weißrussland, aber auch viele lustige Spiele aus beiden Ländern, die zur Völkerverständigung beitrugen.

Die Weißrussen könnten aus dem Projekt viele Impulse für ihre eigene Jugendarbeit gewinnen, sagte Sozialpädagoge Bernd Wagener (Caritas Betzdorf). Die Caritas unterstütze das Jugendzentrum in Tschetschersk finanziell und habe einen Internetzugang zur Verfügung gestellt, fügte Schneider hinzu: »Hier bekommen die Menschen Informationen, die sie nirgendwo sonst erhalten können.« Denn Pressefreiheit gebe es in Weißrussland nicht.

Auffällig war das große Interesse an der anderen Kultur: »Die Deutschen wussten zuvor sehr wenig über uns«, stellte der 16-jährige Vassilij fest »und sie haben viel über uns erfahren«. Dass der Eindruck von den Gästen positiv war, erzählten Kathrin (15, Deutsche) und Swetlana (15, russischstämmige Deutsche): Viel höflicher und freundlicher als so manche deutsche Jugendliche seien die Weißrussen, die sie kennen gelernt hätten. Und auf die Frage, ob sie denn auch gerne mal nach Weißrussland fahren würden, antworten Kathrin und Swetlana einstimmig mit einem sehr überzeugt klingendem »ja«.

Ein Treffen in Weißrussland ist zwar noch keine beschlossene Sache, doch der Wunsch wurde von vielen Teilnehmern beider Seiten geäußert. Vielleicht könne man sich etwas außerhalb der verstrahlten Region treffen, schlug Kerstin Schneider vor. Es scheint, als habe das Projekt in Daaden den Grundstein für einen längerfristigen und fruchtbaren Austausch gelegt.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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