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BI Stegskopf
„Keiner will Verantwortung übernehmen“

Gerade für Biker könnte der Stegskopf ein perfektes Revier sein – aber dazu müssten weitere Wege freigegeben werden.  Foto: Archiv
  • Gerade für Biker könnte der Stegskopf ein perfektes Revier sein – aber dazu müssten weitere Wege freigegeben werden. Foto: Archiv
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damo Daaden.  „Über Jahrzehnte haben wir das Geknatter und Geknalle gehört. Oft rappelten sogar die Tassen im Schrank“: Während all der Jahre als militärisches Sperrgebiet war der Stegskopf in den umliegenden Dörfern immer präsent. Man hat die Übungen und den Testbetrieb von Dynamit Nobel gehört, die Bundeswehrfahrzeuge gesehen und dann und wann auch einen Fuß auf den Truppenübungsplatz setzen dürfen.

Umso weniger Verständnis haben die Menschen in Emmerzhausen, Derschen, Nisterberg und all den anderen Anrainerkommunen, dass ausgerechnet jetzt der Stegskopf weitgehend für die Bürger abgeriegelt wird.

Das jedenfalls ist der Eindruck der Bürgerinitiative „Freie Wege für alle“.

damo Daaden.  „Über Jahrzehnte haben wir das Geknatter und Geknalle gehört. Oft rappelten sogar die Tassen im Schrank“: Während all der Jahre als militärisches Sperrgebiet war der Stegskopf in den umliegenden Dörfern immer präsent. Man hat die Übungen und den Testbetrieb von Dynamit Nobel gehört, die Bundeswehrfahrzeuge gesehen und dann und wann auch einen Fuß auf den Truppenübungsplatz setzen dürfen.

Umso weniger Verständnis haben die Menschen in Emmerzhausen, Derschen, Nisterberg und all den anderen Anrainerkommunen, dass ausgerechnet jetzt der Stegskopf weitgehend für die Bürger abgeriegelt wird.

Das jedenfalls ist der Eindruck der Bürgerinitiative „Freie Wege für alle“. Die Menschen, die sich hier zusammengetan haben, um ihren Interessen eine laute Stimme zu verleihen, verstehen es einfach nicht: „Warum dürfen wir nicht einfach die befestigten Wege nutzen? Mehr wollen wir doch gar nicht.“ Das sagt Rolf-Dieter Wiederstein, einer der Initiatoren des Protests.

Aber bekanntlich scheitert das nach wie vor am Veto der ADD: Nach wie vor sind nämlich nur die beiden Platzrandstraßen freigegeben worden – Querverbindungen, die die beiden Platzrandstraßen zum Teil eines Rundwegs machen würden, fehlen. Bekanntlich argumentiert die ADD mit der Gefahrenabwehr – und so ist für die Behörde auch nicht relevant, dass bislang noch nicht ein einziger Mensch durch Blindgänger und Munitionsreste zu Schaden gekommen ist.

„Die Gefahrenabwehr dient der Verhinderung von Schäden und setzt nicht erst ein, wenn es bereits zu einem Schadensereignis gekommen ist. Dies gilt umso mehr, wenn es sich um Gefahren für Leben und Gesundheit handelt“, argumentiert die ADD in einem ihrer vielen Antwortschreiben an die BI.

Bloß: Die BI ist davon überzeugt, dass auf den Wegen keinerlei Gefahr drohen kann. So sei eindeutig dokumentiert, wann und wie die befestigten Wege angelegt worden sind – dort können also nach der Logik der BI nur dann Munitionsteile ins Erdreich geraten sein, wenn jemand die Wege aufgegraben und eine explosive Fracht verbuddelt hat.

Zudem aber sei der Stegskopf in all den Jahren, in denen die Bundeswehr dort den Ton angegeben hat, immer wieder zugänglich gewesen. Zu den Tagen der offenen Tür kamen 1977, 1993 und 1998 jeweils tausende Gäste auf den Truppenübungsplatz. 1979 wurde dort die Enduro-Mannschaftsweltmeisterschaft ausgerichtet, und seit 1983 fanden dort alljährlich Rallye-Veranstaltungen statt.

„All diese publikumsträchtigen Veranstaltungen wurden von der zuständigen Wehrbereichsverwaltung IV genehmigt. Hier hatte man den gesammelten Fach- und Sachverstand“, schreibt die Bürgerinitiative an die Mittelbehörde ADD und legt noch eine kleine Spitze nach: „Wir erlauben uns festzustellen, dass diese Veranstaltungen bei der seit 2014 durch Ihre Behörde unterstellten und konstruierten Gefahrenlage nicht genehmigt worden wären.“

In der Tat gewinnt man den Eindruck, dass früher auf dem Stegskopf mehr möglich war als heute – und eine Änderung scheint nicht in Sicht. Mittlerweile ist der Ton des Dialogs zwischen BI und ADD etwas rauer geworden; auf ihr letztes Schreiben hat die BI nicht einmal mehr eine Antwort erhalten.

Aber was hätte die Behörde auch noch schreiben sollen? Denn längst, nach all den Jahren des zähen Ringens, ist alles gesagt. Was fehlt, ist eine Handlung, moniert Jo Hess namens der BI: „Keiner will die Verantwortung übernehmen, es wird von einem Schreibtisch zum anderen geschoben. Aber irgendwann muss was passieren.“

Das weiß Hess vielleicht besser als jeder andere. Denn schon seit Jahren zählt er im Sommer an einzelnen Tagen die Wanderer und Radfahrer, die sich schon jetzt (teils auch auf verbotenen Pfaden) den Stegskopf erschließen.

Und es werden immer mehr: An Fronleichnam und Pfingsten hat Hess insgesamt zehn Stunden gezählt – und er ist auf satte 1023 Biker gekommen. Dass diese Zahl auch ein ernstzunehmendes Potenzial für Tourismus und Gastronomie bedeutet, liegt für die BI auf der Hand. „Der Stegskopf liegt längst nicht mehr am Rand“, sagt Roswitha Denker, die sich ebenfalls in der BI engagiert.

Also will sich die BI weiter für ihre Ziele einsetzen. Dabei will sie vor allem auf den Dialog setzen: Nach den Sommerferien soll eine Diskussionsrunde ausgerichtet werden. Erklärtes Ziel: möglichst viele der Akteure an einen Tisch zu holen.

Vielleicht spielt der BI ja auch die nahende Landtagswahl ein bisschen ins Blatt – schließlich bekommen in Wahlkampfzeiten die Interessen der Bürger oft sehr viel Gewicht... <chartag shortcut="z-Autor" tag="autor-7p">Daniel Montanus</chartag>

Autor:

Daniel Montanus (Redakteur) aus Betzdorf

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