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Gemeinderat Weitefeld will Weichen stellen
Künftig nur noch ein Friedhof?

Vielleicht liegt beim Bestattungswesen in der Gemeinde Weitefeld hier, in Oberdreisbach, die Zukunft. Der Rat hat gestern beschlossen, ein Friedhofskonzept erstellen zu lassen.
  • Vielleicht liegt beim Bestattungswesen in der Gemeinde Weitefeld hier, in Oberdreisbach, die Zukunft. Der Rat hat gestern beschlossen, ein Friedhofskonzept erstellen zu lassen.
  • Foto: damo
  • hochgeladen von Daniel Montanus (Redakteur)

damo Weitefeld. Auf dem Friedhof gibt’s kaum noch Platz, und junge Familien kehren der Gemeinde den Rücken – nicht gerade das, was man im Lexikon unter dem Stichwort Prosperität vermuten würde. Nun ist das Weitefelder Selbstverständnis aber ein anderes, und das durchaus zu Recht: Die Höhengemeinde verfügt über weit überdurchschnittlich viele Arbeitsplätze, eine Grundschule und eine Kita, und die Nahversorgung ist ebenfalls mehr als gewährleistet. Und das wissen viele Menschen zu schätzen: Beinahe wöchentlich wird Ortschef Karl-Heinz Keßler angerufen und nach Bauplätzen gefragt. Problem dabei: Er kann keine anbieten – es gibt keine.

damo Weitefeld. Auf dem Friedhof gibt’s kaum noch Platz, und junge Familien kehren der Gemeinde den Rücken – nicht gerade das, was man im Lexikon unter dem Stichwort Prosperität vermuten würde. Nun ist das Weitefelder Selbstverständnis aber ein anderes, und das durchaus zu Recht: Die Höhengemeinde verfügt über weit überdurchschnittlich viele Arbeitsplätze, eine Grundschule und eine Kita, und die Nahversorgung ist ebenfalls mehr als gewährleistet. Und das wissen viele Menschen zu schätzen: Beinahe wöchentlich wird Ortschef Karl-Heinz Keßler angerufen und nach Bauplätzen gefragt. Problem dabei: Er kann keine anbieten – es gibt keine.

„Im Neubaugebiet sind die jüngsten Häuser zehn Jahre alt“, verdeutlichte Beigeordneter Sven Stühn das Übel: Schon seit Jahren habe sich in Weitefeld in Sachen Baugebietserschließung nichts mehr getan. Wenn dann noch Baulücken im Privatbesitz gebunkert werden, gibt’s eben rasch ein Problem auf der Angebotsseite.

Grund genug für den Gemeinderat, gestern Abend einen Grundsatzbeschluss zu fassen: Die Daadener Verwaltung soll dem Gemeinderat eine Einschätzung liefern, wie es weitergehen kann. Wo könnten Neubaugebiete erschlossen werden, wie kann der Erwerb von Bestandsimmobilien angekurbelt werden, und wie läuft’s im zähen Umlegungsverfahren für den 3. Abschnitt des Waldwegs? Diesen Beschluss, die Verwaltung zu aktivieren und das Thema im Bauausschuss zu vertiefen, fasste der Rat mit breiter Mehrheit.

"Wenn wir nichts unternehmen, fallen wir hinten runter"

Denn fast alle Diskussionsteilnehmer waren sich einig, dass die Gemeinde zum Handeln gezwungen ist. Keßler, der das Thema auf die Tagesordnung gepackt hatte, brachte es auf eine griffige Formel: „Wenn wir nichts unternehmen, fallen wir hinten runter.“ Karl-Heinz Wenzelmann (WfW) schlug in dieselbe Kerbe: „Wir müssen Druck auf den Kessel bringen.“ Am besten solle die Gemeinde gleich auf mehreren Wegen parallel aktiv werden, um Angebote für Bauwillige zu schaffen – schließlich lasse sich ein Baugebiet nicht von heute auf morgen erschließen. „So ein Verfahren dauert zehn, 15 Jahre“, verdeutlichte er. Auch die SPD-Fraktion positionierte sich wie Keßler und Wenzelmann.

Einzig die FWG scherte aus: Dirk Langenbach monierte, das Vorgehen der Gemeinde sei zu eindimensional – gerade mit Blick auf die Tatsache, dass Flächen begrenzt seien, müsse viel mehr für die Attraktivitätssteigerung von Altimmobilien getan werden. Die beiden Enthaltungen der FWG-Ratsmitglieder fielen aber nicht ins Gewicht; das Thema Bauplätze wird den Rat also in den kommenden Monaten noch öfter beschäftigen.

Friedhof Weitefeld bereitet Kopfzerbrechen

Gleiches gilt für die Friedhöfe. Das Thema ist nicht neu, denn schon vor der Wahl hatte Keßler einen ersten Vorstoß unternommen: Die Gemeinde müsse ein Friedhofskonzept erarbeiten. Triebfeder dafür ist der Fakt, dass der Friedhof in Weitefeld alles andere als unproblematisch ist: Die Plätze werden knapp, Raum für eine Erweiterung fehlt, die hügelige Topographie ist nicht jedem Besucher zuzumuten, und der dauerfeuchte Untergrund ist ausgesprochen ungünstig. Und so hat Keßler das Planspiel angestoßen, künftig vielleicht auf einen einzigen Friedhof zu setzen: den in Oberdreisbach.

Aber: Auch bei diesem Thema will die Gemeinde externe Kompetenz in Anspruch nehmen – was ebenfalls weitgehend Konsens war (abermals fand sich bei der Abstimmung nur die FWG nicht im Chor der Befürworter). Nach dem Grundsatzbeschluss von gestern Abend steht fest: Die Gemeinde wird ein Planungsbüro konsultieren und das Thema weiter beackern.

Schule bleibt namenlos

Ein anderes Thema ist seit gestern aber vom Tisch: Die Grundschule bleibt namenlos. Wie bereits berichtet, hatte die Schulgemeinschaft nicht nur den Wunsch geäußert, der Schule nach über hundert Jahren endlich einen Namen zu geben; mehr noch: Dem Rat lag ein konkreter Vorschlag auf dem Tisch, schließlich hatte sich bei einer Befragung der Kinder und Eltern eindeutig der Name „Regenbogen-Schule“ herauskristallisiert. Diesen Vorschlag hatte Schulleiterin Yvonne Zimmermann im schriftlichen Antrag der Schule mit einigen Argumenten unterfüttert – aber die verhallten im Rat ungehört.

Stattdessen wurde von mehreren Seiten die Frage aufgeworfen, warum die Schule überhaupt einen Namen bekommen sollte. Und dann ging’s dem Regenbogen an den Kragen: Er habe keinen Bezug zum Dorf, hieß es, und Klaus Kirchhöfer (WfW) gab zu bedenken, dass der Regenbogen das Symbol der Homosexuellen sei. Und so wurde schnell deutlich, dass der Rat dem Antrag der Schule nicht folgen würde.

Karl-Heinz Keßler versuchte noch, einen Kompromiss einzutüten: Wenn die Schulgemeinschaft gerne einen Namen hätte und jetzt keiner dabei sei, der im Rat mehrheitsfähig sei, „dann könnten wir doch noch eine Ehrenrunde durchs Dorf drehen“, sprich: weitere Vorschläge einholen.

Aber diese Anregung zog gegen den Antrag der WfW-Fraktion, das Thema zu beerdigen, den Kürzeren.

Autor:

Daniel Montanus (Redakteur) aus Betzdorf

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