Petra Peter in Daaden
Marodes Fachwerkhaus wird Schmuckstück

Stadtbürgermeister Walter Strunk kann nur staunen, mit welch pfiffigen Ideen Petra Peter den Hausumbau umgesetzt hat.
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  • Stadtbürgermeister Walter Strunk kann nur staunen, mit welch pfiffigen Ideen Petra Peter den Hausumbau umgesetzt hat.
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  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

thor Daaden. Es war ihr ganz persönlicher „lost place“: Wo andere auf der ganzen Welt nach diesen vergessenen Orten suchen, hatte ihn Petra Peter mitten in Daaden gefunden. Das alte Fachwerkhaus an der Saynischen Straße hatte seine besten Jahren lange, lange hinter sich, als die gebürtige Kirchenerin hier vor fast zweieinhalb Jahren einen fast schon wagemutigen Plan entwickelte. Statt den Abrissbagger zu bestellen – wie eigentlich geplant – organisierte sie Handwerker und Baumaschinen. Mit viel Fleiß, Finesse und Fördermitteln ist nunmehr aus dem „lost place“ eine Art Musterhaus geworden. Ein Beispiel dafür, wie man alte Bausubstanz mit modernster Technik verbindet, aber auch dafür, was mit einer zeitgemäßen Städtebauförderung alles möglich ist.

Petra Peter ist stolz auf ihr Projekt in Daaden

Nicht nur Petra Peter ist deshalb stolz auf das Projekt im Heimatort ihrer Mutter Hanne, sondern auch Stadtbürgermeister Walter Strunk. Der war am Freitagmorgen nicht zum ersten Mal vor Ort, sondern hatte das Bauprojekt in den vergangenen Monaten immer mal wieder besucht. Und würde Strunk nicht die neuen Mieter stören, würde er vermutlich ab sofort Führungen anbieten.

Dabei hatte die Investorin eigentlich schon im vergangenen Jahr fertig sein wollen, doch mangelhafte Fenster sorgten für einen längeren Baustopp. „Mancher in Daaden hat schon gedacht, mir wäre das Geld ausgegangen“, erzählt sie lachend. Und natürlich hat es auch sonst immer wieder Überraschungen gegeben. „Es ist nun einmal sehr aufwändig, altes Fachwerk zu sanieren.“

Spuren auf die alte Bausubstanz finden sich überall

Der Clou bei diesem Umbau: Überall finden sich noch Spuren und Hinweise auf die alte Bausubstanz, seien es Fliesen, Steine, Bohlen oder Treppen. Auch das Scheunentor als Eingang ist erhalten geblieben. Manche der Türen hat Peter mit nach Hause nach Berlin genommen, um sie dort aufzuarbeiten. In einer der Wohnungen ist in die Wand ein „Fenster“ eingelassen. Das zeigt nicht etwa einen Ausblick auf Daaden, vielmehr die alte Lehm-Struktur. Eine wunderbare Idee. An der Luke, unter der geht es hinab zum alten Gewölbekeller, sind alte Eisenbahnschienen aus dem Haus neu angeordnet worden; auf einer ist noch die Inschrift „Krupp 1881“ zu lesen (das Alter des Hauses selbst ist nach wie vor unbekannt).

Und wenn sich einmal keine alte Holztür für das Bad fand, wurde kurzerhand ein Exemplar in Bautzen besorgt. Nur die Original-Dielen waren einfach nicht mehr zu retten.

"Es ist toll, was Frau Peter hier geleistet hat"

Es war für die Hausbesitzerin aber auch ein Lernprozess: Jetzt weiß sie, dass alter Lehm nicht unbedingt zum Bauschutt gehört, sondern sehr gut in Wände wieder eingearbeitet werden kann. Erstaunlich: Manche Ähre in dem alten Baustoff erwachte draußen im Sonnenschein wieder zum Leben.
Entstanden sind drei Wohnungen mit einer Grundfläche von jeweils 70 Quadratmetern, die schon alle vergeben sind: Auf technische Annehmlichkeiten müssen die Bewohner nicht verzichten. Ursprünglich hatte Peter auch weder mit Photovoltaik noch mit Geothermie geplant, doch zwei Bohrungen in 100 Metern Tiefe sorgen nun für wohlige Wärme. Dank der neuen Fenster könnte man fast meinen, man befindet sich mitten im Hüllwald und nicht an einer Landesstraße.
„Hier kann man sehen, was man aus einem alten Haus alles machen kann. Es ist toll, was Frau Peter hier geleistet hat“, sagt Walter Strunk. Der Stadtbürgermeister war zu Beginn auch leicht skeptisch: „Das war ja hier alles andere als ein Schmuckstück.“ Das Projekt habe viel Kraft und Mut erfordert, vonseiten der Stadt sei die Bauherrin aber von Anfang an begleitet worden.

Die erste Mieterin ist begeistert von ihrer neuen Wohnung in Daaden

Vor wenigen Tagen ist Ute Schultheis, aus Langenbach kommend, als erste Mieterin in der Wohnung im Erdgeschoss eingezogen. Sie schwärmt vor allem davon, dass sie hier in wenigen Schritten alle Geschäfte und Einrichtungen erreichen kann. Ohnehin sei es schwer gewesen, ein solches Domizil in Daaden zu finden.
Was Strunk nur bestätigen kann. Die Nachfrage vor Ort sei enorm: „Wenn heute ein Haus leer steht, ist morgen schon wieder Leben drin.“ Für das geplante Neubaugebiet „Jungental“ lägen bereits 40 Anfragen vor, so der Stadtchef. Nicht nur deshalb freut er sich über jeden neuen Quadratmeter Wohnraum in Daaden.

Städtebauförderung birgt viele Chancen

Das Haus von Petra Peter stehe darüber hinaus aber auch sinnbildlich für die Chancen und Möglichkeiten, die sich Immobilienbesitzern durch die Städtebauförderung im Rahmen des ISEK-Programms eröffneten. Es gehe dabei eben nicht nur um öffentliche Maßnahmen, sondern auch um private Projekte, rührte Strunk die Werbetrommel. Bislang habe man für sieben Projekte rund 100.000 Euro ausgeschüttet. „Wir würden gerne noch mehr fördern.“ Und man sollte sich nicht mehr allzu viel Zeit lassen, laufe das Programm doch vermutlich 2024 aus. Die Stadt sorge für eine umfassende Beratung und in der Regel für einen vorzeitigen Baubeginn.
Petra Peter jedenfalls ist mit sich, der Stadt und der Förderung zufrieden. Nur bei der Gestaltung des Gartens bittet sie die zahlreichen Daadener Zaungäste noch um etwas Geduld.

Autor:

Thorsten Stahl (Redakteur) aus Betzdorf

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