Neue Gäste in alter Zelle

Im »Raum 046« der Daadener Verwaltung finden herrenlose Hunde Kurzzeit-Asyl

damo Daaden. Auf dem Türschild steht schlicht »Verbandsgemeindeverwaltung – Raum 046 – Keller«. Hinter der Tür geht es hinab in den ehemaligen Zellentrakt des früheren Daadener Amtsgerichts. Weiß gestrichene Räume, fast alle stehen leer. Einer allerdings wurde vor wenigen Tagen wieder in Dienst genommen. Der Hausmeister hat eine Tür aus einem Stahlgitter angebracht, vor dem Fenster befinden sich noch die alten Gitterstäbe. Gut drei Quadratmeter misst das Domizil. Bett und Schrank fehlen – aber beides brauchen die neuen Übernachtungsgäste auch nicht. Ein Fressnapf reicht völlig aus: Hier ist eine Notunterkunft für streunende Hunde eingerichtet worden.

Vertrag mit einer Tierpension

Die örtliche Ordnungsbehörde nämlich ist zuständig, wenn mal ein Hund ausgesetzt wird oder ausbüchst und jemandem zuläuft. Wenn an der Haustür ein bellender Vierbeiner auftaucht, melden sich die Leute meist bei der Polizei, berichtet Ordnungsamtsmitarbeiter Andreas Hüsch. Die Polizei informiert dann die Verwaltung – und die wird aktiv. Erst wird recherchiert, wem der Hund gehört. Wenn sich niemand findet, werden die herrenlosen Tiere in eine Tierpension in Oberhombach gebracht. Zwischen der Daadener Verwaltung und besagtem Hundehotel besteht ein Vertrag. »Wir haben sechs Tiere im Jahr pauschal frei. Die werden dann zwei Wochen lang gepflegt – jeden weiteren Hund und Tag müssen wir bezahlen«, berichtet Hüsch. Findet sich der Halter nicht, dann versucht die Tierpension, den Hund zu vermitteln.

Boxer Janka kann allergisch reagieren

Aber: Insbesondere am Wochenende bleiben die Daadener auf ihren zugelaufenen Tieren sitzen. Da ist nämlich die Tierpension oftmals nicht zu erreichen. »Man kann die Tiere doch dann nicht einfach da sitzen lassen«, meint Hüsch. Was dann? »Ich habe schon Tiere mit nach Hause genommen«, erzählt Hüsch. Und? Ein Problem für die Familie? »Nein«, meint der Verwaltungsangestellte lachend, »meiner Familie macht das nichts aus. Nur mein Boxer Janka reagiert da manchmal allergisch.« Besondere Kopfschmerzen bereitete mal ein zugelaufener Dackel, der nun gar keinen Draht zu Janka fand. Hüsch wusste sich zu helfen: Der Dackel wurde am Apfelbaum angeleint, Janka am Wäscheständer.

Wolfgang Märker, seines Zeichens Abteilungsleiter des Ordnungsamts, hatte dann eine gute Idee: Er ließ vom Hausmeister eine alte Gefängniszelle umbauen. Dort werden jetzt in Notfällen herrenlose Hunde untergebracht. Und weil Hüsch, der sich gemeinsam mit seinem Kollegen Peter Pauschert um die Tiere kümmert, selbst ein Hundehalter ist, kommen die Tiere durchaus auf ihre Kosten: »Kleine Leckerchen haben wir da, und Hundefutter bringe ich einfach von daheim mit.« Und wenn es die Zeit zulässt, dann kommen die Tiere sogar in den Genuss, mit Hüsch eine Runde um den Block zu drehen.

Bislang haben die Ordnungsamtsmitarbeiter übrigens immer Glück gehabt, was ihre vierbeinigen Findelkinder betrifft: Es soll ja schließlich auch Hunde geben, die nicht nur spielen wollen. »Einen richtig bösen Hund haben wir noch nicht bekommen«, blickt Hüsch zurück. »Einer war mal ganz schön wild. Der ist mir während der Fahrt vom Kofferraum in den Fußraum gesprungen.«

Zwei drollige Dalmatinerwelpen

Jüngster Fall: In Emmerzhausen wurden am Mittwoch zwei drollige Dalmatinerwelpen gefunden. Bislang konnte der Besitzer noch nicht ausfindig gemacht werden, berichtet Hüsch. Also mussten die zutraulichen Tiere abgegeben werden – diesmal ins Siegener Tierheim, dem Hüsch für die Kooperation über Landesgrenzen hinweg ausdrücklich dankt. Jetzt warten die Tiere auf ein neues Zuhause; Halter oder Interessenten erfahren unter Tel. (02743) 929127 mehr.

Derzeit herrscht hinter der Tür zum »Raum 046« Stille, niemand winselt im alten Zellentrakt. Aber die beiden Dalmatiner werden sicher nicht letzten Gäste in der Daadener Notunterkunft für Hunde sein.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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