Gebietspastor im Daadetal geht in den Ruhestand
"Oos Rüdiger" sagt adieu

Nach 21-jähriger Tätigkeit als Gebietspastor im Daadetal geht Rüdiger Wisser in den Ruhestand.

rai Daaden. „Hier sind wir mitten in der Werkstatt, wo online übertragen wird“, sagt Rüdiger Wisser zur Begrüßung im Gemeindehaus der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde (EFG) Daaden. Er hatte am Sonntag selbst vor der Kamera gepredigt und den Menschen zu Hause von Gottes Wort erzählt. Oft hat er hier und bei den evangelischen Gemeinschaften Derschen, Emmerzhausen und Niederdreisbach gepredigt. Nun klingt seine Zeit als Gebietspastor im Daadetal aus. Der 65-Jährige geht in den Ruhestand – nachdem er vor 21 Jahren als Seelsorger in seine Heimat zurückgekehrt war.
Der Prophet gilt nichts im eigenen Land: An diesen Satz aus der Bibel habe er gedacht, als er 1999 – damals noch beim Theologischen Seminar in Radevormwald tätig – einen Anruf aus dem Daadetal bekam. Die Bitte: „Komm rüber und hilf uns.“ 20 Jahre war Wisser damals weg gewesen. Mit dieser zeitlichen Distanz sagte er schließlich: Ja, ich mache es. Im August 1999 predigte der gebürtige Derschener erstmals in seiner neuen Funktion.

Jungenschaftsarbeit ebnete Weg

Wisser war 17 Jahre alt, als er „zum überzeugten Glauben an Jesus Christus“ kam. „Es war für mich die mutmachende Erfahrung, wie man mich damaligen Sprössling in die Gemeinschaft der Christen aufnahm“, erinnert er sich.
Wertvoll war für ihn die Jungenschaftsarbeit mit Bibelstudium, dem Musizieren und Zelten. „Spontan wurden wir Burschen gefragt, ob wir etwas in der Gemeinschaftsstunde sagen möchten“, erzählt Wisser. Und wenn er an diese erste Wortverkündigung zurückdenkt, „dann schwitze ich heute noch“.
Das war eine Art Auftakt: Es reifte sein Wunsch, Theologie zu studieren. Wisser, der in der Jugendarbeit und im Männerchor mitwirkte und Jugendsekretär für den CVJM Westerwald war, lernte Energieanlagenelektroniker – und schlug schließlich doch die theologische Laufbahn ein. Bei einer Konfirmandenfreizeit stieß er auf eine Bibelschule in der Schweiz, die ihn ansprach: „Ich bin nicht nur wegen der schönen Berge hingegangen“, sagt er schmunzelnd.

21 Jahre lang "schönsten Beruf" ausgeübt

Apropos Berge: Dort, im Schatten der Eiger Nordwand, lernte er die Finnin Leena kennen, die er in Finnland heiratete. Nach der theologischen Ausbildung in der Schweiz studierte Wisser an der Freien Theologischen Hochschule Gießen. Es folgten in Gummersbach sieben Jahre als Gemeinschaftspastor. „Hier wurden unsere vier Kinder geboren“, erzählt der neunfache Großvater. Es folgte die Berufung an das Theologische Seminar Wuppertal bzw. Radevormwald.
Nach siebenjähriger Tätigkeit dort erhielt Wisser den Anruf aus der Heimat, wo er schließlich Gemeinschaftspastor wurde. „Ohne die 20 Jahre Abstand hätte ich es nicht gemacht“, sagt der scheidende Pastor, der die Rückkehr nicht bereut hat. Denn, so Wisser: „Ich durfte in meiner Heimat 21 Jahre lang den schönsten Beruf der Welt ausüben.“
Vor 50 bis 70 Mitgliedern in den Außenstellen und bis zu 150 in Daaden predigte er. Er sieht eine gute Entwicklung. In Daaden werde man eine größere Räumlichkeit benötigen, ließ er im Gespräch mit der SZ anklingen. Vor zwei Jahren habe man hier mit Alexander Wegeling einen eigenen Pastor bekommen. Damit bekam Wisser mehr Freiraum für die weiteren Gemeinden. Diese wird er noch etwas begleiten. Zudem soll ein Gebietspastor kommen.

Menschen in Nöten helfen

Im wöchentlichen Wechsel predigte Wisser in den vier Orten. Ein zentrales Element, neben gemeinsamem Gesang, sei die Predigt: „Der Glaube kommt aus dem Wort Gottes“, sagt Wisser. Zu seinen Amtshandlungen gehörten Taufen, Hochzeiten und Beerdigungen. Seine schwerpunktmäßigen Aufgaben waren u. a. der Bibelkreis, der Predigtdienst, die Frauenarbeit und auch Hausbesuche. Wichtig ist ihm auch „das Diakonische“, dass Menschen in Nöten ganz pragmatisch geholfen wird. Der Kontakt zu den Menschen ist ihm wichtig und wertvoll – auch bei Gottesdiensten, die derzeit nur per Livestream möglich sind: „Man vermisst das Publikum schon“, räumt Wisser freimütig ein.
Die einstigen Bedenken, als Pastor in die Heimat zurückzugehen, sind längst verflogen: Er werde als Mensch und Freund angesehen, für manche sei er „oos Rüdiger“, für andere wiederum jemand, der eine bestimmte Funktion hat. „Es ist ein Vertrauen gewachsen“, sagt er voller Dankbarkeit, auch dafür, „dass ich als Prophet meine Arbeit in der Heimat in gutem Sinn tun konnte“.
Als Pastor – künftig mit dem Zusatz „im Ruhestand“ (i. R.) – will er seine Gaben noch in den Gemeinden einbringen. Er freut sich, künftig mehr Zeit für die Familie zu haben – und sicher auch noch intensiver seinen Hobbys Fotografieren und Natur nachzugehen.

Autor:

Rainer Schmitt (Freier Mitarbeiter) aus Betzdorf

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