Lager könnte unter Denkmalschutz gestellt werden
Paukenschlag am Stegskopf

Die Bauweise der Baracken im ehemaligen Lagerbereich am Stegskopf ist gefällig. Naturschutzinitiative, Landkreis und Ortsgemeinde Emmerzhausen bestätigen, dass es Bestrebungen gibt, die im kanadischen Holzhaus-Stil errichtete Anlage unter Denkmalschutz zu stellen. Dagegen will unter anderem die Ortsgemeinde vorgehen.  Foto: Naturschutzinitiative
  • Die Bauweise der Baracken im ehemaligen Lagerbereich am Stegskopf ist gefällig. Naturschutzinitiative, Landkreis und Ortsgemeinde Emmerzhausen bestätigen, dass es Bestrebungen gibt, die im kanadischen Holzhaus-Stil errichtete Anlage unter Denkmalschutz zu stellen. Dagegen will unter anderem die Ortsgemeinde vorgehen. Foto: Naturschutzinitiative
  • hochgeladen von Dr. Andreas Goebel (Redakteur)

goeb/sz Emmerzhausen. Ein Paukenschlag hat am Freitag das Daadener Land erschüttert. Der Verband Naturschutzinitiative (NI) berichtet in einem an die Medien versendeten Schreiben, dass die Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz den Lagerbereich des ehemaligen Truppenübungsplatzes Daaden (Stegskopf) als bauliche Gesamtanlage in die Denkmalliste des Landes Rheinland-Pfalz aufnehmen wolle.

Ein entsprechendes Schreiben, so ist weiter zu lesen, sei bereits vor einigen Wochen an die zuständigen Behörden und die Ortsgemeinde Emmerzhausen gegangen. Eine Anerkennung als Kulturdenkmal, so die NI weiter, hätte nach ihrem Dafürhalten zur Folge, dass die Lagerbaracken in der jetzigen Form erhalten bleiben müssten. Das sogenannte Veränderungsverbot würde bedeuten, dass die Gemeinde Emmerzhausen, die dort ein bislang ein Logistikzentrum errichten möchte, ihre Pläne nicht würde umsetzen können.

Zum Hintergrund: Zwar ist das rund 1900 Hektar große Naturgebiet um den ehemaligen Lagerbereich herum von der Bundesregierung vor einigen Jahren zum Nationalen Naturerbe erklärt worden und genießt daher strengen Schutz, für die frühere Barackensiedlung im kanadischen Holzhaus-Stil und den mit Hallen belegten früheren sog. Mob-Stützpunkt sowie für die Zufahrtsstraßen gilt das aber nicht. Hier sah die bislang nahezu gewerbefreie Ortsgemeinde Emmerzhausen eine große Chance, über deren Erschließung Betriebe ansiedeln und damit Steuern einnehmen und Arbeitsplätze sichern zu können. Wie die SZ berichtete, gab es zwei Konzepte für die Erschließung des bebauten Geländes im Lager. So würden sich im Fall des Denkmalschutzes auch die Pläne von Investor Martin Kessler zerschlagen.

Emmerzhausens Ortsbürgermeister Heinz Dücker war im Telefonat mit der SZ sichtlich verärgert über die Pressemitteilung der Naturschutzinitiative und ihres Vorsitzenden Harry Neumann, der in der Vergangenheit keinen Hehl aus seiner Forderung gemacht hatte, das gesamte Areal so zu belassen wie es ist.

Dücker sprach davon, dass die Mitteilung „ganz gezielt lanciert“ worden sei, und zwar zur Unzeit. Es stimme, dass die Ortsgemeinde Emmerzhausen seit einigen Wochen Kenntnis habe von den Vorgängen. „Ich will ganz offen sein: Wir hatten bis jetzt die Hoffnung, dass der Antragsteller sein Vorhaben zurückziehen könnte, ohne dabei das Gesicht zu verlieren. Deswegen haben wir die Presse da rausgelassen.“

Neumanns Schreiben lasse das nun leider nicht mehr zu. „Es ist aber ein schwebendes Verfahren, deshalb kann ich dazu nicht allzu viel sagen“, erklärte Dücker. Nur so viel: „Dass der Lagerbereich unter Denkmalschutz steht – so weit sind wir noch nicht.“

Emmerzhausen und er als Ortsbürgermeister seien in der Zwischenzeit nicht untätig gewesen. „Wir haben die Staatskanzlei in Mainz eingeschaltet und die Landesregierung um Hilfe gebeten.“ Er habe in der Sache am Montag einen Rechtsanwaltstermin und in der kommenden Woche sei außerdem ein runder Tisch in Koblenz anberaumt, u. a. mit der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA), die nach wie vor Eigentümerin des früheren Lagerbereichs ist.

Die Naturschutzinitiative wittert indes Morgenluft. „Wir begrüßen es sehr“, schreibt der Verband in seiner Einschätzung, „wenn das ehemalige Lager Stegskopf unter Denkmalschutz gestellt würde. Mit diesem Schutzstatus würde das kulturelle Erbe gewahrt, das durch die Errichtung eines industriellen Logistikparkes gänzlich zerstört würde. Außerdem wäre mit dieser Unterschutzstellung die Naturverträglichkeit mit dem Nationalen Naturerbe Stegskopf und den europäischen Schutzgebieten gegeben.“

Der Lagerbereich könnte nach Dafürhalten der NI auch problemlos in das Nationale Naturerbe Stegskopf eingegliedert werden. Diese neue Entwicklung mache es auch wieder möglich, einzelne Baracken des Lagers als Informations- und Naturerlebniszentrum zu nutzen und diese auch den Bürgern und Vereinen zur Verfügung zu stellen. „Das wäre genau das, was die Naturschutzinitiative schon seit Jahren fordert“, wird der Landesvorsitzende Neumann zitiert.

Bedauerlich sei allerdings, dass die Bevölkerung von den Verantwortlichen in den beiden Landkreisen Altenkirchen und Westerwald über diese neue Entwicklung bisher nichts erfahren habe. Denn es bestehe die Gefahr, dass die Ortsgemeinde Emmerzhausen aufgrund des „Veränderungsverbotes“ versuchen werde, „im Hintergrund“ auf politischem Wege die Unterschutzstellung zu verhindern, ohne die Öffentlichkeit hierüber zu informieren und diese zu beteiligen.

Die Naturschutzinitiative habe deshalb bei der Generaldirektion Kulturelles Erbe einen Antrag auf vollständige Akteneinsicht nach dem Landestransparenzgesetz eingereicht. Die zuständigen Behörden, fordert der Verband abschließend, sollten die Bevölkerung aber von sich aus über die neue Entwicklung informieren.

Kreisbeigeordneter Günter Knautz sagte am Freitag auf Nachfrage der Siegener Zeitung, dass die Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz den Landkreis Ende April über den Vorgang informiert habe. Man habe diese Vorab-Information daraufhin an die Verbandsgemeinde Daaden-Herdorf und die Ortsgemeinde weitergegeben. „In einem Gespräch in Mainz haben wir deutlich gemacht, dass wir diesem Ansinnen überhaupt nicht positiv gegenüberstehen“, ließ sich Knautz ein.
„Es konterkariert alle Bemühungen, das betreffende Gelände für die Gemeinde einer Nutzung zuzuführen.“ Demzufolge werde man seitens des Kreises jede Aktivität der Ortsgemeinde unterstützen, die geplanten gewerblichen Pläne dort auch umzusetzen. Knautz betonte, dass es sich seitens der Behörde nur um eine Untersuchung handele. „Es ist alles andere als in Stein gemeißelt.“

Auf die Frage nach dem speziellen Schutzgut des Bereichs sagte Knautz, dass es sich wohl um die „Gesamtanlage in ihrer geschichtlichen Entwicklung“ handele. Er wies darauf hin, dass sich das Lager Stegskopf nicht in der aktuellen Denkmalliste des Landes Rheinland-Pfalz befinde. Auch seien die Denkmalschutz-Aktivitäten offenbar ohne „aktuellen Bezug“. Entsprechende Vorstöße habe es im Jahr 2013 und im März 2016 gegeben. Knautz abschließend: „Alle Beteiligten sind jetzt an einer zügigen Entscheidung interessiert.“

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