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Medizinische Versorgung in Weitefeld ungewiss
Praxis vor dem Aus

In Weitefeld schließt die einzige allgemeinmedizinische Praxis Ende März – und das sorgt schon jetzt für Aufregung: Es dürfte für viele Patienten nicht leicht werden, einen neuen Hausarzt zu finden.
  • In Weitefeld schließt die einzige allgemeinmedizinische Praxis Ende März – und das sorgt schon jetzt für Aufregung: Es dürfte für viele Patienten nicht leicht werden, einen neuen Hausarzt zu finden.
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damo Weitefeld. Das Statistische Jahrbuch spricht eine klare Sprache: Was die Ärzteversorgung angeht, steht der Kreis AK nicht allzu gut da. 2020 haben kreisweit 59 Allgemeinmediziner und 97 Fachärzte praktiziert, rein rechnerisch haben sich 826 Menschen einen Arzt geteilt. Schon diese Zahl ist im Vergleich zum Landesschnitt von 580 ziemlich finster – und jetzt zeichnet sich ein weiterer Engpass ab: In Weitefeld steht die einzige Hausarztpraxis vor dem Aus. Die Praxis Dr. Schneider wird zum 31. März ihre Pforten schließen.

Damit droht eine Lücke, die für die 2500-Einwohner-Gemeinde neu wäre: Seit vielen Jahrzehnten haben die Weitefelder einen Hausarzt im Dorf.

damo Weitefeld. Das Statistische Jahrbuch spricht eine klare Sprache: Was die Ärzteversorgung angeht, steht der Kreis AK nicht allzu gut da. 2020 haben kreisweit 59 Allgemeinmediziner und 97 Fachärzte praktiziert, rein rechnerisch haben sich 826 Menschen einen Arzt geteilt. Schon diese Zahl ist im Vergleich zum Landesschnitt von 580 ziemlich finster – und jetzt zeichnet sich ein weiterer Engpass ab: In Weitefeld steht die einzige Hausarztpraxis vor dem Aus. Die Praxis Dr. Schneider wird zum 31. März ihre Pforten schließen.

Damit droht eine Lücke, die für die 2500-Einwohner-Gemeinde neu wäre: Seit vielen Jahrzehnten haben die Weitefelder einen Hausarzt im Dorf. Aber nicht allein die Sorge vor weiten Anfahrtswegen grassiert in der Höhengemeinde – vielmehr droht genau das Szenario, das vor einigen Jahren in Betzdorf für reichlich Wirbel gesorgt hat: Die Patienten müssen sich einen neuen Hausarzt suchen – und finden keinen.

Erfolgloses Abtelefonieren einiger Praxen

Diese Erfahrung hat Karl-Heinz Wenzelmann bereits gemacht. Der Vorsitzende des Vereins „Wir für Weitefeld“ hat schon einige Praxen in den umliegenden Gemeinden abtelefoniert – erfolglos, einen neuen Arzt hat er noch nicht. Und auch ein Anruf bei seiner Krankenkasse hat das Problem nicht lösen können: „Die haben mir gesagt, dass ich da wohl schlechte Karten hätte.“

Nun sorgt sich Wenzelmann nicht vorrangig um seine eigene medizinische Versorgung: Im Gespräch mit der SZ wirft er vor allem die Frage auf, was denn die vielen alten und chronisch kranken Patienten machen sollen. Denn für Wenzelmann steht außer Frage, dass das Problem noch viel größer wird, wenn die geplante Schließung der Praxis erst einmal die Runde gemacht und viel mehr Patienten die Suche nach einer neuen Praxis aufnehmen. „Da kommt ein großes Problem auf uns zu“, schwant Wenzelmann, der auch im Namen seines Stellvertreters Martin Ludwig spricht, Böses.

„Vielleicht hätte man dieses Thema in der Prioritätenliste schon früher ganz nach oben schieben müssen“, sagt Wenzelmann, und diese Aussage ist durchaus ein Stück weit selbstkritisch. Denn er und Ludwig haben bis vor Kurzem selbst noch im Gemeinderat gesessen. „Denn wie wichtig ein Arzt für den Ort ist, ist ja klar.“

Das weiß natürlich auch Ortsbürgermeister Karl-Heinz Keßler. Er ist aber – wie auch die Akteure im Daadener Rathaus – von der Nachricht der baldigen Schließung eiskalt erwischt worden. Zum einen hatten viele in Weitefeld auf eine interne Nachfolgeregelung in der Praxis gesetzt, zum anderen kam die Schließung zum Ende dieses Quartals laut Keßler völlig überraschend. „Ich habe es erst am Wochenende erfahren“, sagt er, „und dann haben wir umgehend gehandelt“.

Gespräche mit anderen Kommunen führen

Keßlers Botschaft ist eindeutig: „Wir werden alles daransetzen, möglichst rasch wieder einen Arzt zu bekommen.“ Deshalb ist die Gemeinde in den letzten Tagen mehrgleisig gefahren: Seit dem Wochenende streckt Keßler die Fühler aus, führt Gespräche und trägt zusammen, welche Wege Kommunen eingeschlagen haben, die in einer ähnlichen Situation gesteckt haben. Außerdem hat er umgehend die Fraktionen im Rat und die Beigeordneten informiert und einen Gesprächstermin in der Daadener Verwaltung angeleiert.

Noch liegt zwar kein fertiges Konzept auf dem Tisch, aber gut möglich erscheint, dass auch die Gemeinde Weitefeld versuchen könnte, einen neuen Arzt mit einer Prämie anzulocken. In der Stadt Daaden zum Beispiel hat exakt dieses Procedere Früchte getragen. Und die Weitefelder Finanzlage würde eine solche Vorgehensweise zulassen, versichert Bürgermeister Wolfgang Schneider: „Die Finanzlage dürfte da nicht zu Problemen führen.“

Allerdings gibt Schneider zu bedenken, dass das Grundproblem ein anderes sei: Es gebe schlicht und ergreifend zu wenig Ärzte, die bereit sind, auf dem Land zu praktizieren. Keßler formuliert es noch deutlicher: „Hier kommen nicht einfach auf Zuruf Ärzte hin.“ Mit anderen Worten, nämlich denen von Wolfgang Schneider: „Jetzt haben wir eine gewisse Dramatik: Die Patienten brauchen einen neuen Arzt – aber die Praxen drumherum werden, wenn sie ausgelastet sind, dankend ablehnen.“ Karl-Heinz Wenzelmann hat diese Erfahrung bereits gemacht.

Autor:

Daniel Montanus (Redakteur) aus Betzdorf

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