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In Daaden geht eine Ära zu Ende
Rainer Gerhardus war 36 Jahre Revierförster

Seit mehr als 36 Jahren ist er das Gesicht des Daadener Walds: Rainer Gerhardus. Jetzt geht der Förster in den Ruhestand – unter Rahmenbedingungen, die er sich ganz bestimmt anders gewünscht hätte.
  • Seit mehr als 36 Jahren ist er das Gesicht des Daadener Walds: Rainer Gerhardus. Jetzt geht der Förster in den Ruhestand – unter Rahmenbedingungen, die er sich ganz bestimmt anders gewünscht hätte.
  • Foto: damo
  • hochgeladen von Sonja Schweisfurth (Redakteurin)

damo Daaden. Das Forsthaus hat er längst geräumt, sein Büro aber noch nicht: Bis zuletzt hat Rainer Gerhardus alle Hände voll zu tun. Aber dass es auf seinem Schreibtisch noch so aussieht wie immer, darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass eine Ära zu Ende geht. Rainer Gerhardus hat heute seinen letzten offiziellen Arbeitstag nach mehr als 36 Jahren als Daadener Revierförster. Und in dieser Zeit hat er viele, viele Spuren hinterlassen – natürlich im Wald, aber auch in den Herzen der Menschen. Fast vier Jahrzehnte war er das Gesicht des Daadener Walds – Grund genug für die SZ, um gemeinsam mit ihm zurück und nach vorne zu schauen.

damo Daaden. Das Forsthaus hat er längst geräumt, sein Büro aber noch nicht: Bis zuletzt hat Rainer Gerhardus alle Hände voll zu tun. Aber dass es auf seinem Schreibtisch noch so aussieht wie immer, darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass eine Ära zu Ende geht. Rainer Gerhardus hat heute seinen letzten offiziellen Arbeitstag nach mehr als 36 Jahren als Daadener Revierförster. Und in dieser Zeit hat er viele, viele Spuren hinterlassen – natürlich im Wald, aber auch in den Herzen der Menschen. Fast vier Jahrzehnte war er das Gesicht des Daadener Walds – Grund genug für die SZ, um gemeinsam mit ihm zurück und nach vorne zu schauen.

Der Anfang

„Mein Vater hatte zwar wenig Zeit, aber er hatte immer Zeit, um mit uns in den Giebelwald zu gehen“, sagt der gebürtige Mudersbacher: „Ich war immer ein Waldmensch.“ Bei der Bundeswehr lernte er einen jungen Förster kennen, und was der über seinen Beruf erzählte, machte Gerhardus neugierig. Nach dem Wehrdienst jobbte er als Waldarbeiter – und traf schließlich die Entscheidung, die Försterei zu seinem Beruf zu machen.

Die Lehrjahre

Nach zwei Jahren Ausbildung in der Landesforstschule folgten praktische Jahre in verschiedenen Forstämtern. Im Büro im Soonwald lernte er den bissigen Dackel unter dem Tisch des Amtsleiters kennen, im Westerwald musste er noch während der Ausbildung Revierleiter vertreten, und in der Eifel gefiel es ihm so gut, dass er sie bis heute „zweite Heimat“ nennt.

Der Wechsel nach Daaden

1984 trat Gerhardus auf eigenen Wunsch die Revierleiterstelle in Daaden an – und stellte die Daadener vor einige Herausforderungen. Katholisch, noch nicht verheiratet, Jeans und lange Haare: „Das ist unser neue Förster? Der sieht ja aus wie ein Dahergelaufener“: Gerhardus erzählt lachend von dieser Begegnung mit einem Haubergsgenossen älteren Semesters. Aber es dauerte nicht lang, bis er sich mit seinem Engagement und seiner Fachkompetenz ein gutes Standing bei den Waldbesitzern erarbeitet hatte.

Das Forstrevier

Als Gerhardus nach Daaden kam, war der Wald von Nadelbäumen geprägt. Gut 60 Prozent betrug der Fichtenanteil im Hauberg. Das Wegenetz war noch nicht gut ausgebaut, und auch die Bestandspflege forderte den jungen Förster. Aber er traf auf Waldbesitzer, die bereit waren, mit ihm anzupacken und neue Wege zu gehen.

Die Kalamitäten

Spätestens mit Wiebke und ihren Schwestern im Jahr 1990 war zu erkennen, dass die Monokulturen anfällig waren – die Stürme hatten hierzulande teils verheerende Auswirkungen. Nach den Orkanen mussten im Forstrevier Daaden 25 000 Festmeter Fichte aus dem Wald geholt und vermarktet werden – wohlgemerkt noch ohne Harvester. Aber es gelang dank gemeinsamer Anstrengungen: Nass- und Trockenlager wurden eingerichtet, und weil der Holzmarkt noch regional war, konnten unzählige Festmeter ins Sägewerk nach Langenbach gebracht werden. Aber die Stürme hatten überdeutlich gezeigt: Es war Zeit für ein Umdenken.

Der Umbau des Waldes

„Es war ein Segen, dass im Forstamt Kirchen damals Mario Schneiderhöhn saß“, blickt Gerhardus zurück. In der Tat: Schneiderhöhn stand in dem Ruf, die Zeichen der Zeit richtig zu deuten und den Waldumbau konsequent voranzutreiben. Und so hatte Gerhardus sowohl im Forstamt den richtigen Partner an seiner Seite als auch eine Haubergsgenossenschaft vor Ort, die aufgeschlossen war. Natürlich hat Kyrill auch im Forstrevier Daaden gewütet – aber vielerorts blieben eben keine öden Kahlflächen zurück, weil unter den alten Fichten längst ein neuer Mischwald entstanden war. „Schon vor Wiebke haben die Haubergsgenossen viel Geld in die Hand genommen, um den Buchenvoranbau voranzutreiben. Und das war die richtige Entscheidung.“

Die Borkenkäfer-Plage

Der Urgewalt von Wiebke und Kyrill haben die Fichten noch getrotzt, aber im Kampf gegen ein Heer aus winzig kleinen Insekten haben die stolzen Bäume den Kürzeren gezogen. Das gilt auch im Forstrevier Daaden, auch wenn Gerhardus klarstellt, dass es eben keineswegs ein grundsätzlicher Fehler früherer Förstergenerationen war, auf die Fichte zu setzen. Aber: „Die Rahmenbedingungen haben sich einfach geändert.“ Und so mussten die Waldbesitzer und ihr Revierförster gemeinsam erkennen, dass „wir den Käfer nicht bremsen können“.

Der Klimawandel

Sein Nachfolger im Forstrevier Daaden – der noch nicht feststeht, denn vorerst gibt es nur eine kommissarische Besetzung – steht vor einer großen Herausforderung: Es gilt, auf großer Fläche einen neuen Wald aufzubauen, und zwar flankiert von einem riesigen Fragezeichen. „Es kann kein Patentrezept geben, weil wir nicht wissen, wo uns das Klima hintreibt.“ Fakt ist aber: Monokulturen sind passé, die Waldbesitzer müssen auf viele Baumarten setzen. Und das muss von einer intensiven Jagd flankiert werden: „Wir werden den Wald nur gestalten können, wenn die Wildbestände so reguliert werden, dass Pflanzen wachsen können – ohne Zäune und Einzelschutz.“

Der Abschied

Das Gefühl, mit dem Gerhardus in den Ruhestand geht, ist natürlich geprägt vom Niedergang ganzer Fichtenbestände: „Wir Förster sind seit zwei, drei Jahren nur noch die Totengräber der Fichte.“ Und selbstredend hätte sich Gerhardus gerne anders verabschiedet: „Es fühlt sich unvollendet an. Wir haben den Wandel eingeleitet und in vielen Teilen auch erfolgreich vollzogen – und trotzdem stehen wir jetzt vor riesigen Kahlflächen.“

Die Zukunft

Rainer Gerhardus wird dem Wald erhalten bleiben: „Ich werde nicht von heute auf morgen die Liebe zum Wald verlieren.“ Er will zur Stelle sein, wenn sein Nachfolger Hilfe braucht, und er bleibt Haubergsgenosse: „Ich bin Siegerländer: Ich komme aus dem Hauberg.“
Daniel Montanus

Autor:

Daniel Montanus (Redakteur) aus Betzdorf

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