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Bürgermeister Daaden-Herdorf
Schwierige Suche nach Nachfolger von Wolfgang Schneider

Das ist der Arbeitsplatz des Bürgermeisters der VG Daaden-Herdorf. Nach 28 Jahren wird im kommenden Sommer dort der Nachfolger von Wolfgang Schneider seinen Dienst antreten.
  • Das ist der Arbeitsplatz des Bürgermeisters der VG Daaden-Herdorf. Nach 28 Jahren wird im kommenden Sommer dort der Nachfolger von Wolfgang Schneider seinen Dienst antreten.
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  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

damo Daaden/Herdorf. Windhagen ist ein kleines Dörfchen im Westerwald, und doch ist es vor anderthalb Jahren in den Fokus einer breiten Öffentlichkeit gerückt: Im November 2019 ist dort der älteste Ortsbürgermeister der Bundesrepublik in den Ruhestand gegangen. Josef Rüddel, Vater des Bundestagsabgeordneten Erwin, hat den Chefsessel im Gemeindebüro erst mit 94 Jahren geräumt. Das war durchaus im Einklang mit der rheinland-pfälzischen Gemeindeordnung: Für Ehrenamtler gibt’s kein Alterslimit. Ganz anders sieht’s bei den hauptamtlichen Bürgermeistern aus, und so wird im Sommer 2022 in der Verbandsgemeinde Daaden-Herdorf eine Ära zu Ende gehen.

Nachfolger von Wolfgan

damo Daaden/Herdorf. Windhagen ist ein kleines Dörfchen im Westerwald, und doch ist es vor anderthalb Jahren in den Fokus einer breiten Öffentlichkeit gerückt: Im November 2019 ist dort der älteste Ortsbürgermeister der Bundesrepublik in den Ruhestand gegangen. Josef Rüddel, Vater des Bundestagsabgeordneten Erwin, hat den Chefsessel im Gemeindebüro erst mit 94 Jahren geräumt. Das war durchaus im Einklang mit der rheinland-pfälzischen Gemeindeordnung: Für Ehrenamtler gibt’s kein Alterslimit. Ganz anders sieht’s bei den hauptamtlichen Bürgermeistern aus, und so wird im Sommer 2022 in der Verbandsgemeinde Daaden-Herdorf eine Ära zu Ende gehen.

Nachfolger von Wolfgang Schneider in Daaden-Herdorf gesucht

Dann nämlich wird der Nachfolger von Wolfgang Schneider sein Amt antreten: Das Rathaus bekommt einen neuen Chef. Seit 28 Jahren lenkt Schneider die Geschicke der Verbandsgemeinde – eine gewaltige Zeitspanne, auch wenn Josef Rüddel darüber wohl nur müde lächeln könnte. Aber selbst, wenn Schneider wollen würde, hätte er keine Chance, an Rüddels Rekord zu kratzen: Er feiert im Herbst seinen 66. Geburtstag und darf sich nicht mehr zur Wahl stellen. „Damit bin ich raus“, sagt Schneider.
Seine Amtszeit läuft regulär bis Ende Juni 2022 – aber es kann gut sein, dass er auf die letzten vier Wochen verzichtet. Denn nur so ließe sich die Bürgermeisterwahl am selben Tag ausrichten wie die Bundestagswahl.
Dazu muss man wissen: Das Berliner Parlament soll am 26. September gewählt werden – und die größte Zeitspanne zwischen Wahltermin und Dienstantritt eines neuen Bürgermeisters liegt bei neun Monaten. Also würden ein paar Tage fehlen – wenn Wolfgang Schneider da nicht einen Vorschlag in petto hätte: „Ich kann mir gut vorstellen, einen Monat früher aufzuhören, damit beide Wahltermine zusammengefasst werden können.“ Beschließen müssen das letztlich die Gremien der Verbandsgemeinde, die sich in dieser Woche im Haupt- und Finanzausschuss erstmals mit dem Thema befassen.

1994 gegen SPD-Mann Reiner Rühmann gewonnen

Es gibt zwei gute Gründe, Schneiders Offerte anzunehmen: Zum einen ist jede Wahl ein großer logistischer Aufwand mit Dutzenden ehrenamtlichen Helfern; zum anderen würde die Wahlbeteiligung bei einem kombinierten Urnengang deutlich höher ausfallen. „Und das ist schon ein Unterschied, ob ich den Zuspruch von über 50 Prozent der Wählern hinter mir weiß“, sagt Schneider aus Erfahrung: Bei seiner Wiederwahl 2010 gab es keinen Gegenkandidaten und keine überregionale Wahl, mit der man die Bürgermeisterwahl hätte zusammenlegen können – damals haben gerade einmal 22,9 Prozent der Wähler ihre Stimme abgegeben.
Aber Schneider hat auch spannende Duelle mit hoher Wahlbeteiligung hinter sich. Insbesondere das erste: 1994 ist er gegen den favorisierten Sozialdemokraten Reiner Rühmann angetreten. Natürlich hat die SPD damals im Wahlkampf einige böse Fehler gemacht, aber Fakt ist: Der externe und parteilose Bewerber hat nicht nur gewonnen, sondern die Chance genutzt, mit seiner Fachlichkeit und seinem unaufgeregten Stil eine Ära zu prägen.

Ein externer Kandidat für Daaden-Herdorf?

Vielleicht wäre gerade bei der Wahl im September wieder ein externer Kandidat die passende Option: Denn noch immer ist die zwangsfusionierte Verbandsgemeinde kein homogenes Konstrukt. Auf den beiden Seiten der Herdorfer Höhe wird unterschiedlich gedacht und gelebt, und die Wunden, die die Herdorfer nach der Eingemeindung ausgiebig geleckt haben, sind noch lange nicht alle verheilt. Und dass insbesondere die Herdorfer Wähler taktisch geschickt ihre Kreuzchen da machen, wo es fürs Städtchen gut erscheint, sieht man mit einem einzigen Blick auf die Besetzung des VG-Rats. Wenn also Kandidaten mit Daadener oder Herdorfer Wurzeln ins Rennen geschickt würden, könnte am Ende der Wohnort entscheiden – und nicht die fachliche Eignung.
Zumal es weit und breit in der VG keinen klassischen Kronprinzen, wie es z.B. Joachim Brenner in Gebhardshain oder Berno Neuhoff in Wissen war, gibt. Am ehesten würde diese Rolle wohl noch auf den Christdemokraten Tobias Gerhardus zutreffen, der als Kreisbeigeordneter sicher die nötige Verwaltungserfahrung mitbringen würde. Aber als B-Kandidat für den Landtag scheint für ihn eine andere politische Laufbahn vorgezeichnet zu sein.

Uwe Geisinger und Timo Lindinger als mögliche Kandidaten

Auch im weiten Rund des Verbandsgemeinderats sind nicht viele potenzielle Kandidaten auszumachen. Vielleicht Uwe Geisinger (CDU), vielleicht Timo Lindinger (SPD). Aber beide hätten dasselbe Problem: Auf ihrer Seite der Höhe würden sie sicher solide punkten – aber auf der anderen Seite würde es für beide deutlich schwieriger. Und dieses Problem hätte auch Daadens Stadtbürgermeister Walter Strunk, der zudem wegen seines Alters zumindest keine neue Ära prägen könnte.
Genau das trifft auch für die exponierten Köpfe aus der Daadener Verwaltung zu – insbesondere auf die Herren Stühn und Märker. So bleibt der Blick in die übrigen Verwaltungen, und fast reflexartig rückt Altenkirchen in den Fokus. Schließlich hat gerade die Kreisverwaltung früher in schöner Regelmäßigkeit Kandidaten für die Rathäuser geliefert – zum Beispiel Konrad Schwan, Wolfgang Schneider oder Berno Neuhoff. Aber aktuell gibt es auch im Kreishaus keinen Mitarbeiter, der deutlich hörbar mit den Hufen scharren würde.
Bleibt als Fazit: Ein Selbstläufer wird die Neubesetzung des Chefsessels im Daadener Rathaus keineswegs, sondern eine ernsthafte Herausforderung. Und die muss bewältigt werden – denn diese Wahl wird Gewicht haben: Irgendwann muss es gelingen, eine noch immer gespaltene Verbandsgemeinde zu einen.

Autor:

Daniel Montanus (Redakteur) aus Betzdorf

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