»Sein Maßstab war der Erfolg«

Die Volksbank Daaden war sein Leben

Vorstandsmitglied Alfred Ermert gestern offiziell in den Ruhestand verabschiedet

Daaden. Mehr als 48 Jahre hat er der Volksbank Daaden treu gedient und sich dem Genossenschaftsgedanken verschrieben. Jetzt ist die Zeit des Abschieds auch für ihn gekommen: Mit einer Feierstunde im Gasthof Koch nahm Alfred Ermert im Kreise seiner Familie Abschied von »seiner« Volksbank und seinen Arbeitskollegen. Zahlreiche Freunde und Wegbegleiter waren seiner Einladung nach Daaden gefolgt, um noch einmal Danke zu sagen für 48 Jahre kollegiale und vor allem erfolgreiche Jahre der Zusammenarbeit.

Zahlreiche Gäste

Josef Euteneuer, Vorsitzender des Aufsichtsrats, begrüßte die Gäste, unter denen sich Vertreter des Genossenschaftsverbandes, des genossenschaftlichen Verbundes, der Nachbargenossenschaften, der Bundesbank, der IHK, sowie die Bürgermeister Uwe Erner (Herdorf) und Wolfgang Schneider (Daaden) und der Aufsichtsrat der Volksbank Daaden befanden.

Alfred Ermert trat am 1. August 1955 als 17-Jähriger in die Volksbank Daaden ein. Er war von 1964 bis 1973 Zweigstellenleiter in Herdorf und ab 1973 bis 1986 Innenleiter der Volksbank in Daaden. Am 1. Februar 1986 wurde er vom Aufsichtsrat in den Vorstand berufen. Nach über 40 Jahren Berufstätigkeit, davon 17 Jahre als Vorstand, scheidet Alfred Ermert aus dem aktiven Dienst aus. So weit die nüchternen Zahlen eines Bankerlebens.

Eine erste Bewährungsprobe

Vorstandsmitglied Günther Arndt schmückte die Vita des scheidenden Vorstandmitglieds und geschätzten Kollegen mit etwas Historie. 1955, so Arndt, war ein geschichtlich bedeutendes Jahr. Konrad Adenauer war Bundeskanzler, Theodor Heuss war Bundespräsident, Deutschland wurde in die Nato aufgenommen und Alfred Ermert in die Volksbank. Mit 23 Jahren, so Arndt, musste Ermert eine erste Bewährungsprobe bestehen: Er wurde Zweigstellenleiter in Herdorf. Damals wusste Ermert weder, wo diese Zweigstelle in Herdorf sein sollte, noch mit wem er dort zusammenarbeiten sollte. Letzteres hatte sich schnell geklärt, Ermert musste den »Laden allein schmeißen«, es war damals noch eine Ein-Mann-Filiale. Die Einführungsphase dauerte kaum 24 Stunden, es war der sprichwörtliche Sprung ins kalte Wasser.

Stets ein Allround-Mann

Heute arbeiten zehn Mitarbeiter in Herdorf, und wo die Volksbank ihre Filiale hat, weiß im Hellerstädtchen jedes Kind. 1973 wurde Alfred Ermert mit der Innenleitung der Volksbank Daaden betraut, ein Ressort, das es heute nicht mehr gibt, die Organisationsstrukturen haben sich geändert. Arndt bestätigte seinem Kollegen, stets ein Allround-Mann gewesen zu sein, praktizierende Kundennähe sei ihm stets das Wichtigste gewesen. Bürokratismus und das immer dichter werdende Vorschriftengeflecht waren Ermert stets ein Gräuel, und er nutzte nicht nur seine Abschiedsrede, um nochmals auf diese Missstände aufmerksam zu machen. »Viel zu viele Theoretiker hemmen die Praktiker bei ihrer Arbeit«, sagte Ermert in seiner Ansprache. Die Vorschriften seien mittlerweile überzogen und arbeitshemmend, so Arndt in seiner Rede weiter, Ermert habe sich nie mit der Herde treiben lassen, er ging schon mal auch gegen den Zeitgeist. »Sein Maßstab war der Erfolg. Und dafür gibt es keinen Lift. Alfred Ermert hat immer die Treppe benutzt, Stufe um Stufe«, bestätigte ihm sein langjähriger Arbeitskollege.

Gravierende Veränderungen erfahren

In die Ära Ermerts fielen gravierende Veränderungen in der Entwicklung der Volksbank Daaden: 1960 wurde in Herdorf eine Zweigstelle eröffnet, danach folgten Weitefeld, Friedewald und Niederdreisbach. Der Mitarbeiterbestand der Volksbank Daaden hat sich bis heute verzehnfacht und umfasst heute 52 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Die Volksbank Daaden war in seiner Ära der größte Finanzierer in der Verbandsgemeinde Daaden und der Stadt Herdorf und damit maßgeblich an der günstigen Wirtschaftsstruktur der Region beteiligt.

Alfred Ermert hinterlässt eine Bank, die in ihrem Geschäftsgebiet eine gute Marktdurchdringung hat, gut organisiert ist, eine solide Ertragslage und gute Eigenkapitalausstattung und hohen Qualitätsanspruch hat. Für Heinz Euteneuer, Ermerts Nachfolger, liegt die Messlatte sehr hoch. Angesichts der schwierigen wirtschaftlichen Lage keine leichte Aufgabe, das Genossenschaftsschiff in ruhige Gewässer zu steuern.

Nur das Beispiel nützt

Walter Weinkauf, Vorstand des Genossenschaftsverbands Frankfurt, überreichte schließlich den Ehrenbrief des Verbandes an das scheidende Vorstandsmitglied Alfred Ermert. Mit einem Raiffeisenzitat erinnerte Weinkauf an den Genossenschaftsgedanken: »Das Beispiel nützt allein, die Worte nichts«. Ermert hat Zeit seines Wirkens stets Beispiel gegeben.

In all den Jahren hat Inge Ermert an so manchen Abenden auf ihren Mann warten müssen. Diese Zeiten sind jetzt vorbei. Günther Arndt dankte ihr mit einem Blumenbouquet für das Verständnis, das sie ihrem Mann und damit eben auch der Volksbank Daaden immer entgegen gebracht hat.

Über ein Geschenk werden die beiden »Ruheständler« sich besonders gefreut haben: Von den direkten Volksbank-Nachbarn aus Hamm und Gebhardshain erhielt Alfred Ermert einen Gutschein über eine Ballonfahrt – damit er auch im Ruhestand nicht den Überblick verliert.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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