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An dem Projekt scheiden sich die Geister
Solarpark Daaden: Alles eitel Sonnenschein?

Auf der Wiese im Vordergrund will ein Investor aus Hessen einen Solarpark bauen. Der Rat hat beschlossen, der Idee eine Chance zu geben: Jetzt soll geprüft werden, was geht und was nicht. Aber es gibt auch kritische Stimmen.  Foto: damo
  • Auf der Wiese im Vordergrund will ein Investor aus Hessen einen Solarpark bauen. Der Rat hat beschlossen, der Idee eine Chance zu geben: Jetzt soll geprüft werden, was geht und was nicht. Aber es gibt auch kritische Stimmen. Foto: damo
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damo Daaden. 7 Millionen Kilowattstunden pro Jahr, also so viel Strom, dass er rechnerisch ausreichen würde, um 2000 Haushalte zu versorgen: Wenn diese geballte Energie allein aus regenerativen Quellen gewonnen wird, dann muss doch alles eitel Sonnenschein sein – oder? Mitnichten. Denn dass man den Bau eines großen Solarparks aus ganz unterschiedlichen Perspektiven sehen und dann zu völlig unterschiedlichen Bewertungen kommen kann, zeigt ein Blick auf den Daadener Silberberg.

Dort will bekanntlich ein Investor aus dem hessischen Friedrichsdorf zwei Grundstücke erwerben, um dort im großen Stil die Kraft der Sonne in Strom umzuwandeln. Auf einer neun Hektar großen Weidefläche will er Photovoltaikpanels aufstellen.

damo Daaden. 7 Millionen Kilowattstunden pro Jahr, also so viel Strom, dass er rechnerisch ausreichen würde, um 2000 Haushalte zu versorgen: Wenn diese geballte Energie allein aus regenerativen Quellen gewonnen wird, dann muss doch alles eitel Sonnenschein sein – oder? Mitnichten. Denn dass man den Bau eines großen Solarparks aus ganz unterschiedlichen Perspektiven sehen und dann zu völlig unterschiedlichen Bewertungen kommen kann, zeigt ein Blick auf den Daadener Silberberg.

Dort will bekanntlich ein Investor aus dem hessischen Friedrichsdorf zwei Grundstücke erwerben, um dort im großen Stil die Kraft der Sonne in Strom umzuwandeln. Auf einer neun Hektar großen Weidefläche will er Photovoltaikpanels aufstellen. Und wie er im Gespräch mit der SZ gestern betonte, ist die Fläche sorgfältig ausgewählt. Denn nicht nur die Größe und die Ausrichtung weiter Teile des Areals gen Süden passen, sondern auch ein nahegelegener Einspeisepunkt ins Stromnetz und die gute Anbindung ans Verkehrsnetz sprechen aus Sicht des Planers für den Silberberg. Dort will er laut eigener Aussage nicht nur investieren, sondern über Jahrzehnte auch Betreiber der Anlage bleiben. „Ich bleibe der Ansprechpartner“, sagt er.

Diese Rolle hat er erstmals am Mittwoch im Stadtrat gespielt: Im nichtöffentlichen Teil der Sitzung hat er den Ratsmitgliedern sein Konzept vorgestellt und deren Fragen beantwortet. Denn klar ist: Ohne die Gemeinde geht’s nicht – sie muss das Solarpark-Projekt flankierend unterstützen. So braucht es einen vorhabenenbezogenen Bebauungsplan, und auch der Flächennutzungsplan muss geändert werden.

Offenbar hat der Planer gute Argumente geliefert – denn im öffentlichen Teil der Ratssitzung hat das Gremium alle erforderlichen Weichen gestellt, und zwar einstimmig. Aber das heißt noch lange nicht, dass alle Anwesenden das Projekt befürwortet hätten: Denn die Zuschauerbänke waren gut gefüllt, und von dort aus wurde das Projekt sehr kritisch beäugt.

Die SZ stellt hier die unterschiedlichen Positionen vor:

Der Stadtrat: Diskutiert wurde nicht – zumindest nicht kontrovers. Denn alle, die sich zu Wort meldeten, waren sich in einem wesentlichen Punkt einig, den Rainer Gerhardus (SPD) treffend formulierte: „Wir müssen endlich ernst damit machen, die Klimaziele zu erreichen. Es muss was passieren, und dann muss man vor der eigenen Haustür anfangen.“ Schon jetzt stehe Millionen Menschen das Wasser buchstäblich bis zum Hals, damit sei die Zeit vorbei, in der man sich den Luxus erlauben könnte, derartige Projekte leichtfertig abzulehnen. Auch Gabi Heß (FWG) schlug in diese Kerbe: „Die Energiewende passiert nicht auf dem Papier, und sie passiert nicht immer nur woanders.“ Beide ließen anklingen, dass sie dem aufwändigen Prüfverfahren vertrauen: Denn bei der Aufstellung des Bebauungsplans werde alles genau geprüft – also auch die Auswirkungen auf die Natur und auf die Umgebung. Auch die übrigen Sprecher im Rat schlossen sich dieser Grundposition an, sodass das Gremium schließlich ohne Gegenstimme dafür votierte, dem Projekt eine Chance zu geben.

Die Nachbarn: Zwar liegt das Gelände, auf dem der Solarpark errichtet werden soll, ziemlich abseits – aber eben nicht ganz im Nirgendwo. Und so gibt es unmittelbar Betroffene: das gesamte Team des Reiterhofs Silberberg. Kein Wunder, dass die Stallgemeinschaft mit gut 20 Zuhörern die Ratssitzung verfolgte und anschließend im Gespräch mit der SZ deutliche Bedenken angemeldet hat. Hilmar Bald, der Betreiber des Reiterhofs, führte mehrere Argumente ins Feld. Weil der Solarpark kaum 150 Meter von seinen Ställen entfernt entstehen soll, sieht er ein wesentliches Standbein des Hofs gefährdet: Alljährlich machen rund 300 Kinder Reiterurlaub auf dem Hof – und in der Tat droht vieles von dem Bullerbü-Effekt, den der Hof dank seiner hübschen Alleinlage hat, verloren zu gehen. „Da würden 3 Meter hohe Stacheldrahtzäune an unseren Reitplatz angrenzen“, mahnt Bald. Außerdem verweist er auf die Bedeutung der Weiden als Futterquelle: Auf den neun Hektar Fläche gewinnt der Hof Silberberg einen Gutteil des Heus, der an die knapp 80 Pferde verfüttert wird. Zudem befürchtet die Stallgemeinschaft, dass die Bauphase erhebliche Beeinträchtigungen für die Tiere mit sich bringt. Dass zudem auch Naturschutz-Aspekte berührt sein können, macht das Projekt in den Augen des Hofs Silberberg ebenfalls nicht besser.

Der Umweltschutz: Sowohl der BUND als auch der örtliche NABU haben die Sitzung des Stadtrats mit Interesse verfolgt, und beide Naturschutzverbände sind sich in der Beurteilung einig: Grundsätzlich sei Photovoltaik zu befürworten – aber bitte auf Dächern, nicht auf Grünflächen. „Hier droht Grünland zerstört zu werden, das anderweitig besser genutzt werden kann“, mahnte Sigrid Schmidt-Fasel (NABU) im Telefonat mit der SZ. Sie würde sich vielmehr wünschen, dass bei großen Bauprojekten schon in der Planungsphase über PV-Panels auf dem Dach nachgedacht werde – und mehr noch: „Da könnte man durchaus über eine gesetzliche Verpflichtung, verbunden mit einer Förderung, nachdenken.“ Auch Sonja Schütz, Kreisvorsitzende des BUND, warnt vor dem Flächenfraß: Denn selbst, wenn die Weiden nicht versiegelt würden, zeige die Erfahrung, dass die Wiesen anschließend verloren seien. „Ich habe noch keine Anlagen gesehen, wo unter den Panels noch was stattfindet, zum Beispiel eine Beweidung. Nauroth, Kausen oder Neunkhausen: Da ist nichts mehr drunter.“ Fazit der beiden Naturschützerinnen: „Es gibt genug Dächer, wo noch PV-Anlagen draufpassen.“

Die Wäller Energiegenossen: Die Energiegenossenschaft sucht bekanntlich neue Projekte – nach dem Windkraft-Repowering in Oberdreisbach und der PV-Anlage auf dem Dach eines Supermarkts in Biersdorf gab es keine neuen Investitionen mehr. Und trotzdem beäugt die Genossenschaft das angedachte Projekt nicht in erster Linie neidisch, sondern eher mit einer gewissen Skepsis. „Mit klassischen landwirtschaftlichen Flächen tun wir uns eher schwer“, sagte Vorstandsmitglied Günter Knautz. Auch wenn man diese Projekte nicht kategorisch verneinen dürfe, sondern den Einzelfall prüfen müsse, hält auch Knautz Dach-Anlagen für die deutlich bessere Variante.

So viel zu den verschiedenen Positionen – weil letztlich aber die des Stadtrats aktuell am meisten Gewicht hat, läuft jetzt das Bebauungsplanverfahren. Aber: Dazu gehört nicht nur z.B. die oben erwähnte Umweltverträglichkeitsprüfung – und so können sich die Kritiker noch zu Wort melden: Die Offenlage und die Beteiligung der Träger öffentlicher Belange sind der Teil des Bebauungsplanverfahrens, in dem Kritik und Bedenken geäußert werden können. <chartag shortcut="z-Autor" tag="autor-7p">Daniel Montanus</chartag>

Autor:

Daniel Montanus (Redakteur) aus Betzdorf

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