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Pläne für große Anlage in Weitefeld
Solarpark statt Kohlekraftwerk

Auf einer rund acht Hektar großen Wiese am Ortsrand von Weitefeld soll eine Photovoltaikanlage entstehen. Der Rat hat dem Projekt grünes Licht gegeben, aber es sind noch etliche Hürden zu nehmen.
  • Auf einer rund acht Hektar großen Wiese am Ortsrand von Weitefeld soll eine Photovoltaikanlage entstehen. Der Rat hat dem Projekt grünes Licht gegeben, aber es sind noch etliche Hürden zu nehmen.
  • Foto: Pixabay
  • hochgeladen von Pascal Mlyniec (Redakteur)

damo Weitefeld. Die Zeiten ändern sich: Vor einigen Jahrzehnten wollte die VEBA in Weitefeld ein Kohlekraftwerk aus dem Boden stampfen. Heute soll dort ein Kraftwerk mit einer ganz anderen Technologie entstehen: Der Stromnetzbetreiber EAM plant, am Ortsrand eine gewaltige Photovoltaik-Anlage zu bauen. Etwa 3 Millionen Euro sollen investiert werden – und der Strom würde rechnerisch ausreichen, um das gesamte Dorf zu versorgen.

Einer, den damals der Protest gegen das Kohlekraftwerk in die Politik getrieben hat, hat heute eine wichtige Position inne: Karl-Heinz Keßler ist Ortsbürgermeister – und ohne die Unterstützung der Ortsgemeinde kann EAM seine Pläne vergessen.

damo Weitefeld. Die Zeiten ändern sich: Vor einigen Jahrzehnten wollte die VEBA in Weitefeld ein Kohlekraftwerk aus dem Boden stampfen. Heute soll dort ein Kraftwerk mit einer ganz anderen Technologie entstehen: Der Stromnetzbetreiber EAM plant, am Ortsrand eine gewaltige Photovoltaik-Anlage zu bauen. Etwa 3 Millionen Euro sollen investiert werden – und der Strom würde rechnerisch ausreichen, um das gesamte Dorf zu versorgen.

Einer, den damals der Protest gegen das Kohlekraftwerk in die Politik getrieben hat, hat heute eine wichtige Position inne: Karl-Heinz Keßler ist Ortsbürgermeister – und ohne die Unterstützung der Ortsgemeinde kann EAM seine Pläne vergessen. Aber die Zeiten ändern sich ja bekanntlich: Der Rat – und an dessen Spitze der Ortsbürgermeister – haben am Dienstagabend grundsätzlich grünes Licht für die Solarpark-Pläne gegeben.

Noch einige Hürden zu nehmen

Das heißt freilich noch lange nicht, dass bald die Bagger anrollen: Ob auf der acht Hektar großen Wiese, die sich an der Bahnhofstraße zwischen dem Norma-Markt und dem Elbbach erstreckt, wirklich bald Strom aus regenerativen Quellen gewonnen wird, steht noch in den Sternen. Denn es gibt noch einige Hürden, die die EAM-Planer nehmen müssen.

Die wohl größte ist das EEG-Ausschreibungsverfahren bei der Bundesnetzagentur. Mehr als einmal machten die beiden EAM-Vertreter bei ihrer Präsentation im Gemeinderat darauf aufmerksam, dass die Anlage wirtschaftlich konkurrenzfähig sein muss, um dieses Verfahren erfolgreich zu überstehen. „Und wir konkurrieren mit Anlagen in Bayern, wo zigmal mehr Sonnenschein zu erwarten ist“, erklärte Fatih Erden. Dass die EAM-Planer trotzdem Optimismus verbreitet haben, ist mit drei Trümpfen der Fläche zu erklären:

  • Die Fläche ist nicht beschattet und nach Süden ausgerichtet – wenn denn die Sonne über Weitefeld scheint, dann auch über allen PV-Modulen;
  • Der Besitzer ist offenbar bereit, das Vorhaben zu unterstützen und keine überzogenen Pachtforderungen zu stellen: „Er wird sich keine goldene Nase verdienen“, stellte Erden klar – das lasse die Kalkulation schlichtweg nicht zu.
  • Der nächste Einspeisungspunkt ins Netz liegt praktisch am Rand der Fläche; das senke die Baukosten um eine halbe Million Euro, verdeutlichte Kerstin Eymer.

Flächenknappheit ein Problem?

Neben der EEG-Ausschreibung müssen noch etliche weitere Schritte erledigt werden – so muss die Gemeinde Baurecht schaffen. Und auch hier lauern Hindernisse: Es geht nicht ohne Umweltverträglichkeitsprüfung, und auch die Landwirtschaftskammer muss angehört werden – und die ist, Stichwort Flächenknappheit, bekanntlich skeptisch, wenn landwirtschaftliche Nutzfläche mit PV-Modulen überbaut werden soll.

Bevölkerung mit einbeziehen

Auch die Akzeptanz der Bevölkerung wird im weiteren Verfahren eine Rolle spielen – aber da darf man den Planern bescheinigen, dass sie einen vielversprechenden Weg einschlagen wollen: Sie wollen die Wäller Energiegenossenschaft mit ins Boot holen. Interessierte Bürger können sich finanziell an der Anlage beteiligen und von jeder Sonnenstunde finanziell profitieren. Planen, bauen und betreiben will EAM den Solarpark selbst: Denkbar ist ein Beteiligungsmodell, das die Energiegenossenschaft zu Darlehensgebern macht und den Zinssatz an den Ertrag der Anlage koppelt. Aber auch eine Beteiligung der Gemeinde sei denkbar, versicherte Kerstin Eymer. Und gegen eine Direktvermarktung des Stroms an Weitefelder Firmen spreche auch nichts.

"Das wäre ein deutlicher Beitrag der Gemeinde zur Energiewende."
Fatih Erden
EAM

5 Millionen Kilowattstunden, so die Berechnung der Planer, könnten pro Jahr produziert werden – das reiche aus, um 1400 Haushalte zu versorgen. Im Vergleich mit fossilen Brennstoffen könnten jährlich 2400 Tonnen CO2 gespart werden. „Das wäre ein deutlicher Beitrag der Gemeinde zur Energiewende“, meinte Erden.

Natürlich gab es im Gemeinderat auch kritische Nachfragen – aber unterm Strich herrschte nach einer guten Stunde Konsens: Die Gemeinde will das Verfahren vorantreiben. Das bedeutet, dass EAM und der Besitzer der Fläche einen Pachtvertrag aushandeln müssen, erste naturschutzfachliche Gutachten eingeholt werden und die Gemeinde das Bebauungsplanverfahren ins Rollen bringt. Dann muss das EAM-Projekt bei der Bundesnetzagentur bestehen, bevor der Bau beginnen kann. Wenn alles glatt läuft, könnte im Jahr 2023 erstmals Sonnenstrom in der Höhengemeinde produziert werden.

Autor:

Daniel Montanus (Redakteur) aus Betzdorf

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