SZ

Enorm starke Belastung mit Munition (mit Kommentar)
Stegskopf bleibt hochgefährlich

Auf Truppenübungsplätzen wird scharf geschossen. Im Erdreich liegt jede Menge nicht detonierter Munition. Deshalb tut man sich mit der Freigabe von Wegen nach wie vor sehr schwer.
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  • Auf Truppenübungsplätzen wird scharf geschossen. Im Erdreich liegt jede Menge nicht detonierter Munition. Deshalb tut man sich mit der Freigabe von Wegen nach wie vor sehr schwer.
  • Foto: SZ-Archiv
  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

goeb Daaden. Die Munitionsbelastung auf dem Stegskopf ist offenbar viel stärker, als gemeinhin bekannt. Das Thema wird nun wieder aktuell, da die länger werdenden Tage viele Ausflügler auf die freigegebenen Platzrandstraßen ziehen. Auch im Winter erreichte der Publikumsandrang im Nationalen Naturerbe Rekorde. Die Pandemie bringt offenbar ein stärkeres Interesse der Bevölkerung an Natur und Naherholung mit sich.
Das lässt sich unter anderem an der Menge der Autos ablesen, die regelmäßig vor den Schranken der Zufahrtsstraßen abgestellt sind. Die meisten Besucher halten sich an die Ge- und Verbote, es gibt aber immer wieder Wanderer oder Spaziergänger, die das Terrain auf eigene Faust erkunden wollen. Davor warnen die öffentlichen Stellen ausdrücklich.

goeb Daaden. Die Munitionsbelastung auf dem Stegskopf ist offenbar viel stärker, als gemeinhin bekannt. Das Thema wird nun wieder aktuell, da die länger werdenden Tage viele Ausflügler auf die freigegebenen Platzrandstraßen ziehen. Auch im Winter erreichte der Publikumsandrang im Nationalen Naturerbe Rekorde. Die Pandemie bringt offenbar ein stärkeres Interesse der Bevölkerung an Natur und Naherholung mit sich.
Das lässt sich unter anderem an der Menge der Autos ablesen, die regelmäßig vor den Schranken der Zufahrtsstraßen abgestellt sind. Die meisten Besucher halten sich an die Ge- und Verbote, es gibt aber immer wieder Wanderer oder Spaziergänger, die das Terrain auf eigene Faust erkunden wollen. Davor warnen die öffentlichen Stellen ausdrücklich.

Stegskopf wurde über Jahrzehnte militärisch genutzt

Seit sich im Dezember 2019 die Bürgerinitiative „Stegskopf für alle“ gegründet hat, wird der Ton schärfer. Wachpersonal und Bundesförster Christof Hast, der täglich in dem Gelände unterwegs ist, berichten von Gewaltandrohungen über Facebook (siehe Ausführungen unten) und einen zunehmend ruppigeren Ton, wenn sie Spaziergänger auf Betretungsverbote aufmerksam machen. Hast ist nach eigenem Bekunden entschiedenster Befürworter der geordneten Freigabe von Wegen. Man dürfe dies aber nicht nach eigenem Gusto „abkürzen“ und womöglich gut begründete Verbote ignorieren, betont er.
Immer wieder wird behauptet, der ehemalige Übungsplatz sei nicht so stark belastet, wie offizielle Stellen behaupten. Recherchen der SZ finden dafür keine Belege, im Gegenteil: Das Hauptproblem für das gut 2000 Hektar große Gelände des ehemaligen Truppenübungsplatzes Daaden dürfte darin liegen, dass das Gelände (mit der zweithöchsten Erhebung des Westerwaldes) rund 80 Jahre militärisch genutzt worden ist, und zwar von verschiedenen Armeen.

Zeitraum von 1950 bis 1957 besonders kritisch

Auf Truppenübungsplätzen – das sei angemerkt – wird ausschließlich scharf geschossen. Der Truppenübungsplatz Daaden gilt als einer der am stärksten benutzten Übungsplätze der Republik. Es gab immer wieder Zeiten, da wurde rund um die Uhr gefeuert. An vier Stellen wurde zudem Munition gesprengt (auch solche von außerhalb).

Munitionssuche geht weiter Die Bürgerinitiative „Stegskopf für alle!“ fordert die Freigabe einiger weiterer asphaltierter Wege auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz und moniert, dass es nicht vorangehe. Durch die Corona-Krise allein sei das nicht zu erklären. Die Bürgerinitiative hatte sich 2019 im Westerwald gegründet. Sie fordert die Freigabe einiger Wege auf dem Stegskopf, die bereits von Jägern oder Landwirten befahren würden. Derzeit wird eine Ost-West- und eine Nord-Süd-Verbindung dafür vorbereitet. Während des Frosts in den letzten Wochen konnte der Boden nicht untersucht werden, berichtet Christof Hast. Sobald das Gelände frostfrei ist, soll weiter sondiert werden. Der asphaltierte Weg wird links und rechts 1,5 Meter weit untersucht, und zwar bis aufs Gestein. In der Regel ist das 30 bis 60 Zentimeter tief. Die DBU hat damit eine Fachfirma beauftragt.

Als kritischste Phase gilt laut Insidern der Zeitraum von 1950 bis 1957, als die französische Armee den Platz benutzte und teilweise aus den Dörfern heraus mit schwerer Artillerie feuerte. Von dort aus ging es für viele Soldaten direkt in den Krieg nach Indochina. 1957 übernahm die Bundeswehr von den Franzosen quasi einen nicht geräumten Platz. Lediglich eine Woche hatten die Franzosen nach Blindgängern gesucht. Die damalige Wehrbereichsverwaltung West (Wiesbaden) kam zu dem Ergebnis, dass wegen des eisenhaltigen Untergrundes (Eisenrasenstein) Minensuchgeräte nicht eingesetzt werden können. Die Bundeswehr nutzte den Stegskopf als Schieß- und Sprengplatz, außerdem übten hier Gaststreitkräfte und die Fa. Dynamit Nobel Defence (Burbach). Mit dem Betrieb von 20 Schießbahnen, vier Sprengplätzen und den beiden Handgranatenwurfplätzen ist eine erhebliche Belastung hinzugekommen.

Die Gefahren auf dem Stegskopf sind nicht zu unterschätzen

Doch das Erdreich hält auch ältere Munition bereit: 2018 zum Beispiel fand man 70 Stück 2-cm-Panzersprenggranaten aus dem letzten Weltkrieg, in einem Weg in 5 cm Tiefe. Große Teile des Platzes gelten als so verseucht, dass sie für immer werden gesperrt bleiben müssen.
Heute ist die DBU, die Deutsche Bundesstiftung Umwelt, zwar Besitzerin der Fläche, aber de facto noch nicht Eigentümerin. Rechtlich wird das unterschieden. Bei der Wegefreigabe den Hut auf hat die Kampfmittelleitstelle des Bundes (Hannover). Sie beauftragt zum Beispiel Gutachter mit der Exploration von Flächen, die freigegeben werden könnten für den Publikumsverkehr.
Auf Nachfrage der Siegener Zeitung sagte Bundesförster Christof Hast, dass man die Gefahren keinesfalls unterschätzen dürfe. Mit besonderer Sorge beobachte er, dass wiederholt Kinder und Jugendliche auf den Platz dabei beobachtet worden seien, wie sie nach Munition suchten. „Erst kürzlich haben Jugendliche Munition in einem Gebäude abgelegt“, berichtet Hast. „Ich musste den Kampfmittelräumdienst hinzuziehen.“
Hast erinnert an einen tragischen Fall aus dem Jahr 2005, als ein 16-Jähriger in Kaan-Marienborn ums Leben gekommen war, nachdem er mit Weltkriegsmunition hantiert hatte. Er hatte sie im nahen Wald gefunden.

Beleidigungen, Verleumdungen und Bedrohungen

Das Wachdienstpersonal und Bundesförster Christof Hast werden zunehmend angefeindet, wenn sie ihre Dienstpflichten ausüben. Dazu gehören die Einhaltung der erlassenen Sperrverordnung, Forstschutz, Jagdschutz, Naturschutz und andere Aufgaben mehr.
Auf der Facebookseite der Bürgerinitiative fand die SZ unter anderem folgende zum Teil sicherlich justiziable Kommentare:

  • Heute hat wieder ein Sympathisant der BI „freie Wege für alle“ und Freund des Stegskopfes wegen eines Kommentars bei FB über eine bestimmt Person, nennen wir sie mal Förster, von der Polizei Besuch bekommen. Jetzt versucht man uns schon mit der Polizei einzuschüchtern. Die Einschüchterung wird nicht gelingen.
  • Da will wohl jemand seine Macht demonstrieren. Was für ein Armutszeugnis, scheint ein sehr schwacher, ängstlicher, feiger Charakter zu sein.
  • Wir dürfen uns von dem (...) nicht einschüchtern lassen, oder wir besuchen ihn mal auf dem Hochsitz.
  • Der gehört gewippt. Die Gage, die dann im Raume steht, gebührt dann den Securityleuten. Aber erst nachdem diese geimpft wurden. Muss man mal mit reden.
Kommentar: Geduld üben und Gesetzesverstöße ahnden Über 2000 Hektar Natur vom Feinsten bietet der ehemalige Truppenübungsplatz Daaden, der ganz zu Recht das Prädikat Nationales Naturerbe erhalten hat. as bedeutendste Sumpfgebiet mit den womöglich letzten Beständen der Bekassine in unserer Region, uralte zerschossene Wälder mit einem Höhlenreichtum, wie man ihn weit und breit sonst nicht findet, dazu die halboffenen Geländepartien der ehemaligen Schießbahnen, wo zahlreiche Neuntöter-Paare ihre Jungen großziehen können, Trollblumenwiesen und Arnikahänge – es ist ein Paradies vor unserer Haustür. Deshalb ist nachvollziehbar, wenn Bürger mehr Teilhabe fordern an diesem Kleinod. Doch muss man Geduld haben, denn die DBU, die noch nicht Eigentümerin der Fläche ist und trotzdem schon mit landespflegerischen Bewirtschaftungsaufträgen und Munitionssuche in Vorleistung geht, tut ihr Möglichstes. Zum Vergleich: Es gibt in Deutschland belastete Gebiete, die fast ganz für die Öffentlichkeit gesperrt bleiben müssen. Auf dem Stegskopf arbeitet man an der Freigabe zweier weiterer Routen durchs Gelände. Wer nun meint, Förster und Wachpersonal beleidigen, verleumden und bedrohen zu müssen, der sollte die ganze Härte des Gesetzes zu spüren bekommen.
Autor:

Dr. Andreas Goebel (Redakteur) aus Betzdorf

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