Stimmt die Daadener Ortsgeschichte?

Eine jetzt gefundene Urkunde wirft Fragen auf / Dorf und Kirche »in Asche gesetzt«

mey Daaden. Muss die Daadener Ortsgeschichte in Teilen neu geschrieben werden? Ist der Kirchturm in Daaden wirklich so alt wie bislang immer angenommen? Eine kürzlich im Landeshauptarchiv in Koblenz aufgefundene Urkunde wirft viele Fragen auf.

Es ist im Jahr 1636, mitten im Dreißigjährigen Krieg: Am 25. August des Jahres verfassen die Vorsteher der Kirche zu Daaden ein Schreiben an den Grafen zu Nassau-Dillenburg, dem zu jener Zeit die Kollatur (d.h. das Recht zur Besetzung der Pfarrstelle) an der Daadener Kirche zusteht. Der Brief hat keinen erfreulichen Inhalt. Die Kirchenvorsteher berichten, dass das »Truckmüllerische Regiment«, das durch die Kriegsereignisse offenbar durch Daaden gezogen sein muss, »das Dorff und darzu die Kirche in die Asche gesetzet« habe. Nähere Ausführungen zu dem Ausmaß und den genauen Umständen dieser Verwüstung enthält das Schreiben leider nicht, da dessen Verfasser davon ausgehen, dass der »gnädige Herr« das Unglück bereits »ungezweiffelt in Erfahrung gebracht habe«.

Formulierung unklar

Ein einziger Satz, der große Auswirkungen haben könnte. Was bedeutet die Formulierung »in die Asche gesetzt«? Ist damals das ganze Dorf abgebrannt oder war nur ein Teil – vielleicht der Ortskern – betroffen? Wurden die Häuser bis auf die Grundmauern oder nur teilweise zerstört? Das Haus Izzo (früher Pauschert) oberhalb der Kirche weist auf einem Fachwerkbalken die Zahl 1608 als das Jahr seiner Erbauung aus. Und wo heute das obere Pfarrhaus steht, befand sich damals ein Pfarrhof, der 1714 auf Abbruch versteigert wurde, weil er alt und verfallen war. Es ist kaum vorstellbar, dass dieser erst nach dem Brand gebaut und knapp 80 Jahre später bereits alt gewesen sein soll. Somit sind zumindest diese Gebäude ganz oder teilweise von der wütenden Feuersbrunst verschont geblieben.

Womöglich nur Holzteile abgebrannt

Eine weitere interessante Frage ist die nach der Zerstörung der Kirche. Ist sie damals vollständig abgebrannt – oder waren nur die Holzteile wie Dach und Decke betroffen, während das Gemäuer unversehrt blieb? Ein Hinweis könnte sich aus dem weiteren Inhalt des Briefes von 1636 ergeben.

Die Kirchenvorsteher äußern den Wunsch, dass sie »gehrn wiederumb ein Gotteshauß als Kirche und Schul ufrichten laßen wollen«. Dazu könnten sie jedoch nur wenige Mittel beisteuern, zumal der Brand die – wohl ohnehin schon – arme Gemeinde und das Kirchspiel »in nicht geringen Schaden geführt« habe. Die Vorsteher tragen daher die Bitte vor, ihnen aus dem »Wald der Müschenbach eine Anzahl Holz« zuzusteuern. Die Müschenbach ist ein Distrikt, der zum Freien Grund – damals Nassauer Herrschaftsgebiet – gehört und an die Gemarkung Daaden angrenzt.

Da die Kirchenältesten nur um Holz, nicht aber um Steine bitten, könnte man schlussfolgern, dass das Mauerwerk noch vorhanden und lediglich die Decke und das Dach erneuert werden mussten. Jedoch lassen Formulierungen wie »aufrichten« oder »Wiederauferbauung der Kirche« eher auf einen vollständigen Neubau schließen. Möglicherweise konnten Steine in heimischen Steinbrüchen gewonnen werden, während lange Balken im Haubergswald nicht vorhanden waren und, wie beim Kirchbau 1722, aus herrschaftlichen Wäldern besorgt werden mussten.

Ein neuer Kirchbau?

Allerdings ist in diesem Zusammenhang noch ein weiterer Umstand zu bedenken. Im Jahre 1722 wurde die damalige Kirche, weil sie zu klein und zudem gänzlich baufällig war, abgerissen; an ihrer Stelle entstand die heutige Barockkirche. Den alten Turm ließ man jedoch stehen und erhöhte ihn etwa 60 Jahre später um den Glockenstuhl und die markante Zwiebelhaube. Es ist kaum anzunehmen, dass im Jahr 1636 oder kurze Zeit danach ein vollkommen neuer Kirchbau entstanden ist, der kaum 90 Jahre später bereits zu klein war; auch wird ein Sakralbau in der Regel in einer solch kurzen Zeit nicht baufällig.

Zwar ist die alte Kirche 1722 endgültig verschwunden; der alte Turm aber steht heute noch. Wie alt ist er nun wirklich? Stammt er noch von der im 12. Jahrhundert erbauten ersten Kirche, wie bislang allgemein angenommen wird oder fiel er auch dem Brand im Jahr 1636 zum Opfer mit der Folge, dass der heutige Turm »nur« 370 Jahre alt wäre? Diese Fragen bleiben zunächst offen, bis eventuelle weitere Urkunden oder eine entsprechende Untersuchung des Kirchturms Gewissheit bringen.

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