„Erst gemacht und dann gedacht“
Streit ums Neubaugebiet Jungental

18 Anlieger aus dem Bereich Jungental/Hahnenkopf haben sich gemeinsam einen Anwalt genommen: Sie sind nicht einverstanden mit dem Bebauungsplan der Stadt Daaden. Unser Foto zeigt sie auf der schmalen Fahrbahn der Straße „Jungental“.
  • 18 Anlieger aus dem Bereich Jungental/Hahnenkopf haben sich gemeinsam einen Anwalt genommen: Sie sind nicht einverstanden mit dem Bebauungsplan der Stadt Daaden. Unser Foto zeigt sie auf der schmalen Fahrbahn der Straße „Jungental“.
  • Foto: damo
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damo Daaden. Ganz oben am Waldrand, auf einer saftigen Wiese, steht ein Esel und lässt sich die warme Daadener Abendsonne aufs graue Fell scheinen. Dass sich hundert Meter entfernt gut 20 Nachbarn auf der Straße versammelt haben, scheint ihn nicht im Geringsten zu beeindrucken. Denn er ahnt nicht einmal, dass es auch um seinen Stall und um seine Weide geht: Die große Wiese im Bereich Jungental/Hahnenkopf soll zum Neubaugebiet werden. Und nach aktuellem Stand der Planung würde eine Straße mitten durch den Eselstall führen.

Anwohner fühlen sich nicht ernst genommen

Das aber ist freilich nicht der Grund dafür, dass sich unten im Jungental die Anlieger getroffen haben. Sie alle sind von den Plänen der Stadt Daaden berührt, sie alle haben massive Bedenken gegen das Baugebiet. Und sie fühlen sich nicht ernst genommen, sodass sie jetzt den Weg in die Öffentlichkeit suchen, um gehört zu werden.

„Erst gemacht und dann gedacht“: So haben die Anlieger eine Protestnote überschrieben, in der sie ihre Kritik an den Plänen der Stadt zum Ausdruck bringen. Und die zielt in erster Linie darauf ab, dass mehr als 50 Bauplätze über eine kleine Straße erschlossen werden sollen, die so schmal ist, dass dort kaum zwei Pkw im Begegnungsverkehr Platz finden.

„Wie sollen die Kinder sicher zur Schule kommen?“

„Das Nadelöhr Jungental ist schon im normalen Alltagsbetrieb mit Post und Müllauto überfordert“, schreiben die Nachbarn, und im Gespräch mit der SZ steuern sie noch einige Beispiele bei. Sie berichten von Speditionen, die sich weigern, die schmale Straße zu befahren. Sie erzählen vom Betonmischer und einem Bagger, die gerade bei einer privaten Baumaßnahme anrücken müssen – und regelmäßig auf dem Schulhof rangieren und rückwärts fahren müssen.

Platz, die schmale Straße aufzuweiten, gibt es nicht: Einzelne Häuser grenzen unmittelbar an die Straße an. Und einen Geweg gibt’s ebenfalls nicht. „Was ist denn mit den Kindern, wenn hier 50 Häuser gebaut werden? Wie sollen die denn sicher zur Schule und zur Kita kommen, wenn es nicht mal einen Gehweg gibt?“, fragt sich nicht nur Andreas Bläser. „Das wird ganz schön eng“, ergänzt Jürgen Delchmann und berichtet, dass erst vor Kurzem ein Tieflader ein Straßenschild umgemäht habe. Nachvollziehbar, dass den Nachbarn der Gedanke an bis zu 100 zusätzliche Autos Sorgen bereitet.

Es gibt keine Planung für eine Zufahrt

Natürlich haben die Nachbarn nachgefragt, wie sich der Stadtrat die Erschließung des Baugebiets vorstellt. Antworten haben sie aber nicht bekommen, und Silke Linke hat eine Erklärung dafür parat: „Es gibt schlichtweg keine Planung für eine Zufahrt. Der Bebauungsplan hört genau da auf.“

Das aber ist nicht die einzige Sorge der Nachbarn: Sie befürchten, dass gewaltige Erschließungskosten auf sie zukommen werden. Wie hoch die sind, weiß aber keiner. „Mit uns spricht ja niemand“, moniert Silke Linke. Sämtliche Briefe und Anfragen seien ungehört verhallt, bemängeln die Nachbarn. Mittlerweile haben sich 18 von ihnen gemeinsam einen Anwalt genommen – aber auch der hat auf seine Schreiben nach Aussage der Nachbarn keine Antworten bekommen. „Nicht mal eine Eingangsbestätigung“, ergänzt Silke Linke.

Anlieger wünschen sich einen anderen Umgang

Und so kritisieren die Anlieger, dass sie unzureichend informiert würden – und mehr noch: Sie fühlen sich außen vor. Dabei wehren sie sich nach eigener Aussage nicht einmal grundsätzlich gegen ein Baugebiet. Bloß die Dimension mit 50 Bauplätzen im Angesicht der schmalen Zuwegung will ihnen nicht in den Kopf. Und sie würden sich einen anderen Umgang wünschen: „Vieles hätte ganz anders laufen können, wenn mal jemand mit uns geredet hätte“, sagt Dirk Lichtenthäler.

Diesen Vorwurf weist Stadtbürgermeister Walter Strunk auf Nachfrage der SZ zurück. Die Stadt habe die Kritik der Anlieger natürlich zur Kenntnis genommen, und sie werde auch darauf antworten – und zwar genau dann, wenn das im Bebauungsplanverfahren vorgesehen sei. Wie bereits berichtet, ist die frühzeitige Offenlage der Pläne bereits vollzogen. Der nächste Schritt im Verfahren sei nun, dass der Rat sämtliche Einwände prüft und abwägt. Exakt das stehe nun an.

Was die Planung der Zuwegung angeht, hielt sich Strunk bedeckt: „Ich darf das Verfahren nicht inhaltlich kommentieren“, betont er und verweist auf eine persönliche Betroffenheit: Seine Frau gehöre einer Erbengemeinschaft an, die eine Fläche im Plangebiet besitze. „Daher muss ich mich bei den Beratungen zurückhalten.“

Autor:

Daniel Montanus (Redakteur) aus Betzdorf

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