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Weihnachtliche Tradition aus Daaden
Teller zu "Gohde" und "Pahde" tragen

Anfang der 1960er-Jahre: Stefan und Michael Pochert sowie Ige Schmidt (vorne, v. l.), dahinter Thomas und Martin Pochert sowie Inges große Schwester (v. l.).
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  • Anfang der 1960er-Jahre: Stefan und Michael Pochert sowie Ige Schmidt (vorne, v. l.), dahinter Thomas und Martin Pochert sowie Inges große Schwester (v. l.).
  • Foto: Archiv Meyer
  • hochgeladen von Sonja Schweisfurth (Redakteurin)

gum Daaden. Bewahren: Das ist die Kernaufgabe des Arbeitskreises Heimatgeschichte Daadener Land. Dabei geht es auch darum, sich alter Bräuche zu erinnern, an das Leben, wie es einst wirklich war.
Der Kopf des Arbeitskreises, der Daadener Ulrich Meyer, hat daher so manches zu erzählen. Und so hatte er auf Anfrage der Siegener Zeitung von einer heutzutage kurios anmutenden Sitte zu berichten, dem Tellertragen.
Gegenüber den üblichen Gepflogenheiten in der hiesigen Region, dass die Kinder von ihren Paten Weihnachten Geschenke gebracht bekamen, sei es in Daaden genau umgekehrt gewesen, so Meyer. Die Kinder holten sich die Geschenke mit einem Teller am ersten Weihnachtstag bei ihren Patenonkel und -tanten ab.

gum Daaden. Bewahren: Das ist die Kernaufgabe des Arbeitskreises Heimatgeschichte Daadener Land. Dabei geht es auch darum, sich alter Bräuche zu erinnern, an das Leben, wie es einst wirklich war.
Der Kopf des Arbeitskreises, der Daadener Ulrich Meyer, hat daher so manches zu erzählen. Und so hatte er auf Anfrage der Siegener Zeitung von einer heutzutage kurios anmutenden Sitte zu berichten, dem Tellertragen.
Gegenüber den üblichen Gepflogenheiten in der hiesigen Region, dass die Kinder von ihren Paten Weihnachten Geschenke gebracht bekamen, sei es in Daaden genau umgekehrt gewesen, so Meyer. Die Kinder holten sich die Geschenke mit einem Teller am ersten Weihnachtstag bei ihren Patenonkel und -tanten ab.

Tellertragen bei Wind und Wetter

Das geschah bereits an Heiligabend, der noch viel mehr als heute ein verkürzter Werktag war, ähnlich dem Samstag. Es gab keine Gottesdienste, die Bescherung für die Kinder fand am ersten Weihnachtstag in aller Frühe statt. Erwachsene erhielten Geschenke in bescheidenem Rahmen.
Am Heiligen Abend, kurz vor 16 Uhr, standen die Mädchen und Jungen voller Ungeduld im Hausflur. Mit dem ersten Glockenton, der das Christfest einläutete, strömten sie aus den Häusern und machten sich auf den Weg, um die Teller wegzutragen. Das Wetter spielte keine Rolle, ob Regen, Schnee oder Frost, die Tradition wurde aufrechterhalten, und die Vorfreude war riesengroß.
Die Teller waren in eine Windel oder ein Tuch eingeschlagen und wurden an jeweils zwei miteinander verknoteten Enden getragen. Oft war eine Strecke bis zu einem Kilometer von einem Ende des Orts zum anderen zurückzulegen.

Diener und Knicks

Endlich angekommen, musste erst einmal der eingeübte Spruch aufgesagt werden: „Dach Pahde, dach Gohde, esch wull ein Däller für‘d Chräsdkendsche bränge“. Dazu machten die Jungen einen Diener und die Mädchen einen Knicks. Das wiederholte sich dann bis zu dreimal, bevor der Heimweg angetreten wurde. Für die meisten war der Schlaf sicher unruhig, glaubten sie doch fest daran, dass das Christkind in der Nacht zum ersten Weihnachtstag kommen und seine Gaben auf die Weihnachtsteller legen würde.

Das Christkind kommt in der Nacht

Am Weihnachtsmorgen machten sich alle nach dem Läuten um 7 Uhr wieder auf den Weg, um die Teller abzuholen. Bei den Paten und Goten angekommen, wurde zur Begrüßung wiederum ein Sprüchlein aufgesagt: „Ge morrje Pahde, ge morrje Gohde, esch wull mo lugge, ob ded Chräskendsche doh wohr“. Natürlich war es da gewesen und hatte in der Nacht die Teller gefüllt. Plätzchen, Nüsse, Äpfel, Schokolade und ein Geschenk hatte es mitgebracht, all das, was vor allem nach dem Krieg wahres Glück bedeutete. Oft gab es Nützliches wie Handschuhe, eine Mütze oder Stoff für ein Kleid oder eine Hose.
So war, wie Ulrich Meyer erzählt, ein weißes Strickjäckchen für das Nachbarskind der Himmel auf Erden, so habe es sich gefreut. Glücklich und mit leuchtenden Augen wanderten die Kinder zurück nach Hause, die Teller kunstvoll übereinandergestapelt und in der Windel verpackt.

Erinnerung bleibt

Dass sogar in Südafrika die Tradition des Tellertragens bekannt ist, das liegt an denjenigen Daadenern, die in den 1920er-Jahren dorthin auswanderten, um in den Gruben zu arbeiten. Sie setzten den Brauch kurzerhand in der neuen Heimat fort.
In Daaden selbst hat sich so manches geändert. An Heiligabend, der festlich begangen wird, erfolgt auch die Bescherung, und wohl kaum ein Kind holt noch morgens früh um 7 Uhr seinen Teller bei den Paten wieder ab. Doch die Erinnerung daran ist in vielen Herzen geblieben.

Anfang der 1960er-Jahre: Stefan und Michael Pochert sowie Ige Schmidt (vorne, v. l.), dahinter Thomas und Martin Pochert sowie Inges große Schwester (v. l.).
Ulrich Meyer hatte die Erinnerungen an das Tellertragen parat.
Autor:

Gaby Wertebach (Freie Mitarbeiterin) aus Betzdorf

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