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Einschränkungen in der Abtei Marienstatt
Trost über die Pandemie hinaus

Die Abtei Marienstatt strahlt eine zeitlose Ruhe und Würde aus. Seit Jahrhunderten pilgern die Menschen aus der Region ins Tal der Nister.
  • Die Abtei Marienstatt strahlt eine zeitlose Ruhe und Würde aus. Seit Jahrhunderten pilgern die Menschen aus der Region ins Tal der Nister.
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  • hochgeladen von Pascal Mlyniec (Redakteur)

thor Marienstatt. „Der stille Gott erfüllt alles mit Ruhe. Und Gott in seiner Ruhe zu schauen, ist Ruhen.“ So hat es Bernhard von Clairvaux, Ordensvater der Zisterzienser, vor rund 900 Jahren niedergeschrieben. Die Stille und die Ruhe mögen in all den Jahrhunderten stark gelitten haben. Doch beides findet nach wie vor der, der die Hektik und Beliebigkeit des Alltags abschüttelt und sich ins Tal der Nister begibt. Hier, in der Abtei Marienstatt mit ihrer zeitlosen Erhabenheit und Würde, ist der stille Gott allgegenwärtig, auch wenn an guten Tagen kaum ein Parkplatz zu bekommen ist. Und es braucht noch nicht einmal eines Gebets, um besagte Ruhe zu finden.

thor Marienstatt. „Der stille Gott erfüllt alles mit Ruhe. Und Gott in seiner Ruhe zu schauen, ist Ruhen.“ So hat es Bernhard von Clairvaux, Ordensvater der Zisterzienser, vor rund 900 Jahren niedergeschrieben. Die Stille und die Ruhe mögen in all den Jahrhunderten stark gelitten haben. Doch beides findet nach wie vor der, der die Hektik und Beliebigkeit des Alltags abschüttelt und sich ins Tal der Nister begibt. Hier, in der Abtei Marienstatt mit ihrer zeitlosen Erhabenheit und Würde, ist der stille Gott allgegenwärtig, auch wenn an guten Tagen kaum ein Parkplatz zu bekommen ist. Und es braucht noch nicht einmal eines Gebets, um besagte Ruhe zu finden.

Doch ist es längst eine besondere Stille geworden: Seit einem Jahr leben sowohl die Mönche als auch die Gläubigen mit zahlreichen Einschränkungen. Die Pandemie hat Marienstatt verändert: keine „Große Wallfahrt“, kein geöffnetes Brauhaus, keine Konzerte usw. Im Gespräch mit der Siegener Zeitung schilderte Abt Andreas Range OCist die momentane Situation, die auch für das Kloster neue Herausforderungen mit sich bringt. Denn bei aller Zurückgezogenheit des klösterlichen Lebens war und ist Marienstatt stets Synonym für eine große Offenheit.

"Ein ganz wichtiger Teil" fehlt

Dabei sei die vom hl. Bernhard beschriebene Stille durchaus wohltuend, bekennt der 74-Jährige. „Es ist ein wichtiger Leitsatz, auch in der Pandemie.“ Aber: „Ein Kloster wie unseres – wie alle benediktinischen Klöster – ist nicht nur ein Ort der Stille, sondern es hat auch eine Pforte. Und da kommen im Moment wenige Leute rein.“ Denn das Hotelwesen, so der Abt, sei auf die Klöster zurückzuführen. „Insofern fehlt ein ganz wichtiger Teil der klösterlichen Ordnung.“ Es sei aber für ihn kein Zwiespalt, den stillen Gott auf der einen und die lieben Leute auf der anderen Seite miteinander zu vereinen. Denn es gehe in Marienstatt nicht darum, möglichst viele Gruppen zu beherbergen, um den Gewinn zu maximieren, sondern die Gäste wie Christus zu empfangen.

Dabei seien die Menschen nicht verschwunden: Viele besuchten die Klosteranlagen weiterhin, sie riefen an, würden um das Gebet für sich und andere bitten und in die Bücher schreiben. Aber natürlich vermissten die Gläubigen die Kontakte, die „normalen“ Messen und Veranstaltungen. Auch selbst halte man sich strikt an die Regeln, betont der Abt. Interessanterweise habe es bislang weder unter den Mönchen noch unter den Schülern des Gymnasiums eine Infektion gegeben.

Präsenzgottesdienste zum Osterfest

In diesem Jahr wird es an Ostern wieder Präsenz-Gottesdienste mit den bekannten Regeln gelten. Vor einem Jahr, während des ersten Lockdowns, musste die Öffentlichkeit draußen blieben. Abt Andreas berichtet von einer Frau, die sich mit einem Stuhl vor die Basilika gesetzt habe, um an der geschlossenen Tür wenigstens etwas von der Feier der österlichen Tage mitzubekommen.

Schon immer war Marienstatt ein Ort des Trostes. Abt Andreas erinnert daran, dass das Kloster die Pieta, das Gnadenbild der Schmerzhaften Muttergottes, 1480 erhalten habe, weil der Westerwald eine arme und von Seuchen geplagte Region gewesen sei und sich die Menschen in ihrer Not an sie wenden konnten: „Insofern passt Marienstatt genau.“ Und auch wenn Maria den Leichnam Jesu in den Armen halte, so strahle das Bild doch auch eine Hoffnung aus: „Es hört nicht auf mit diesem Tod.“

"Laden dazu ein, Hoffnung zu schöpfen"

Eine Botschaft, die über jede Krise hinaus gehe. Gerade an Ostern. Es gebe da einen wunderbaren Spruch der Kartäuser: „Das Kreuz steht fest, während die Welt sich dreht.“ Und hinter diesem Kreuz zeige sich der Ostermorgen, das Licht. Auch in Corona-Zeiten. „Wir laden die Menschen dazu ein, Hoffnung zu schöpfen.“

Überhaupt spricht aus Abt Andreas Range die Zuversicht des Glaubens, die Gelassenheit des Alters – und der Humor des Rheinländers. „Die Frage der Pandemie auf Leben und Tod ist für Christen nicht die allerletzte Frage.“ Derzeit werde den Menschen wieder bewusst, wie gefährdet das Leben sei. Täglich bete man in Marienstatt für die Überwindung der Pandemie. Der Leiter der Abtei selbst trägt eine Uhr, auf dem zwei Zahlen zu sehen sind, die 17 und die 21, ein Verweis auf das Lukas-Evangelium. Es bedeutet: „Das Reich Gottes ist schon da. Das stimmt immer.“

Enorme wirtschaftliche Einschnitte

Wenn auch nicht auf spiritueller Ebene, so sind die Einschnitte in wirtschaftlicher Hinsicht doch enorm. Daraus macht Abt Andreas auch gar keinen Hehl. Die Abtei, auch ein mittelständisches Unternehmen von beachtlicher Größe, muss sich größtenteils selbst finanzieren. Die Mitarbeiter befänden sich in Kurzarbeit. Doch diese Schwierigkeiten teile die Abtei mit vielen anderen.

So sehr vieles derzeit aus dem Fokus gerät, so rechnet Abt Andreas nicht damit, dass die Menschen ihre Bindung zu Marienstatt verlieren würden. „Die Jahrhunderte und auch die Wiederbesiedlung des Klosters haben gezeigt, dass die Menschen diesen Ort als zentralen geistigen Ort sehen.“ Und die Menschen seien herzlich weiter eingeladen, Marienstatt zu besuchen: Die Kirche sei tagsüber geöffnet, zu den Gottesdiensten müsse man sich anmelden.

"Großer Wallfahrtstag" fällt wohl aus

Leider, so Abt Andreas, müsse vermutlich auch in diesem Jahr der „Große Wallfahrtstag“ ausfallen. Jahr für Jahr machen sich Tausende aus dem Westerwald und dem Siegerland auf den Weg ins Nistertal. Doch was spreche dagegen, für sich allein nach Marienstatt zu pilgern? Einige hätten dies im vergangenen Jahr gemacht. „Dann muss man halt auf Erbsensuppe und das ganze Brimborium verzichten“, sagt der Zisterzienser – und muss lächeln, weiß er doch, dass das für das Gros der Pilger in normalen Zeiten einfach dazugehört. An diesem einzigen Tag im Jahr hat der stille Gott dann einfach mal frei.

Autor:

Thorsten Stahl (Redakteur) aus Betzdorf

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