Truppenübungsplatz will die eigene Zukunft sichern

Kommandant informierte Bauckhage über Kompromiss-Idee

thor Emmerzhausen. Zum Leben zu wenig, zum Sterben zu viel: Auf diesen simplen Nenner lässt sich die Situation des Truppenübungsplatzes Daaden bringen, wenn die Pläne des Bundesverteidigungsministeriums in vollem Umfang greifen. Laut Stationierungsbescheid vom 1. November 2004 soll das Personal auf dem Stegskopf von 190 auf gerade noch 30 Mann abgebaut werden (die SZ berichtete). Außerdem soll künftig auf den »scharfen Schuss«, als das Schießen mit Gefechtsmunition verzichtet werden. Über den Stand der Dinge bzw. die drohenden Folgen für den Übungsplatz ließ sich gestern Wirtschaftsminister Hans-Artur Bauckhage von Kommandant Hauptmann Werner Schmidbauer informieren.

Nach einer kurzen Einführung in die Struktur des 2000 Hektar großen Platzes kam Schmidbauer schnell zur Sache. Die Beschlüsse aus Berlin sähen vor, dass Anfang 2006 ein »optimiertes Betriebsmodell« starten soll. Das heißt, Standortverwaltung und Kommandantur sollen Synergieeffekte nutzen, z.B. Werkstätten zusammenlegen. Zum Ende des 1. Quartals 2007 soll dann die Kommandantur aufgelöst werden, der Stegskopf würde zu einer Außenstelle des über 200 Kilometer entfernt liegenden Truppenübungsplatzes Baumholder. Bis 2010 soll dann die Personalreduzierung abgeschlossen sein.

Nun ist es nicht so, dass Vater Staat seine Diener einfach so auf die Straße setzt – aber auf viele der Beschäftigen könnten eventuell lange Fahrten zum neuen Einsatzort warten, zumal auch die Standortverwaltung Westerburg aufgelöst wird. »Gerade für die unteren Gehaltsgruppen ist das ein echtes Problem«, so der für Standortfragen zuständige Hauptfeldwebel Frank Höfer.

Nach Darstellung von Schmidbauer ist eine Weiterführung des Truppenübungsplatzes mit nur 30 Mann kaum vorstellbar. Wenn der Platz weiter genutzt werden solle, müsse er auch unterhalten werden. Der Kommandant schlägt als eine Art Kompromiss vor, zumindest noch das Schießen mit Übungs- und Manövermunition zu gestatten, einige Schießbahnen zu schließen, andere dafür aber zu verlängern. »Wenn wir 50 Arbeitsplätze mittelfristig erhalten könnten, wäre das ein super Kompromiss«, so Schmidbauer: »Das wäre dann auch ein Betrieb mit einer gewissen Vernunft. Wenn man es ernst meint mit dem Begriff ,Üben’, dann muss man auch entsprechendes Personal haben.«

Minister Bauckhage verwies zunächst auf die notwendigen Strukturveränderungen in der Bundeswehr, gestand aber zu, dass die Pläne für den heimischen Platz »nachdenklich stimmen und betroffen machen«. Die Alternativ-Vorschläge von Schmidbauer stießen bei Bauckhage auf offene Ohren. Er sicherte zu, sich in dieser Angelegenheit mit den Verantwortlichen des Wehrbereichskommandos 2 in Mainz an einen Tisch zu setzen. Ziel müsse es sein, den Truppenübungsplatz auf diesem Niveau zu sichern. Allein mit dem Wirtschaftsfaktor solle man freilich nicht argumentieren, da sehe es in anderen Regionen noch schlimmer aus – Schmidbauer hatte dem Minister vorgerechnet, dass am Standort jährlich 10 Mill. Euro »investiert« werden, Sold und Löhne eingeschlossen.

Wichtiger erscheint Bauckhage der Hinweis, dass der Truppenübungsplatz Daaden niemals zivil oder auch gewerblich genutzt werden kann. Zum einen würde die Beseitigung der Blindgänger Unsummen verschlingen, zum anderen ist das gesamte Gelände FFH-Gebiet – was es für jeden Unternehmer uninteressant macht.

Während Bauckhage weiter am Ball bleiben will und auch Daadens Bürgermeister Wolfgang Schneider und Landrat Dr. Alfred Beth mit den Beschäftigten an einem Strang ziehen, vermisst Schmidbauer von anderer Stelle jedes Interesse: Peter Paul Weinert, der Landrat des Westerwald-Kreises, hat sich bislang noch nicht einmal telefonisch über die Lage auf dem Stegskopf erkundigt, obwohl 80 Prozent der Mitarbeiter in »seinem« WW-Kreis wohnen...

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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