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Wege am Stegskopf endlich freigeben
„Unsere Geduld ist am Ende“

Wer den Stegskopf erkunden will, hat nach wie vor nur begrenzte Möglichkeiten: Die Querverbindung zwischen den Platzrandstraßen lässt noch immer auf sich warten.
  • Wer den Stegskopf erkunden will, hat nach wie vor nur begrenzte Möglichkeiten: Die Querverbindung zwischen den Platzrandstraßen lässt noch immer auf sich warten.
  • hochgeladen von Daniel Montanus (Redakteur)

damo Emmerzhausen. Wer sich auf dem Stegskopf abseits der Platzrandstraßen bewegt, muss mit folgender Szene rechnen: Ein Lada des Security-Dienstes kommt angerauscht und stellt sich vor dem „Delinquenten“ quer. Passend zur Location, wird dann im Kasernenhof-Ton darauf aufmerksam gemacht, dass die Wege gesperrt sind. Und mit ein bisschen Pech hagelt’s noch ein Bußgeld. 50 Euro plus Verwaltungsgebühren: Unterm Strich werden 78 Euro fällig.

Dass dieses Vorgehen den Menschen rund um den Stegskopf nicht schmeckt, liegt auf der Hand. Denn ein Unrechtsbewusstsein hat kaum einer, wenn er seinen Fuß oder das Vorderrad seines Mountainbikes auf eine der asphaltierten, aber nicht freigegebenen Strecken setzt.

damo Emmerzhausen. Wer sich auf dem Stegskopf abseits der Platzrandstraßen bewegt, muss mit folgender Szene rechnen: Ein Lada des Security-Dienstes kommt angerauscht und stellt sich vor dem „Delinquenten“ quer. Passend zur Location, wird dann im Kasernenhof-Ton darauf aufmerksam gemacht, dass die Wege gesperrt sind. Und mit ein bisschen Pech hagelt’s noch ein Bußgeld. 50 Euro plus Verwaltungsgebühren: Unterm Strich werden 78 Euro fällig.

Dass dieses Vorgehen den Menschen rund um den Stegskopf nicht schmeckt, liegt auf der Hand. Denn ein Unrechtsbewusstsein hat kaum einer, wenn er seinen Fuß oder das Vorderrad seines Mountainbikes auf eine der asphaltierten, aber nicht freigegebenen Strecken setzt. Zu lange schon werden die Menschen aus den Dörfern rund um den Stegskopf in Sachen „Freigabe von Wegen“ hingehalten, zu offensichtlich ist der Widerspruch zwischen dem, was sie über die Blindgänger-Gefahr denken und dem, was die ADD als Aufsichtsbehörde sagt.

Aber noch gilt eben das Betretungsverbot, und das wird auch kontrolliert. Allerdings gibt es durchaus unterschiedliche Auffassungen darüber, was das Security-Team darf und was nicht. Heinz Dücker, ehemaliger Ortsbürgermeister von Emmerzhausen und nach wie vor für die Gemeinde für den Stegskopf zuständig, ist sich einig mit dem langjährigen Kommandanten Gerhard Schmidt: „Die dürfen gar nichts.“ Die privaten Security-Kräfte sind nach Schmidts Rechtsverständnis nicht befugt, Ausweise zu kontrollieren, und das Fotografieren von Radfahrern sei mit dem Recht am eigenen Bild nicht vereinbar.

Und selbst die Bußgelder, die für die Ordnungswidrigkeiten verlangt werden, hält Dücker für wacklig. „Ich würde es gerne mal auf einen Widerspruch ankommen lassen“, meint er. Denn zumindest in seinen Augen ist es fraglich, ob ein Gericht die Verhängung von Geldbußen als verhältnismäßig einstufen würde. Schließlich sei das Gefährdungspotenzial – und damit die Grundlage des Betretungsverbots – mehr als fraglich, meint Dücker: „Am Kölner Hauptbahnhof lebt man gefährlicher als auf dem Stegskopf.“

Mit dieser Einschätzung steht Dücker nicht allein – denn bei all den Diskussionen um die Freigabe von Strecken geht es immer nur um befestigte Wege. Genauer gesagt: Um zwei Strecken, die die beiden Platzrandstraßen miteinander verbinden würden – einen Weg von Derschen nach Hof, einen zweiten von Nisterberg in Richtung Stein-Neukirch.

Diese Wege sind in den 1970er-Jahren von einem Koblenzer Pionier-Bataillon gebaut worden, und zwar solide, mit festem Unterbau auch neben der Fahrbahn, berichten Dücker und Schmidt. Und Helmut Stühn aus dem Daadener Rathaus bringt es auf den Punkt: „Wir wissen: Diese Wege sind sicher.“

Davon darf man in der Tat getrost ausgehen. Denn Rolf-Dieter Wiederstein von der BI „Freie Wege für alle“ ruft im Gespräch mit der SZ ins Gedächtnis, dass dort in Bundeswehrzeiten unzählige Panzer und Lastwagen gefahren seien. Und heute werden eben diese Wege rege vom Security-Team genutzt: „Und ich glaube nicht, dass der Lada gepanzert ist.“

Problem dabei: All das beeindruckt die ADD als zuständige Behörde offenbar wenig. Solange aber von dort keine Freigabe kommt, sind der DBU Naturerbe-Stiftung die Hände gebunden. Nach wie vor betont die DBU-Pressestelle, dass man das Naturerbe erlebbar machen und daher ausgewählte Wege freigeben wolle. Und es liegt auch auf der Hand, dass die DBU selbst ein vitales Interesse daran hat, die Fesseln der Gefahrenabwehrverordnung abzustreifen: „Die DBU steht auf der Seite der Bevölkerung. Außerdem darf sie ja auch nur mit einem Panzer-Traktor auf die Fläche“, sagt Stühn.

Aktuell ist von der DBU kein neuer Sachstand zu den Wegefreigaben zu hören; aber hinter den Kulissen wird doch an einer Lösung gefeilt. Dabei geht’s um einen neuen Untersuchungsauftrag zur Belastung mit militärischen Altlasten. 31 Testfelder im Verlauf der beiden oben genannten Wege stehen im Raum. Würden diese Bereiche untersucht und für unbedenklich befunden (wovon Schmidt ausgeht: „Es ist nichts zu finden“), spräche vieles dafür, dass die ADD grünes Licht gibt. Und dann könnte die DBU tatsächlich weitere Wege öffnen. Aber so weit ist es noch nicht, und natürlich bedeuten neuerliche Untersuchungen auch neuerliche Kosten für die DBU.

Fakt ist: Die BI bemängelt den Stillstand. „Unsere Geduld ist am Ende“, sagt Wiederstein. Daher hat die BI jetzt alle Räte der Nachbargemeinden, aber auch die ADD, den Innenminister und viele andere Akteure angeschrieben, um für ihre Ziele zu werben.

Und die könnten eigentlich ziemlich leicht erreichbar sein, wie der Blick auf andere frühere militärische Sperrgebiete zeigt. Ein Beispiel dafür ist der frühere Truppenübungsplatz im baden-württembergischen Münsingen. Dort sind die Wege freigegeben, und links und rechts stehen unmissverständliche Warnschilder, die das Verlassen der Trassen verbieten. Wiederstein hat vor Kurzem lange mit dem Bürgermeister von Münsingen telefoniert, und dort funktioniere dieses Prinzip offenbar problemlos: „Da hat es seitdem erst eine einzige Anzeige gegeben. So stelle ich mir das auch hier vor.“

In der Tat fordert die BI keineswegs, den Stegskopf querfeldein begehbar zu machen. „Das will ja keiner“, sagt Dücker stellvertretend für alle anderen lokalen Akteure. Das sei ja allein mit dem Naturschutz-Gedanken schon nicht vereinbar. „Es geht nur um die bituminös befestigten Wege.“

Und dass die weit über die Nachbargemeinden eine hohe Anziehungskraft haben, steht außer Frage. Spätestens seit BI-Mitglied Joachim Heß Radfahrer und Spaziergänger gezählt hat. An drei Tagen zwischen Himmelfahrt und Pfingsten hat er die Menschen gezählt, die ihm auf dem Stegskopf begegnet sind – und er ist auf über 1000 gekommen.

Autor:

Daniel Montanus (Redakteur) aus Betzdorf

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