SZ

Erste Waldkita-Gruppe im AK-Land
Unterholz statt Gruppenraum

Hübsches Fleckchen: 17 Jungs und Mädchen im Kindergartenalter verbringen ihre Vormittage jetzt draußen. Und das nicht nur im Sommer und bei Sonnenschein, sondern auch, wenn’s draußen unbequemer wird. Aber das ist nur eine Frage des Blickwinkels: Schließlich gibt es ja dann noch mehr schöne Matschpfützen.
  • Hübsches Fleckchen: 17 Jungs und Mädchen im Kindergartenalter verbringen ihre Vormittage jetzt draußen. Und das nicht nur im Sommer und bei Sonnenschein, sondern auch, wenn’s draußen unbequemer wird. Aber das ist nur eine Frage des Blickwinkels: Schließlich gibt es ja dann noch mehr schöne Matschpfützen.
  • Foto: damo
  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

damo Daaden. Luca, Marlena, Elias und ihre Freunde haben neuerdings immer mächtig Hunger. Wann immer sich im Kita-Alltag eine Gelegenheit bietet, mal gerade einen kleinen Snack zu verputzen, sind wie auf Kommando alle Frühstücksdosen offen. Und selbstredend kommen die Boxen leer bis auf den letzten Krümel zuhause an. „Einigen Kindern reicht sogar die kleine Dose nicht mehr“, erzählt Erzieherin Tina Sturm. Verwunderlich ist das nicht: Neuerdings sind die Kinder morgens stundenlang im Wald unterwegs – die erste Waldkindergarten-Gruppe des AK-Lands hat jetzt offiziell ihren Betrieb aufgenommen.
Toben durch das UnterholzAlso sind die Kinder immer an der frischen Luft.

damo Daaden. Luca, Marlena, Elias und ihre Freunde haben neuerdings immer mächtig Hunger. Wann immer sich im Kita-Alltag eine Gelegenheit bietet, mal gerade einen kleinen Snack zu verputzen, sind wie auf Kommando alle Frühstücksdosen offen. Und selbstredend kommen die Boxen leer bis auf den letzten Krümel zuhause an. „Einigen Kindern reicht sogar die kleine Dose nicht mehr“, erzählt Erzieherin Tina Sturm. Verwunderlich ist das nicht: Neuerdings sind die Kinder morgens stundenlang im Wald unterwegs – die erste Waldkindergarten-Gruppe des AK-Lands hat jetzt offiziell ihren Betrieb aufgenommen.

Toben durch das Unterholz

Also sind die Kinder immer an der frischen Luft. Sie toben durchs Unterholz und wühlen in Pfützen, lassen sich immer neue Spiele einfallen, und natürlich ziehen und schieben sie mit vereinten Kräften auch den Bollerwagen. All das macht hungrig. Und müde: „Eine Mutter hat mir jetzt ein Foto geschickt: von ihrem Kind, das im Auto auf dem Rückweg von der Kita eingeschlafen ist“, berichtet Tina Sturm weiter.
Seit Wochenbeginn läuft die Wald-Gruppe der kommunalen Kita Daaden jetzt regulär – aber schon in Zeiten, als wegen der Corona-Restriktionen kein normaler Kita-Betrieb möglich war, haben die Wald-Kinder erste Erfahrungen in freier Wildbahn sammeln dürfen. Die Kita sollte damals Betreuungsangebote schaffen. „Und uns wurde geschrieben, wir sollten kreativ sein“, blickt Leiterin Brita Comisel zurück: „Also sind die angehenden Wald-Kinder schon zu dieser Zeit in den Wald gekommen.“ Für Eltern und Kinder war das eine Probezeit: Die Betreuung im Wald war ein Testlauf vor der verbindlichen Anmeldung für die Waldgruppe. Zwölf Kinder haben getestet – alle sind dauerhaft für die Waldgruppe angemeldet worden.

Nachwuchs lernt viel über Flora und Fauna

Überraschend ist das nicht: Die Kinder haben sichtlich viel Spaß im Wald. Und sie haben sich in den wenigen Wochen schon spürbar verändert – mal ganz abgesehen vom Appetit: „Hier draußen zählt nicht, ob Junge oder Mädchen, und plötzlich ist auch egal, ob ein Kind drei ist oder schon im Vorschulalter. Hier spielen Kinder miteinander, die vorher im normalen Kita-Alltag nie miteinander gespielt hätten“, sagt Brita Comisel.
Das sind aber keineswegs die einzigen Veränderungen: Eltern berichten, dass sie beim Waldspaziergang plötzlich von ihren Kindern vorm giftigen Fingerhut gewarnt oder über den Namen eines Käfers, der den Waldweg kreuzt, in Kenntnis gesetzt werden. Und vielfach sei von den Eltern auch die Rückmeldung gekommen, dass die Kinder jetzt sehr kreativ beim Spielen seien.
Das hat auch Tina Sturm beobachtet: Anfangs hätten die Kinder immer gefragt, was denn als nächstes auf dem Programm stehe – mittlerweile würden sie sich ihr Programm oft selbst machen.
Natürlich, sagt Brita Comisel, gelte auch für die Wald-Gruppe der übliche Bildungsauftrag – aber auf das Umfeld abgestimmt. Wenn zum Beispiel der Umgang mit einer Schere geübt werden soll, dann eben nicht nur am Basteltisch, sondern auch auf der Wiese: „Neulich haben die Jungs mit der Schere die Heu-Ernte erledigt“, erzählt sie lachend.

Blockhütte fernab vom Wasser- und Stromleitungsnetz

Und was, wenn’s Hunde und Katzen regnet? Kein Problem: „Die Eltern wissen schon, wie sie ihre Kinder einpacken müssen“, sagt die Kita-Leiterin. Und Erzieherin Julia Trapp ergänzt, dass die Kinder selbst die richtige Kleidung einfordern: „Die bestehen auf Regenklamotten. Die wollen ja schließlich in Pfützen springen.“ Nur wenn Gewitter oder Stürme drohen, sind die Kinder nicht draußen.
Für solche Fälle – die es bislang aber noch nicht gegeben hat – baut die Stadt Daaden als Kita-Träger am Rande des Hüllwalds eine Blockhütte. Wohlgemerkt fernab vom Wasser- und Stromleitungsnetz. Nur ein paar Photovoltaikpanels liefern ein bisschen Energie: „Vielleicht reicht es für den Wasserkocher.“ Die Hütte soll im Frühjahr fertig sein; bis dahin steht den Waldkindern die Wilhelm-Fischbach-Hütte zur Verfügung.
Beim SZ-Termin war ein knappes Dutzend Kinder da – in den nächsten Tagen wird dann die Gruppenstärke von 17 erreicht. Und schon jetzt gibt es eine Warteliste. „Es wollen noch viele Zweijährige nachrücken. Aber das geht erst mit drei Jahren“, erklärt Brita Comisel. Die Kleinen müssen also noch ein bisschen Geduld haben. Und ihre Eltern können schon mal große Frühstücksdosen kaufen.

Autor:

Daniel Montanus (Redakteur) aus Betzdorf

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