Viele Ideen stecken in den kleinen Rennern

Bobby Cars mit Geschwindigkeiten bis zu 100 km/h / Die Technik wird immer ausgefeilter

sz Derschen. Dicht über dem Asphalt jagen die Fahrer des »Team Roadrunner« auf ihren 40 kg schweren Bobby Cars die Straße hinunter. Nachdem sie kaum hörbar in eine Einfahrt gefahren sind, richten sie sich auf. »Tsssschhhhhh« - die Sohlen qualmen, nach wenigen Metern haben sie ihre Gefährte mit Hilfe ihrer Bremsschuhe – Schuhe, die mit einer zweiten Sohle aus zugeschnittenen Motorradreifen versehen sind – von Tempo 70 km/h abgebremst. Doch einer ist mit seinem Bobby Car nicht zufrieden. Die Lenkung, die vor dem Kunststoffkörper auf einer Eisenplatte sitzt, macht ihm Sorgen.

Er fährt in die »Bobby-Car-Schmiede« von Derschen. Chef ist hier sein Onkel, der das Spielzeug zu einem 750 mm langen und 500 mm breiten Rennwagen umgebaut hat. Der Konstrukteur erkennt das Problem und nimmt einige Handgriffe an der stabilen Lenkung vor, die über Kugelgelenke die Vorderradaufhängung bedient und dafür sorgt, dass der Fahrer nicht bei Geschwindigkeiten bis zu 100 km/h die Kontrolle über sein Bobby Car verliert. Viele Fahrer haben die Lenkung ihres Bobby Cars so konstruiert, dass der Mittelpunkt des Reifens über dem Drehpunkt sitzt. So können sie bei Unebenheiten wie Kanaldeckeln die Spur halten.

Ohne seine langjährige Erfahrung in der metallverarbeitenden Industrie wäre es dem Bobby-Car-Mechaniker kaum möglich, ein konkurrenzfähiges Kleinfahrzeug zu bauen, das überwiegend mit Hilfe von Dreh-und Frästechnik entstanden ist. »Man hat nicht immer einen Stand, man muss immer weiter entwickeln, wie bei der Formel 1« erklärt der 49-jährige.

Immer wieder besprechen sich die Fahrer, die alle für den Bobby Car Club Daaden fahren, mit »ihrem« Mechaniker, welche Verbesserungen vorgenommen werden können, um erfolgreich zu bleiben. Während ein Profifahrer des Teams vor einiger Zeit noch auf Schwerlasträdern aus der Industrie auf einer Stahlachse von 20 mm Durchmesser schnell genug war, fährt er in letzter Zeit bei den offiziellen Rennen des Bobby Car Club Deutschland nur der Konkurrenz hinterher. Er zerbricht sich den Kopf bei der Suche nach einer schnellen Alternative zu den Schwerlasträdern. Die Räder, die auf Hubwagen laufen und eigentlich zum Befördern von Paletten gedacht sind, besitzen Vollgummibereifung mit unterschiedlicher Härte und sind somit nicht auf jeder Strecke optimal. Bei zu starken Kurven »driften« sie und schon verliert man Geschwindigkeit.

Während der Neffe des Konstrukteurs sein Feingefühl beim Reinigen der Kugellager beweist, was großenteils zum Erfolg führt, ist seinem Freund eine Idee zur Optimierung der Geschwindigkeit gekommen, die der Konstrukteur so schnell wie möglich umsetzen möchte. Sein Bobby Car soll mit Luftreifen ausgestattet werden, die auf einer Aluminiumfelge sitzen. Außerdem werden kleinere Kugellager verwendet. Der Vorteil gegenüber den alten Reifen ist eine Gewichtseinsparung, die weniger Rollwiderstand mit sich bringt. Doch haben luftgefüllte Räder auch Nachteile: Eine Beschädigung durch Fremdkörper oder die Luftausdehnung durch Sonneneinstrahlung haben im Bobby Car Sport schon oft zu einem »Platten« geführt. Wie beim Auto müssen auch die Luftreifen nötigenfalls ausgewuchtet werden. An der Stelle des Ventils etwa ist mehr Gewicht, wodurch bei schneller Fahrt eine Unwucht entsteht. Also bedarf es eines Gewichtsausgleichs auf der gegenüberliegenden Seite des Reifens.

Nicht nur die Bereifung, auch die Kugellager spielen eine wichtige Rolle. Viele erhoffen sich von speziellen Keramikkugellagern eine deutliche Optimierung, ein Vorteil ist aber nicht immer zu erkennen, weshalb andere an ganz normalen Kugellagern festhalten. W#92chtig ist auch die Schmierung der Lager. Über verschiedene Hochleistungsöle bis zur Variante »trocken« zu fahren ist alles vertreten, und so hat jeder sein eigenes Geheimnis.

Da man mit den »getunten« Bobby Cars so hohe Geschwindigkeiten erzielt, spielt auch die Aerodynamik eine große Rolle. Der Konstrukteur achtet darauf, unnötige Flächen zu vermeiden, die den Luftwiderstand vergrößern könnten. So verzichtete er kürzlich auf Schutzbleche und baute lediglich Windabweisschilder über die Räder, die dem Fahrer zusätzlich Halt in der Kurvenlage geben. Um Verwirbelungen zu verhindern, werden die Felgen der Schwerlasträder mit Deckeln abgedeckt. Ein möglichst tiefer Schwerpunkt erlaubt schnelle Kurvenfahrt und vermindert den Windschatten für Konkurrenten.

Außer durch aufwendige Technik kann ein Bobby Car auch durch Design bestechen. Von den verschiedensten Lackierungen bis zu buntem Kunstfellüberzug ist alles vorhanden. Am 21.-22. August wird die Rheinland-Pfalz-Meisterschaft in Daaden einmal mehr zeigen, wieviele Ideen in den kleinen Rennern stecken.

David Rosenkranz, Gymnasium Betzdorf

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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