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In Daaden wird aufgeforstet
Wald der Zukunft mit natürlichen Kräften

Madalina Morosan hat eine wichtige Aufgabe: Gemeinsam mit ihren Kollegen pflanzt die junge Rumänin im Daadener Hauberg den Wald der Zukunft.
  • Madalina Morosan hat eine wichtige Aufgabe: Gemeinsam mit ihren Kollegen pflanzt die junge Rumänin im Daadener Hauberg den Wald der Zukunft.
  • Foto: Daniel Montanus
  • hochgeladen von Pascal Mlyniec (Redakteur)

damo Daaden. Eine Brachfläche reiht sich an die nächste, Unmengen Stammholz lagern am Wegesrand, und tausende Baumstümpfe erzählen eine traurige Geschichte von Käferplage und Dürre: Seit 20 Minuten steuert Revierförster Matthias Grohs jetzt sein Auto durch den Daadener Wald, und der Anblick könnte kaum bitterer sein. Endlich ist das Ziel erreicht, der Daadener Haubergsvorsteher Fritz-Otto Klotz steht am Wegesrand und erwartet den Förster schon. Auf die schier endlose Aneinanderreihung der verwüsteten Flächen angesprochen, zuckt Klotz nur mit den Schultern: „Da haben Sie noch lange nicht alles gesehen.“

Mit 765 Hektar ist die Daadener Haubergsgenossenschaft die größte im Kreis – und so ist die Herausforderung gewaltig.

damo Daaden. Eine Brachfläche reiht sich an die nächste, Unmengen Stammholz lagern am Wegesrand, und tausende Baumstümpfe erzählen eine traurige Geschichte von Käferplage und Dürre: Seit 20 Minuten steuert Revierförster Matthias Grohs jetzt sein Auto durch den Daadener Wald, und der Anblick könnte kaum bitterer sein. Endlich ist das Ziel erreicht, der Daadener Haubergsvorsteher Fritz-Otto Klotz steht am Wegesrand und erwartet den Förster schon. Auf die schier endlose Aneinanderreihung der verwüsteten Flächen angesprochen, zuckt Klotz nur mit den Schultern: „Da haben Sie noch lange nicht alles gesehen.“

Mit 765 Hektar ist die Daadener Haubergsgenossenschaft die größte im Kreis – und so ist die Herausforderung gewaltig. „Ich schätze, dass wir derzeit von gut 40 Prozent Kahlfläche reden“, sagt Klotz im Gespräch mit der SZ, „also um die 300 Hektar“. Eine einzige Rechnung zeigt das Dilemma: „Wenn wir die Kosten für die Aufforstung, den Verbissschutz und die Kulturpflege in den nächsten Jahren rechnen, dann kostet uns jeder Hektar in den nächsten 15 Jahren schätzungsweise rund 15 000 Euro.“

Ohne staatliche Hilfe geht es nicht

Nun sagt man den Menschen im Daadetal nach, dass sie solide und sparsam wirtschaften – aber trotzdem kann die Haubergsgenossenschaft nicht so viel Geld auf der hohen Kante haben, um flächendeckend aufzuforsten. „Auf der gesamten Fläche ist das nicht zu stemmen“, stellt Klotz klar. Und ohne staatliche Hilfe werde es auch nicht gehen.

Matthias Grohs pflichtet ihm bei und zeigt die einzige Alternative auf: „Wir müssen jetzt die Kräfte der Natur nutzen.“ Soll heißen: Überall dort, wo es geht, muss Naturverjüngung zum Tragen kommen. Und der Förster ergänzt: „Außerdem müssen wir dem Wald Zeit geben. Wir müssen in Generationen denken – und wir sind nun mal eben die Generation, die säen muss und nicht ernten kann.“

Frage nach dem richtigen Baum

Beim Säen gilt es aber, viele Aspekte zu berücksichtigen, macht Grohs deutlich. Ein allgegenwärtiges Problem sind die vielen praktisch baumfreien Flächen. „Manche sind 20, 30 Hektar groß“, sagt Grohs und verweist darauf, dass bei jedem starken Regenguss wertvoller Waldboden ausgewaschen wird. Und darauf, dass die Sonne den Boden gnadenlos aufheizt: Buchen oder Tannen hätten hier keine Chance. Solche Flächen wieder in einen gesunden Wald zu verwandeln, ist eine anspruchsvolle Aufgabe.

Grohs setzt auf Lichtbaumarten, und zwar vor allem auf heimische Gehölze wie Lärche, Traubeneiche, Ahorn, aber auch auf Speierling, Elsbeere oder Walnuß. „Ich schaue: Was sieht noch gut aus, was ist bislang noch vergleichsweise gut mit der Witterung klargekommen“, erklärt der Förster. Und zudem versucht er, dem Wunsch der Waldbesitzer nach schnellwachsendem Nadelholz gerecht zu werden. Verwunderlich ist dieses Ansinnen der Haubergsgenossen nicht, denn wenn in ein paar Monaten die letzten toten Fichten aus den Wäldern gekarrt sind, „ist das Sparbuch der Waldbesitzer weg“.

Ökologische Ziele ebenfalls im Blick

Aber: Der Wald dient nicht nur der Forstwirtschaft – und so hat Grohs auch die ökologischen Ziele im Blick. „Noch drastischer kann uns die Natur nicht aufzeigen, dass es Zeit ist zum Handeln“, sagt er mit Blick auf den darniederliegenden Wald. „Wir brauchen aber den Wald als CO2-Senke, und wir brauchen ihn auch als Luft- und Wasserfilter und nicht zuletzt in seiner sozialen Funktion.“

Den Wald der Zukunft aufzubauen, bedeutet für den Daadener Revierförster also einen ständigen Spagat. Zwischen Wirtschaft und Ökologie, aber auch zwischen Zeitdruck (schließlich greifen Brombeeren, Farn und Fingerhut schnell nach den Freiflächen) und knappen Ressourcen. Denn nicht nur das Geld ist begrenzt: Die Baumschulen ächzen unter den Massenbestellungen.

25 000 junge Pflanzen

Aktuell ist es im Forstrevier Daaden gelungen, 25 000 junge Pflanzen an Land zu ziehen. Diese werden seit einigen Tagen in die Erde gebracht – und zwar in mühsamer Handarbeit. Gepflanzt wird nicht in Reih und Glied, sondern in Klumpen – die Flächen dazwischen soll die Natur gestalten.
Auf 15 Hektar im Forstrevier Daaden ist damit der Grundstein für den Wald der Zukunft gelegt. „Wir haben jetzt lang genug über absterbende Bäume gesprochen. Es wird Zeit, nach vorne zu blicken“, sagt Grohs.
Beim Blick voraus hat er erst einmal einen ganz profanen Wunsch: „Jetzt muss das Wetter für die Pflanzungen mitspielen. Ich hoffe auf gutes Wetter – und damit meine ich Regen.“

Autor:

Daniel Montanus (Redakteur) aus Betzdorf

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