SPD-Politiker über massive Schäden informiert
Waldbesitzer stehen vor einer „Jahrhundertaufgabe"

Solche braunen Inseln wie hier am Alexander oberhalb des Krankenhauses in Kirchen gibt es inzwischen überall in der Region. Und mittlerweile sind die Schäden nicht nur bei Fichten zu beobachten, wie Forstamtsleiter Franz Kick mitteilte. Fotos: thor
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  • Solche braunen Inseln wie hier am Alexander oberhalb des Krankenhauses in Kirchen gibt es inzwischen überall in der Region. Und mittlerweile sind die Schäden nicht nur bei Fichten zu beobachten, wie Forstamtsleiter Franz Kick mitteilte. Fotos: thor
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thor  Daaden. Kleines Tierchen – großes Interesse: Der Borkenkäfer hat am Donnerstag Abend die heimischen Vertreter der Haubergsgenossen und Waldinteressenten scharenweise in den Gasthof Koch nach Daaden gelockt. Persönlich war zwar keiner der Schädlinge im Saal, dennoch waren sie thematisch allgegenwärtig.

Die SPD in Person der beiden Landtagsabgeordneten Sabine Bätzing-Lichtenthäler und Alexander Schweitzer hatte Betroffene und Interessierte eingeladen, um mit ihnen über die massiven Waldschäden zu sprechen. „Der Grund wird deutlich, wenn man nach draußen blickt“, meinte die Politikerin. Und niemand wollte ihr widersprechen, als sie sagte: „Wir stehen gemeinsam vor einer Jahrhundertaufgabe.“

Einmal mehr wurde deutlich, dass das ganze Ausmaß der „Naturkatastrophe“ (Forstamtsleiter Franz Kick) noch gar nicht zu überblicken ist. Fest steht, wie auch schon von der SZ geschrieben: Die Landschaft im Siegerland und im Westerwald wird sich gravierend verändern. Und ebenso groß werden vermutlich die Auswirkungen gerade auf die privaten Waldbesitzer sein. Schon jetzt geht die Angst vor dem nächsten größeren Sturm um, bieten die Wälder doch mittlerweile zahllose Angriffsflächen.

Bätzing-Lichtenthäler und Schweitzer wollten das Problem dann auch gar nicht erst auf regionale oder die Landesebene herunterbrechen – diese Schäden gingen ganz Deutschland etwas an. „Wir müssen den Bund mit ins Boot holen“, sagte der Fraktionsvorsitzende der SPD im Mainzer Landtag mehrfach. Was in diesem Fall heißt: Von Berlin müssten wesentlich mehr Mittel fließen. Rheinland-Pfalz habe bereits für 2019/20 insgesamt 3,5 Mill. Euro zusätzlich zur Verfügung gestellt. Und man sei auch bereit, weiter aufzustocken, wenn sich der Bund entsprechend beteilige.

Dass mit ein paar „Milliönchen“ tatsächlich nichts zu machen ist, war relativ schnell klar. Denn nach Angaben von Schweitzer liegen dem Land jetzt schon 1200 förderfähige Aktionen vor, die ein Volumen von 2,8 Mill. Euro binden. Gefördert werde u. a. die Schadholzbeseitigung, die anschließende Wege-Instandsetzung und das Wiederaufforsten mit Mischwäldern.

Wie schlimm die Lage tatsächlich ist, schilderte Hans-Georg Gerhardus (Mudersbach), der in gewohnter Weise kein (Eichen-)Blatt vor den Mund nahm: „Wenn das ein oder zwei Jahre so weitergeht, haben wir keine Fichten mehr.“ Mit denen aber verdiene man das Geld, um sich den „Luxus Laubwald“ zu erlauben. Ein weiteres Problem sei, dass es inzwischen viel zu wenige Förster gebe, um der Sache einigermaßen Herr zu werden. Doch Gerhardus wollte nicht missverstanden werden: Den Haubergsgenossen sei der Wald wichtiger „als das Geld, das uns fehlt“. Grundsätzlich müsse es aber hier – analog zum Kohleausstieg – nicht um Millionen, sondern um Milliarden gehen.

Dass die Sorge um die wegbrechenden Einnahmen die Waldbesitzer umtreibt, war mehr als einmal zu spüren. Denn wie will man Haubergsgenossen zu der mühsamen Arbeit im Wald motivieren, wenn jeder Ertrag fehlt? Bruno Köhler (Dermbach) hatte ein besondere Idee: Ohne die Windkraft explizit zu erwähnen, schlug er vor, für eine „Übergangszeit“ von 30 bis 40 Jahren auf erneuerbare Energien zu setzen, bis man wieder ein schönes Waldbild habe. Eine Überlegung, die Schweitzer auf jeden Fall mit nach Mainz nehmen will.

Fast schon konkret wurde der Fraktionsvorsitzende, was das Personal bei Landesforsten angeht. „Ja, wir haben im Wald gespart“, bekannte der SPD-Mann. Aber: „Wir werden nicht umhin kommen, dieses Konzept zu überprüfen. An mir wird es am Ende nicht scheitern.“ Das sage er so für die SPD-Fraktion. Zuvor hatte auch Berthold Buchen (Dermbach) kritisiert, dass die noch verbliebenen Förster mit Bürokratie überlastet seien, dabei brauche man sie mehr denn je im Wald. Gerade kleinere Haubergsgenossenschaften spürten den Mangel, berichtete Konrad Rink (Sassenroth). Man bekomme kaum noch das Holz aus dem Wald.

Friedrich Freiherr von Hövel, Vorsitzender des Kreis-Waldbauvereins, schlug vor, über die Beförsterungskosten für die privaten Waldbesitzer nachzudenken. Seiner Meinung nach sei die Arbeit eher ein Stück Daseinsvorsorge für die Allgemeinheit. Und dann sollten die Kosten auch von allen getragen werden.

Siegfried Rohs (Freusburg) wollte die Blickweise etwas erweitern, handele es sich doch hier um die Folgen einer Klimakatastrophe: „Alle sind daran schuld.“ Diese zu bekämpfen, müsse ein gesellschaftspolitisches Ziel sein. Rohs machte aber noch auf andere Auswirkungen aufmerksam: Wenn der Wald nicht mehr das Wasser halte, weil die Bäume fehlten, sei auch die private Wasserversorgung in Gefahr.

Um die Schäden im Wald zu minimieren, sei immer noch langer und ergiebiger Regen das beste Mittel. Ansonsten gebe es eine Vielzahl kleinerer Maßnahmen gegen den Borkenkäfer, meinte Forstamtsleiter Kick. Dennoch sollte man sich diesbezüglich keine Illusionen machen: „Eine Naturkatastrophe kann man nicht umbiegen.“

Solche braunen Inseln wie hier am Alexander oberhalb des Krankenhauses in Kirchen gibt es inzwischen überall in der Region. Und mittlerweile sind die Schäden nicht nur bei Fichten zu beobachten, wie Forstamtsleiter Franz Kick mitteilte. Fotos: thor
Im Gasthof Koch hatte man gestern den Eindruck, es handelte sich eher um eine Haubergsversammlung als um eine politische Informationsveranstaltung.
Autor:

Thorsten Stahl (Redakteur) aus Betzdorf

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