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Dicke-Backen-Musik interessiert viele nicht
Was kann und muss Jugendarbeit leisten?

Einen Teil der Jugend erreicht man mit einem noch so guten Vereinsangebot nicht. In der Verbandsgemeinde Daaden-Herdorf überlegt man nun, die offene Jugendarbeit auf professionelle Füße zu stellen. Doch darüber wird munter gestritten.
  • Einen Teil der Jugend erreicht man mit einem noch so guten Vereinsangebot nicht. In der Verbandsgemeinde Daaden-Herdorf überlegt man nun, die offene Jugendarbeit auf professionelle Füße zu stellen. Doch darüber wird munter gestritten.
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  • hochgeladen von Sonja Schweisfurth (Redakteurin)

goeb Daaden. Grüne, Linke und SPD-Fraktion wünschen sich, wie berichtet, einen Neustart hauptamtlicher Jugendpflege auf dem Gebiet der Verbandsgemeinde Daaden-Herdorf. In eine längere intensive Diskussion über dieses nicht unumstrittene Thema steuerte die Ratsversammlung am Mittwochabend im Bürgerhaus.„Wir sind der einzige weiße Fleck in dieser Beziehung“, stellte Sabine Steinau (SPD) eine Rechnung auf Kreisebene auf. Zur Erinnerung: Bis 2005 gab es das Angebot (mit Unterbrechungen) in der früheren VG Daaden, dann wurde die „Offene Jugendarbeit“ eingestellt.

Die Bedingungen und der Bedarf seien heute ganz andere, argumentierten die Antragsteller. Die Kommune sei viel größer geworden, außerdem sei Jugend heute etwas anderes als vor 15 oder 25 Jahren.

goeb Daaden. Grüne, Linke und SPD-Fraktion wünschen sich, wie berichtet, einen Neustart hauptamtlicher Jugendpflege auf dem Gebiet der Verbandsgemeinde Daaden-Herdorf. In eine längere intensive Diskussion über dieses nicht unumstrittene Thema steuerte die Ratsversammlung am Mittwochabend im Bürgerhaus.„Wir sind der einzige weiße Fleck in dieser Beziehung“, stellte Sabine Steinau (SPD) eine Rechnung auf Kreisebene auf. Zur Erinnerung: Bis 2005 gab es das Angebot (mit Unterbrechungen) in der früheren VG Daaden, dann wurde die „Offene Jugendarbeit“ eingestellt.

Die Bedingungen und der Bedarf seien heute ganz andere, argumentierten die Antragsteller. Die Kommune sei viel größer geworden, außerdem sei Jugend heute etwas anderes als vor 15 oder 25 Jahren.

Bedarf infrage gestellt

Davon wollten vor allem CDU-Chef Uwe Geisinger und FWG-Mann Günter Knautz anfangs nichts hören. Geisinger sagte, er habe große Bedenken. Zum einen sehe er den Bedarf gar nicht, zum anderen sehe er die Finanzierung nicht gesichert. „Jugendliche haben bei uns ein sehr gutes Spektrum an Möglichkeiten in ihrer Freizeit.“
Günter Knautz zückte eine Expertise des Landkreises. „Wir haben nicht unbedingt Brennpunkte“, schilderte er. Laut Bericht des Kreises leisteten in der Verbandsgemeinde 43 Prozent aller Vereine Jugendarbeit, Tendenz steigend. „Der Durchschnittswert im Kreis Altenkirchen liegt bei 25 Prozent. Das frage ich mich: Muss eine Kommune denn alles abdecken?“

"Chillen" statt Leistung erbringen

Erwartungsgemäß sahen das die Antragsteller ganz anders. Geradezu lächerlich sei das Argument, der Berufscoach decke den Bedarf mit ab. Das seien zwei völlig verschiedene Paar Schuh.
Jana Schlosser unterschied sorgsam zwischen Jugendarbeit und Jugendsozialarbeit. Beispiel Angebote der Musikvereine. Da gebe es schon die Tendenz zur Dicke-Backen-Musik, die viele Jugendliche nicht interessiere. Und bei der Feuerwehr stehe der Weiterbildungsgedanke im Vordergrund. „Und es gibt auch welche, die fühlen sich fehl am Platz auf dem Sportplatz.“
Oft sei das alles mit Leistung verknüpft, wo die Jugendlichen eher „Chillen“ wollten. „Und seien wir ehrlich: Das Treffen der Jugend im öffentlichen Raum wird auch von vielen negativ bewertet.“ Auch für muslimische Jugendliche sei nichts da.

Politische Erziehung

Jugendarbeit, führte sie weiter aus, sei auch ein wichtiger Träger politischer Erziehung zur Demokratie. „Wenn wir da nichts anbieten, besteht die Gefahr, dass Jugendliche anfällig werden für Verschwörungstheoretiker, Querdenker und AfD“, sagte die Bündnisgrüne. Es gebe ein Ungleichgewicht in den sozialen Angeboten. Sie rügte, dass für diesen Bereich wohl ungern Geld bereitgestellt werde.
Peter Bosbach von der FDP räumte in seiner Fraktion kein einheitliches Bild zu der Frage ein. Herdorf, sagte er, sei von allen Siedlungen am städtischsten geprägt. „Die Vereine machen schon viel, aber viele Jugendliche lassen sich dadurch nicht erreichen. Dann hängen sie ab an der Alten Hütte oder auf dem Rewe-Parkplatz.“ Bosbach: „Da können wir nicht sagen, mit der Sache haben wir nichts zu tun.“ Bosbach meinte aber auch, dass mit der Einstellung eines Jugendpflegers es nicht getan sei. „Wir brauchen drumherum ein Konzept.“

Jugend- und Vereinsarbeit verzahnen

Walter Strunk (SPD) regte zu Mut und zum Willen an. Man dürfe das nicht Betzdorf, Bad Marienberg oder Hachenburg überlassen, dann dahin verzögen sich manche Jugendliche.
Selbst in Weitefeld, so Karl-Heinz Keßler (SPD), gebe es Jugendliche, die durch alle Raster fielen. Er fragte, ob sich Jugendarbeit und Vereinsarbeit nicht auch gut verzahnen ließen.
„Wir wollen uns der internen Beratung nicht verschließen“, baute Geisinger eine Brücke, und auch Knautz war dafür, im Haupt- und Finanzausschuss weiter zu beraten. Man beschloss, dass das Rathaus Kosten ermittelt ebenso Fördermöglichkeiten, außerdem soll Jugendpfleger Ingo Molly (Betzdorf-Gebhardshain) eingeladen werden, um zu berichten. Bürgermeister Schneider freute sich, dass das Thema so intensiv und facettenreich diskutiert worden sei.

Autor:

Dr. Andreas Goebel (Redakteur) aus Betzdorf

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