»Wenn das der Opa noch erlebt hätte«

Daadener Torwart-Talent Thomas Kraft wechselt im Sommer zu Bayern München

rio Daaden. Wenn Oliver Kahn heute Abend im Champions-League-Rückspiel bei Real Madrid das Tor des FC Bayern hütet, dann schaut einer genau hin. Schließlich ist Thomas Kraft ab der kommenden Saison Vereinskamerad des Nationalkeepers. Der 15-jährige Nachwuchstorwart der SG 06 Betzdorf soll künftig den Kasten in der B-Jugend des Bundesligisten sauber halten.

»Wenn das sein Opa noch erlebt hätte. Der war absolut fußballverrückt und hat immer bedauert: Jetzt habe ich schon neun Enkel, und keiner spielt Fußball«, kann Mutter Christel Kraft die große Chance, die sich ihrem Sohn darbietet, noch gar nicht richtig fassen. Vier Mal wurde Thomas Kraft schon zum Probetraining nach München geladen. Doch erst vergangene Woche wurde es ernst. Die Bayern bestellten Thomas zu einer entscheidenden Sichtung nach München, wo er im Training mit der B-Jugend-, der A-Jugend- und der Amateur-Mannschaft sein Können unter Beweis stellen sollte.

»Die erste Trainingseinheit lief bis auf ein paar Kleinigkeiten schon ganz gut, doch beim Training mit den Amateuren war dann alles perfekt«, freut sich der Berufsschüler, dass er die Nerven behielt und die Bewährungsprobe bestand. Noch ist der Vertrag, der über drei Jahre bis zum Ende der Jugendlaufbahn dauern soll, zwar nicht unterschrieben, doch das ist nur noch eine Formsache. »Es geht nur noch um die Frage, ob ich in einem Zimmer im Jugendhaus des FC Bayern oder in einem Appartement in der Säbener Straße wohnen soll, und wo ich eine Lehrstelle als Elektriker bekomme«, bekräftigt der 15-Jährige.

Mit der Tatsache, dass er dann über 400 Kilometer von seinem Elternhaus entfernt wohnt, glaubt Thomas gut zurecht zu kommen, obwohl er bislang maximal mal anderthalb Wochen nicht zu Hause war. Seine Eltern unterstützen ihren Sohn, wollen ihm diese einmalige Chance nicht verbauen. »Bis zum Sommer ist ja noch einige Zeit hin«, versucht Mutter Christel den Gedanken an die räumliche Trennung im Moment noch zu verdrängen.

Wenn es nach Thomas gegangen wäre, wäre er schon im vergangenen Sommer an die Isar gezogen. Doch die Scouts des FC Bayern rieten ihm, noch ein Jahr bei der SG 06 Betzdorf zu bleiben. »Die meinten, ich sei noch zu jung, um das Elternhause zu verlassen«, erklärt der junge Daadener. Zuvor war schon ein Engagement beim SC Freiburg geplatzt, weil die Breisgauer ihre A-Jugend für die neu gegründete Bundesliga stark machen wollten, und kein Geld mehr für die B-Jugend übrig blieb.

Insgesamt klopften 13 Bundesliga-Vereine bei dem Daadener Torwart-Talent an, doch nach dem ersten Probetraining in München stand für Thomas, der eigentlich Fan von Borussia Dortmund ist, fest: »Wenn die Bayern mich wollen, gehe ich dort hin. Es ist zwar als Jugendlicher unheimlich schwer, sich dort auch im Profibereich durchzusetzen, doch wer bei den Bayern war, hat eine gute Basis, um sich für andere Vereine zu empfehlen.«

Ausgelöst hat die junge Karriere der jetzige Torwart des Bezirksligisten VfB Wissen, Sascha Kill, der den damals Sechsjährigen für den Posten zwischen den Pfosten begeisterte. Mit acht schloss sich Thomas dann der JSG Daaden an, für die er zwei Jahre spielte, ehe er nach Wissen wechselte und erste Berufungen in die Rheinland-Auswahl und Einladungen zu Lehrgängen des Deutschen Fußball-Bundes in Daaden eintrafen. Vor anderthalb Jahren folgte Thomas dem Lockruf der SG 06 Betzdorf und wurde in der Zwischenzeit dreimal auf Abruf für die Jugend-Nationalmannschaft nominiert.

Kaum ein Tag vergeht, an dem sich Thomas Kraft nicht die Torwarthandschuhe überstreift. Selbst viermal Training pro Woche mit der 1. Mannschaft der SG 06 Betzdorf plus Meisterschaftsspiel reichen dem Berufsschüler manchmal nicht aus, oft trainiert er zusätzlich noch mit seinem Freund Steffen Metz auf den Kunstrasenplatz im Direnbachtal. In puncto Ehrgeiz steht der 15-Jährige seinem Idol und künftigen Teamkameraden Oliver Kahn also wenig nach. Und wer weiß, vielleicht stammen die Gegner von Thomas ja irgendwann einmal auch aus Madrid statt aus Steiningen oder Bad Bodendorf…

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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