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Bike-Trialerin Larena Hees
Eine Artistin auf zwei Rädern

Auch hohe Steinblöcke halten Larena Hees nicht auf. Mit faszinierender Körperbeherrschung und Geschicklichkeit meistert die Bike-Trial-Spezialistin aus Friedewald bei Daaden selbst die schwierigsten Hindernisse.
  • Auch hohe Steinblöcke halten Larena Hees nicht auf. Mit faszinierender Körperbeherrschung und Geschicklichkeit meistert die Bike-Trial-Spezialistin aus Friedewald bei Daaden selbst die schwierigsten Hindernisse.
  • Foto: privat
  • hochgeladen von Uwe Bauschert (Redakteur)

ubau Tübingen. Sie beherrscht ihr Rad nahezu in Perfektion, hält die Balance in noch so schwieriger Situation und meistert mit faszinierender Körperbeherrschung und Geschicklichkeit Hindernisse, die andere nicht mal zu Fuß überwinden würden: Larena Hees ist eine Artistin auf dem Zweirad und eine der erfolgreichsten deutschen Fahrrad-Trialerinnen. Vor zwei Jahren fuhr die 21-jährige Sportlerin aus Friedewald den Deutschen Meister-Titel ein. Und beachtliche Ergebnisse beim World Cup dokumentieren, dass sie auch auf internationaler Bühne eine gute Rolle spielt.

Ihre Leidenschaft für den körperlich anspruchsvollen und fahrtechnisch kniffligen Sport auf zwei Rädern wurde schon früh geweckt.

ubau Tübingen. Sie beherrscht ihr Rad nahezu in Perfektion, hält die Balance in noch so schwieriger Situation und meistert mit faszinierender Körperbeherrschung und Geschicklichkeit Hindernisse, die andere nicht mal zu Fuß überwinden würden: Larena Hees ist eine Artistin auf dem Zweirad und eine der erfolgreichsten deutschen Fahrrad-Trialerinnen. Vor zwei Jahren fuhr die 21-jährige Sportlerin aus Friedewald den Deutschen Meister-Titel ein. Und beachtliche Ergebnisse beim World Cup dokumentieren, dass sie auch auf internationaler Bühne eine gute Rolle spielt.

Ihre Leidenschaft für den körperlich anspruchsvollen und fahrtechnisch kniffligen Sport auf zwei Rädern wurde schon früh geweckt. Und das hatte einen triftigen Grund: Bereits als Kind bekam Larena die „Kniffe“ und Kunststücke auf dem Bike von ihren (deutlich älteren) Brüdern Markus und Felix tagtäglich vor Augen geführt. Das Duo war so gut, dass beide mit einem Show-Team deutschlandweit auftraten und noch heute mit waghalsigen Darbietungen für staunende Gesichter im Publikum sorgen (www.doc-team.de).

Weder Sattel, Schaltung noch Federung

„Nesthäkchen“ Larena war damals häufig mit im Schlepptau, wenn es wieder zu Veranstaltungen ging. Von den formidablen Vorführungen ihrer großen Brüder war sie schnell „angefixt“, sodass sie schon in jungen Jahren ihre ersten Runden auf dem Trial-Rad drehte. Und allein das würde „Otto Normalverbraucher“ schon vor Probleme stellen. Denn das Zweirad hat weder Sattel, Schaltung noch Federung.

Zum Teil über zwei Meter hohe Hindernisse

Allein aus dieser Konstruktion heraus ergibt sich, dass beim Trial weniger gefahren, sondern vielmehr gesprungen wird. Ziel ist, mit dem 20- oder 26-Zoll-Bike in einem abgesteckten Parcours über Hindernisse wie Felsen, Baumstämme oder oder durch Wassergräben zu fahren, ohne dabei einen Fuß auf den Boden zu setzen. Und als wäre das schon nicht schwierig genug, müssen die Trialerinnen in einer Zeitvorgabe bleiben. Ein ausgesprochen gutes Balancegefühl, (Sprung-)Kraft mit dem Rad und Mut bei den zum Teil zwei Meter hohen Hindernissen sind für das erfolgreiche Navigieren durch den Parcours ebenso unabdingbar wie eine starke Psyche und körperliche Fitness.

„Man muss schon sehr, sehr viel Zeit investieren"

„Die Sportart ist sehr vielfältig. Man muss viele verschiedene Komponenten beherrschen, um am Ende erfolgreich zu sein“, erläutert Larena Hees. Und erfolgreich sein, das will die ehrgeizige Sportlerin aus dem Kreis Altenkirchen. Dafür trainiert sie hart – und ordnet ihrer sportiven Passion vieles unter. „Man muss schon sehr, sehr viel Zeit investieren, wenn man auf einem hohen Niveau unterwegs sein will. Für mich ist Fahrrad-Trial nicht bloß ein Hobby, sondern eine Leidenschaft“, betont Larena Hees, die 20 bis 25 Stunden in der Woche auf dem Bike oder im Kraftraum verbringt.

Schwieriger Spagat zwischen Leistungssport und Studium

Immer mit der Motivation, (noch) besser zu werden. „Ein Hindernis nach 30 vergeblichen Versuchen endlich zu schaffen, dieses gute Gefühl treibt mich an“, verrät das heimische Trial-Ass, das im „wahren Leben“ an der Universität Tübingen im vierten Semester Sportwissenschaft (Schwerpunkt Gesundheitsförderung) studiert. Dass der Spagat zwischen Leistungssport und Studium schwierig ist, versteht sich von selbst. Nur mit guter Organisation und eiserner Disziplin gelingt es, beides unter einen Hut zu bekommen.

Dass sich Larena Hees die baden-württembergische Stadt am Neckar für ihr Studium ausgesucht hat, hatte auch den Grund, dass dort die Rahmenbedingungen für die Kombination von Sport und Studium sehr gut sind. Die Universität Tübingen setzt sich dafür ein, den studentischen Leistungssportlern eine duale Karriere zu erleichtern. Auf Larena Hees gemünzt, heißt das: Als Mitglied des Kaders des Bundes Deutscher Radfahrer (BDR) erhält die „AK“-Bikerin eine Sportlerförderung der Universität. „Ich kann im Fitness-Studio der Uni entgeltfrei trainieren. Für Trainingslager werde ich freigestellt. Anwesenheitszeiten und Prüfungstermine werden flexibel festgelegt“, erklärt die Trial-Spezialistin und schiebt eilends mit einem Lächeln hinterher: „Ich muss aber alles nacharbeiten.“

„Ohne die Unterstützung meiner Eltern wäre ich niemals so weit gekommen“

Zugute kommt dem heimischen Zweirad-Ass auch, dass das Trainingsgelände der RSG Tübingen nur einen Steinwurf von ihrer Wohnung entfernt ist. Ganz anders als zu Friedewalder Zeiten. Da mussten sie ihre Eltern zum Training auf den Verkehrsübungsplatz nach Neunkirchen oder auf die Anlage ihres Stammvereins MSC Salzbödetal (bei Bad Endbach) „kutschieren“. Larena Hees ist heute noch dankbar dafür: „Ohne die Unterstützung meiner Eltern wäre ich niemals so weit gekommen.“ Und weit gekommen ist die Friedewalderin tatsächlich: Seit 2012 bestreitet sie Wettkämpfe. Und in ihrer Karriere hat sie bereits zahlreiche Erfolge und gute Platzierungen eingefahren. Viermal Hessenmeisterin, Jugend-Vizeweltmeisterin, viermal Deutsche Vizemeisterin und einmal sogar Deutsche Meisterin (2018 in Heiligenrode bei Kassel) – die sportliche Vita von Larena Hees ist beeindruckend.

Die Frage nach dem größten Erfolg erübrigt sich – sollte man zumindest meinen. Denn die Antwort von Larena Hees fällt überraschend (ehrlich) aus. „Natürlich war der Gewinn der Deutschen Meisterschaft 2018 ein toller Erfolg für mich. Aber im Finale war die Weltmeisterin Nina Reichenbach nicht am Start. Und ich bin mir ziemlich sicher, dass ich nicht gewonnen hätte, wenn sie dabei gewesen wäre. Es waren also nicht alle Komponenten erfüllt, die zu einem richtigen Erfolg gehören.“

Finalteilnahmen beim World Cup auf der persönlichen Erfolgs-Skala ganz oben

Daher ordnet die Trialerin aus dem Daadener Land die Finalteilnahmen beim World Cup auf ihrer persönlichen Erfolgs-Skala noch ein wenig höher ein. 2017, 2018 und 2019 erreichte sie jeweils den 6. Platz in einem Einzelrennen. „Da waren die Besten am Start. Ich musste ich mich gegen internationale Konkurrenz behaupten – und das ist mir ganz gut gelungen“, sagt Larena Hees, die auch ihre Vizemeisterschaft im vergangenen Jahr im Rahmen der „Finals Berlin“ in besonders guter Erinnerung behalten hat. „Die Atmosphäre dort war geil. Auch sportlich hat alles gepasst – bis auf den einen Bock, der mir unterlaufen ist“, sagt die Friedewalderin.

Für dieses Jahr hat(te) sie sich einen Podiumsplatz bei einem World-Cup-Rennen vorgenommen. Doch ob und wann die Saison angesichts der Auswirkungen der Corona-Pandemie fortgesetzt wird, ist ebenso offen wie ihre Teilnahme an der WM. Larena Hees hat aber zumindest noch leise Hoffnung. Damit sie auch auf der ganz großen Bühne zeigen kann, dass sie ihr Rad nahezu in Perfektion beherrscht.

Autor:

Uwe Bauschert (Redakteur) aus Siegen

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