Areal der Eichener Mühle
Bei Maiworms entsteht offene Backstube

Das Areal der Eichener Mühle gleicht einer Postkartenidylle. Rund um den Teich sollte eigentlich das 125-jährige Bestehen der Bäckerei Maiworm gefeiert werden. Ob die Feierlichkeiten stattfinden, hängt von der Entwicklung der Pandemie ab.
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  • Das Areal der Eichener Mühle gleicht einer Postkartenidylle. Rund um den Teich sollte eigentlich das 125-jährige Bestehen der Bäckerei Maiworm gefeiert werden. Ob die Feierlichkeiten stattfinden, hängt von der Entwicklung der Pandemie ab.
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yve Eichenermühle. Idyllisch wie auf einer Postkarte liegt die Eichener Mühle im Tal, ein Kleinod im Drolshagener Land, eng verbunden mit der Geschichte der Stadt. Das historische Gebäude am Mühlenteich und die Technik stehen unter Denkmalschutz. Im Jahr 1896 erwirbt Anton Maiworm die heutige Sehenswürdigkeit, früher Bannmühle des ehemaligen Zisterzienser-Kloster Drolshagen. Die erste urkundliche Erwähnung stammt aus dem Jahr 1512, später fungiert die Anlage mitunter als Sägewerk sowie Brotbackstube, verlagert 1916 an den heutigen Standort an der Eichenermühle 8. Seit fünf Generationen wird hier Brot und mehr hergestellt. Ein echter Traditionsbetrieb, und das seit 125 Jahren.

Steffen Maiworm wollte eigentlich kein Bäcker werden

Heute steht Steffen Maiworm am Ofen, „dabei wollte ich eigentlich gar kein Bäcker werden“, erzählt er beim Besuch der Siegener Zeitung. „Nach dem Abitur habe ich mir aber gedacht, das Handwerk ist solide, da weiß man, wo man dran ist.“ Seine Ausbildung absolviert der 44-Jährige seinerzeit nicht im elterlichen Betrieb. Er geht bei Reinhard Hesse in die Lehre. „Zuhause kannte ich ja schon alles.“ Mit seiner Frau Kathrin blickt er zurück.

Kathrin und Steffen Maiworm in ihrer umgebauten Backstube. Kunden können in Kürze den traditionellen Backvorgang live durch die geschlossene oder offene Glasfront miterleben. In selbstgemalten „Botschaften“ hält Kathrin Maiworm ihre Kunden auf dem neuesten Stand der Baufortschritte.
  • Kathrin und Steffen Maiworm in ihrer umgebauten Backstube. Kunden können in Kürze den traditionellen Backvorgang live durch die geschlossene oder offene Glasfront miterleben. In selbstgemalten „Botschaften“ hält Kathrin Maiworm ihre Kunden auf dem neuesten Stand der Baufortschritte.
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Auf den wichtigsten Begleiter der Bäckerei Maiworm über Jahrhunderte – den Sauerteig! Angefrischt noch heute in einer Dreistufenführung, jeden Tag aufs Neue. „Der ist unser Garant für den herbsäuerlichen, rustikalen Geschmack aller Roggen- und Mischbrote.“
Das Gros der Waren verlässt die Backstube aber nicht für den Verkauf an einer Ladentheke. Steffen und Kathrin Maiworm sowie 14 Mitarbeiter bringen Brot und Co. direkt an die Haustür – in Rüblinghausen, Iseringhausen, Olpe, Rhode, Belmicke, Bleche und anderen Orten. Nur in Ottfingen hält der Wagen an vier festen Standpunkten. Zu dem Wendener Dorf haben die Maiworms eine besondere Beziehung. Steffen singt bereits seit 17 Jahren bei „VocalArt“, Kathrin seit 2015 im Gemischten Chor „Stimmwerk“. Musik verbindet, heißt es nicht umsonst. „Als ich immer häufiger gefragt wurde, doch Brot und andere Backwaren mitzubringen, haben wir unseren Tourenplan um Ottfingen erweitert.“

Bei den Maiworms ist immer "Tag der offenen Tür"

Mit dem reinen Lieferdienst besitzt der Betrieb aus Eichenermühle ein Alleinstellungsmerkmal in der Umgebung. Das heißt nicht, dass der 44-Jährige, seine beiden Gesellen und seine Familie hinter verschlossenen Türen arbeiten. Bei den Maiworms ist immer „Tag der offenen Tür“ – zumindest zu den Öffnungszeiten. Zwischen Tür und Angel oder besser gesagt zwischen Backstube und Vorraum werden Waren ausgegeben – völlig unkompliziert. „Wer backt, verkauft auch Brot“, so Kathrin Maiworm. Nur die Pandemie macht das uralte Konzept kompliziert. Vorkehrungen müssen getroffen werden, plötzlich steht das Hygienekonzept anstatt Unbeschwertheit im Fokus. „Wir standen vor großen Hausaufgaben“, erinnert sich die 39-Jährige. „Zum Jubiläum wollten wir in die Zukunft investieren, die Maßnahmen haben wir nun vorgezogen.“
Beim Besuch der SZ sind die Hauptarbeiten erledigt, der Anbau steht, die neue Ofenanlage ist an ihrem Platz, die durchbrochene Wand frisch verputzt, nur kleinere Gewerke sind noch abzuhaken. Bei den Maiworms bleibt es aber weiterhin anders als andernorts. So hat das Ehepaar den zunehmenden Restaurant-Trend von offenen Küchen auf seine Backstube transportiert. Durch eine aufschiebbare Glasfront kann den Bäckern beim Rühren, Kneten und Formen zugeschaut werden. „Die Kunden sollen den unverwechselbaren Duft des Brotes riechen, wenn sie hier reinkommen. Sie sollen erleben, wie unsere Produkte entstehen“, sagt Kathrin Maiworm. „Das ist den Menschen heute wichtig.“ Die Krise habe zu einem Umdenken geführt. „Brot wird wieder mehr wertgeschätzt“, ergänzt der 44-Jährige. Der Umbau vertrage sich sehr gut mit den Traditionen. Neues schaffen, ohne Altbewährtem zu schaden, sei oberstes Gebot bei den Planungen gewesen. „Wir wollten unseren drei Kinder, falls sie in unsere Fußstapfen treten, auch kein Museum hinterlassen.“
Pfingstmontag wäre der perfekte Tag für eine Besichtigung des umgebauten Ladens gewesen. An diesem Tag sollte Jubiläum gefeiert werden, ganz groß. Ähnlich wie beim Mühlentag anlässlich des 500-jährigen Bestehens der Eichener Mühle. Zu Beginn eine Messe, dann ein buntes Programm und fünf Verkaufsbuden rund um den Mühlenteich. „Selbst die Brotprüfung der Innung sollte hier stattfinden.“

Corona erschwert die Planungen der Maiworms

Sollte ist das Stichwort, denn die Maiworms tasten derzeit im Dunklen, die Planungen liegen auf Eis. „Wir wissen nicht, wie sich die Pandemie entwickelt, wir können nur abwarten“, so die 29-Jährige. Mit hunderten Besuchern haben die Maiworms gerechnet. Das liegt nicht zuletzt an der ausgesprochen guten Lage der Eichener Mühle, nur einen Kilometer von der Autobahnabfahrt entfernt und direkt am Bergischen Panorama-Radweg gelegen, der über die alte Bahntrasse führt. Anziehungspunkt sind zudem die alten, noch sichtbaren Techniken der Anlage – vom Mühlengewässer, über Gattersäge und Wasserrad.
Der vor vier Jahren gegründete Eichener Mühlenverein hat es sich zur Aufgabe gemacht, die stillstehenden Zeitzeugen aus dem Dornröschenschlaf zu holen. Ob sich das geschichtsträchtige Areal Pfingstmontag füllt, bleibt abzuwarten, nicht nur die Maiworms würde es freuen!

Autor:

Yvonne Clemens (Redakteurin) aus Stadt Olpe

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