Dialog zwischen den Generationen

Eichener Abiturientin bringt viel Zeit mit

Naomi Peter verbringt freiwilliges soziales Jahr in jüdischer Senioreneinrichtung in Boston

nja Eichen. Das Abiturzeugnis in der Tasche und voller Tatendrang packt Naomi Peter in naher Zukunft ihre Koffer. Nicht jedoch, um sich für die bestandene Reifeprüfung und den Beginn eines neuen Lebensabschnitts mit einem Urlaub zu belohnen. Die Reisepläne der Eichenerin sind etwas langfristiger angelegt: Am 2. September beginnt die 19-Jährige ein freiwilliges soziales Jahr. In der US-Metropole Boston wird sie sich als Betreuerin im »Hebrew Senior Life«, einem Seniorenzentrum, in der Arbeit mit alten jüdischen Menschen engagieren.

Bis vor kurzem hatte sie selbst von dieser Einrichtung noch nichts gehört. Um ein freiwilliges soziales Jahr hatte sie sich Ende des vergangenen Jahres bei »Aktion Sühnezeichen Friedensdienst« (ASF) beworben. »Ich war relativ offen, wohin es gehen könnte«, erzählte Naomi Peter gestern bei der SZ-Visite. Als Wunschziele hatte sie an erster Stelle Israel und dann die USA benannt. »Mir war nur klar, dass ich ungern einen reinen Bürojob machen wollte. Die Arbeit mit alten oder sozial benachteiligten Menschen schwebte mir schon vor.« Insofern landete sie mit »Hebrew Senior Life« sozusagen einen Volltreffer.

Und nun freut sich die Eichenerin auf ihren Einsatz. Bei der Einrichtung in Boston, so berichtet sie, handelt es sich um ein »richtig großes Seniorenzentrum, in dem rund 3000 alte Menschen mit unterschiedlichem Hintergrund in unterschiedlichen Lebenssituationen leben. Ich werde dort nicht pflegerisch tätig, sondern die Senioren betreuen, Zeit und ein offenes Ohr für sie haben«. So begleitet sie die Menschen z.B. zur Synagoge, zu anderen Veranstaltungen oder bei Spaziergängen, besucht sie in ihren Appartements (das heißt dort »friendly visiting«), kann aber auch eigene Gruppenaktivitäten entwickeln, hilft im Büro aus.

Die Einrichtung wurde unter anderem Namen 1903 von orthodoxen Juden gegründet; angefangen hatte das Projekt mit 15 Bewohnern. Die dort mittlerweile angebotene Hilfe reicht von der Betreuung im Altenheim über betreutes und unabhängiges Wohnen bis zu Reha-Maßnahmen; Hebrew Senior Life ist zudem das geriatrische Forschungszentrum der weltberühmten Harvard-Universität. Das religiöse und kulturelle Erbe des Judentums spielt eine wichtige Rolle; es werden »Shabbat Services« und Gottesdienste gehalten, jüdische Feste gefeiert. Naomi Peter wird übrigens erst die zweite »ASF-Freiwillige« dort sein.

Haupteinsatzbereich für die Abiturientin wird das »Religious Services Department« sein, das für das »jüdische Leben« in der Anlage zuständig ist. Ein nicht geringer Teil der Bewohner wurde in Europa geboren. Auch mit Überlebenden des Naziterrors wird Naomi Peter daher sicherlich zusammentreffen. Sie möchte den Dialog mit den Menschen suchen: »Sie sollen sehen, dass wir uns mit der Vergangenheit auseinander setzen.« Und: »Wann hat man schon die Möglichkeit, sich über eine so lange Zeit mit einer anderen Kultur, einer anderen Religion auseinander zu setzen? Das eine Jahr wird sicherlich eine Menge neuer Erfahrungen bündeln.« Die Spannung und Neugier ist groß.

Wie hat sie sich auf ihren Einsatz vorbereitet? Naomi Peter berichtete von ihrem Praktikum in der Stiftung Diakoniestation Kreuztal, wobei sie Erfahrungen im neuen »Haus der Diakonie« mit integrierter Senioren-WG sammelte. Und die vergangene Woche verbrachte sie auf Einladung von ASF in Auschwitz: Dort lernte die Eichenerin nicht nur weitere ASF-Freiwillige kennen, die in anderen Städten der USA aktiv werden, sondern merkte einmal mehr sehr deutlich, welche Bedeutung ihr Einsatz hat, »warum man das macht«.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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