Drunter trifft auf drüber

Heidemarie und Jürgen Königs laden in Ad-hoc-Galerie ein

gmz Eichen. »Drüber und drunter« geht es zwar überhaupt nicht in der klar strukturierten Ausstellung von Heidemarie und Jürgen Königs in ihrer Ad-Hoc-Galerie im Kuhstall im Stendenbacher Weg 27 in Eichen, auch wenn sie so heißt. Heute ist sie im Rahmen des Kunstsommers zu sehen, von 15 bis 18 Uhr und morgen von 11 bis 13 und von 15 bis 18 Uhr. »Drunter und drüber« nennt sich der Blick ins »offene Ausstellungsatelier« der Künstler, da dieser Titel die formale Arbeitsweise beschreibt, mit der Jürgen Königs einige seiner Fotoarbeiten gestaltet, und zugleich auch den »Blickwinkel« charakterisiert, unter dem Heidemarie Königs ihre malerischen Bestandsaufnahmen von Alltagssituationen auswählt. Ins Auge fallen (beispielsweise) sofort die »Equilibristen«, die Jürgen Königs fast wie in Anklang an so manches Zirkus- und Artisten-begeistertes Motiv der 40er und 50er Jahre arrangiert und, vielleicht ebenfalls im Anklang an noch frühere Fotografien, koloriert hat – mit äußerst zarter, subtiler, chinesischer Farbe, die sich wie ein Hauch, eine Ahnung von Farbe über die virtuosen, gewagten Equilibristen legt (»drüber«). Die Akrobaten sind allerdings keine Menschen, sondern Kartoffeln (tatsächlich!). Jürgen Königs hat eine sehr urwüchsige Sorte Erdäpfel, die durch anthropomorphe Formen auffallen, zu einer »Kartoffelpyramide« aufgeschichtet (»drüber und runter«), deren fragiles Gleichgewicht er im stabilsten Moment fotografisch eingefangen hat. Die Physiognomie dieser Kartoffeln erinnert an menschliche Gesten und sogar Mimik, wie viele der unbelebten Objekte, die Jürgen Königs fotografisch auf ihre »menschlichen« Anmutungen untersucht. In der Serie »Rattes« hat er diese Kartoffelsorte mit einer zylinderförmigen Lochkamera in ihrem »Zwischenreich« zwischen »drunter und drüber« eingefangen und einen beeindruckenden Aufmarsch der Kartoffeln inszeniert, die ans Licht drängen. Heidemarie Königs zeigt in dieser Ausstellung Momentaufnahmen aus der Straßenbahn von Montpellier. Sie untersucht in den Alltagsszenen die malerischen Licht- und Schattenwirkungen in den Wagen, die die Farbe, die Konturen der Gesichter, der Stoffe verändern, die zu Farbüberlagerungen führen, die plötzlich den ganzen Wagen in bläuliches, fast unwirkliches Licht tauchen oder Gesichter in Helligkeit auflösen. Die nächtliche Beleuchtung der Straße schiebt sich, in einem anderen Bild, über die der Straßenbahn und sorgt so für eine Überlagerung, die die Trennung von Hell und Dunkel aufhebt, für die die Fensterscheibe »zuständig« ist. Diese Überlagerung findet durch ins Helle (ins Wageninnere) geholte Lichtzeichen statt, die aus dem Dunklen eindringen: Sie schafft eine neue Atmosphäre, einen neuen Lichtraum, der nur für Sekunden existiert. – Die Wirkung von Licht auf die Farben untersucht Heidemarie Königs ebenfalls und stellt damit, wie ihr Mann, die grundsätzliche Frage der Kunst, wie real unsere Wahrnehmung ist: Das Licht eines Feuers und das einer Straßenlaterne schafft völlig andere Farbnuancen, die andere Stimmungen ergeben. Und damit andere Wahrnehmungen evozieren, die beim Betrachter die Frage nach dem »oben und unten«, also nach einer Orientierungsmöglichkeit, aufwerfen.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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