"focus"-Wohnhaus für Suchtkranke feiert Silberjubiläum
Ein geschütztes Zuhause

Über 155 Menschen wurden bislang betreut und begleitet. Unerwähnt sollte das Silberjubiläum, das coronabedingt nicht gefeiert werden kann, daher nicht bleiben.
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  • Über 155 Menschen wurden bislang betreut und begleitet. Unerwähnt sollte das Silberjubiläum, das coronabedingt nicht gefeiert werden kann, daher nicht bleiben.
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  • hochgeladen von Sonja Schweisfurth (Redakteurin)

sz Drolshagen. „Ohne Angst leben, wieder zu sich finden und eine stabile Abstinenz aufbauen“ – das sind nur drei der Maxime, die für die Unterstützungsleistungen des „focus“-Wohnhaus Herrnscheider Weg stehen. Die Drolshagener Caritas-Einrichtung war vor 25 Jahren das erste soziotherapeutische Wohnhaus für chronisch suchtkranke Menschen in Südwestfalen und blickt daher auf eine lange Geschichte zurück. Über 155 Menschen wurden bislang betreut und begleitet. Unerwähnt sollte das Silberjubiläum, das coronabedingt nicht gefeiert werden kann, daher nicht bleiben.

26 Suchtkranke fanden ein Zuhause

Die Einrichtung des Caritasverbandes für den Kreis Olpe wurde bereits im August 1995 eröffnet. Damals noch in Wenden in der ehemaligen Pflegevorschule, dem Heinrich-Krewet-Haus beheimatet, wurde in direkter Nachbarschaft zum damaligen St.-Josefsheim ein bis dahin einmaliges Angebot für die Region geschaffen. 26 Frauen und Männer mit Alkohol- und/oder Medikamentenabhängigkeit fanden hier ein neues Zuhause und wichtige Hilfs- und Unterstützungsleistungen.

Betreuung im Alltag

Denn mit dem chronischen Krankheitsverlauf sind immer auch Folgeschäden im körperlichen, seelischen und sozialen Bereich verbunden, weiß die heutige Leitung, Dipl.-Pädagogin Margarethe Kufel. „Unser soziotherapeutisches Angebot beinhaltet damals wie heute neben der Alltagsbetreuung auch die Beschäftigungstherapie und Freizeitgestaltung. Die Betroffenen haben oftmals die Bindungen in Familie, Arbeit und Gesellschaft verloren. In der Gemeinschaft des Hauses sollen sie ihren Platz finden und ein möglichst individuelles Leben führen."

Sechs Wohngemeinschaften am Herrnscheider Weg

Im Laufe der Jahre wurde die Konzeption des Hauses neu geschrieben und angepasst. Von strengen Regeln und klinikähnlichen Strukturen ging man über zu mehr Selbstverantwortung und Eigenständigkeit der Bewohnerinnen und Bewohner. Auch das alte Gebäude hielt den Anforderungen des modernen Wohnens nicht mehr stand. Mit viel Unterstützung seitens der Stadt Drolshagen war es dem Caritasverband im Jahr 2002 möglich, das Grundstück am Herrnscheider Weg zu kaufen und ein modernes Wohnhaus mit sechs Wohngemeinschaften und insgesamt 24 Plätzen zu errichten. 2003 erfolgte dann der Umzug von Wenden nach Drolshagen – und 2008, als Teil des Netzwerkes Wohnen und Leben innerhalb des Caritasverbandes, wurde die Einrichtung umbenannt in „focus“-Wohnhaus „Herrnscheider Weg“.
Bei der Planung des Hauses stets involviert waren neben den erfahrenen Mitarbeitern auch die WGler, auf deren Bedürfnisse stets eingegangen wird.

Begleitung rund um die Uhr

Heute leben die Bewohnerinnen und Bewohner in überschaubaren Wohngemeinschaften. Neben einem individuell gestalteten Rückzugsraum für jeden einzelnen, teilt sich jede der Wohngemeinschaften Küche sowie Wohn- und Esszimmer zur gemeinschaftlichen Nutzung. Die Betreuung der hilfesuchenden Menschen wird in einem "Rund um die Uhr"-Prinzip, an sieben Tagen in der Woche, von einem multiprofessionellen Team sichergestellt und begleitet. Dazu zählen Pädagogen, Erzieher, Arbeitserzieher, Pflegefachkräfte, Hauswirtschafterinnen sowie Verwaltungskräfte.

Bewohner bestimmen Tagesgestaltung

Die Alltagsstruktur im „focus“-Wohnhaus werde in erster Linie von den einzelnen Bewohnern bestimmt und je nach Bedarf mit Unterstützung der Mitarbeiter gestaltet. Dazu gehöre die Sicherstellung fester Zeiten für Aktivitäten wie Beschäftigungstherapie und sonstige Freizeiten, aber auch Körperpflege sowie Ruhezeiten und die geregelte Einnahme der Mahlzeiten. „Als Team haben wir stets den Blick auf die Bewohnerinnen und Bewohner gerichtet, um ihnen ein Leben ohne Suchtmittel zu ermöglichen.“
Engagierte Mitarbeiter und ein kooperierendes Team waren in all diesen Jahren der Motor der Entwicklung hin zu einer Hauskonzeption, die sich sowohl an aktuellen Erkenntnissen der Suchtforschung als auch an der stetigen Verbesserung der Wohnqualität und Beschäftigungsangebote orientiere. „Wir partizipieren aktiv am Leben in Drolshagen. Mit Aktionen wie Ausstellungen, Treffen mit Schülern, Weihnachtsverkaufstage, Gartenarbeiten und vielem mehr haben wir uns als Einrichtung in unserer Nachbarschaft etabliert“, freut sich Margarethe Kufel.

Beschäftigung mit Holz und Garten

Uli Brehm, Erzieher am Arbeitsplatz und Mann der ersten Stunde, war am Aufbau und der Entwicklung der Einrichtung beteiligt: „Neben klassischen Unterstützungsleistungen in Alltagssituationen hat sich unser Wohnhaus auch auf Beschäftigungsangebote im Bereich Holz und Gartenarbeit spezialisiert, berichtet der Caritas-Mann. „Gerade unser Holzangebot erfreut sich regem Zulauf. Wir erledigen Auftragsarbeiten und ‚bedienen‘ auch das ,Lädchen’ in Olpe mit unseren selbst angefertigten Geschenkideen, welche dort zum Verkauf ausgestellt werden“. Das Beschäftigungsangebot Garten beinhaltet Grün- und Rasenpflege für externe Kunden sowie die Pflege der Werkzeuge und Maschinen.
„Es ist schön zu beobachten, wie unsere Bewohner nach den Einsätzen wieder in die Wohngruppen gehen und freudestrahlend von ihrem Tun berichten. Das erfüllt uns jeden Tag auf’s Neue und bestärkt uns in unserer Arbeit“, so Brehm.

Das Ziel: selbstständige Lebensführung

Margarethe Kufel ergänzt: „Für unserer WGler erhoffen wir eine selbstständige Lebensführung und psychische und soziale Integration. In dem Maße, wie sie für jeden einzelnen, mit seinen vorhandenen Fähigkeiten und Fertigkeiten, Sinn- und Wertbezügen und der jeweiligen Lebensgeschichte erreichbar ist. Daran arbeiten wir auch die nächsten 25 Jahre“, so die Hausleiterin.

Über 155 Menschen wurden bislang betreut und begleitet. Unerwähnt sollte das Silberjubiläum, das coronabedingt nicht gefeiert werden kann, daher nicht bleiben.
Ein Teil des Teams des „focus“-Wohnhauses Herrnscheider Weg rund um Leiterin Margarethe Kufel (3. v. r.) und „Urgestein“ Uli Brehm (4. v. l.).
Autor:

Redaktion Olpe aus Stadt Olpe

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