»Gestank macht uns krank«: Süßsäuerliches aus dem Gully

Eichener klagen / Brauerei um Problemlösung bemüht

nja Eichen. Vielen Eicheners stinkt's. Im wahrsten Sinne des Wortes. Übler Geruch aus den Kanälen vermiest ihnen wieder einmal die ansonsten so wunderschönen sommerlichen Tage, raubt ihnen Lebensqualität. Anwohner von Hammerstraße, Hagener Straße, Wendenhof und Brauhausweg hatten die SZ gestern Abend zu einer Geruchsprobe »eingeladen«. »Faul, süß-säuerlich«, meldete die Nase in der Hammerstraße sodann ans Gehirn. Über gesundheitliche Auswirkungen klagten die Eichener, über Husten, Halskratzen, Übelkeit und Brechreiz. Die Nasenschleimhäute seien bei einigen in Mitleidenschaft gezogen. »Der Gestank macht uns krank. Das muss ein Ende haben«, erklärte Iris Heußner im Namen der Anwohner.

Mit vor Ort gestern: Kreuztals Tiefbauamtsleiter Reinhard Hoffmann und Arne Siebel (CDU), Vorsitzender des Kreuztaler Werksausschusses. Siebel meinte, der Gestank belästige nicht nur die Hammerstraße samt Nachbarschaft: »Das fängt an der Kreuzung an, zieht sich über Stendenbach das Littfetal runter.«

Ursache des mal mehr, mal weniger starken Miefs aus dem Gully und anderen Kanalöffnungen ist wohl vor allem das Abwasser der Krombacher Brauerei, Bereich Abfüllung. Das Problem sei auch dort bekannt, werde, so betonte Hoffmann, nicht geleugnet; die Einleitungen seien aber auch vertragskonform.

Mit einer Unterschriftenliste hatten die »Anwohner des Regenüberlaufbeckens II in Eichen«–sich bereits im vergangenen August an die Brauer gewandt und auch eine verständnisvolle Antwort erhalten. Die Stadt, so Kreuztals Tiefbauamtsleiter weiter, sei seit langem bemüht, das Problem in den Griff zu bekommen. Mit wenig Erfolg: »Nichts und niemand konnte richtig helfen.« U.a. wurden Gelplatten in die Kanäle eingesetzt, die in Städten mit vergleichbaren Problemen offenbar eine überzeugende Wirkung zeigten. Dass sie – in Eichen offensichtlich jedoch begrenzt – tatsächlich den Übeltäter Schwefelwasserstoff absorbieren, zeigte sich, als Hoffmann gestern kurzfristig ein solches Gelkissen aus dem Schacht entfernte. »Derzeit haben wir aber auch extreme Verhältnisse«, meinte Hoffmann: Rund 20 Prozent kommunales und etwa 80 Prozent industrielles Abwasser durchlaufe den Kanal, es regne nicht und sei heiß. Der Großeinleiter mache derzeit gute Umsätze…

Schwefelwasserstoff werde schon in kleinster Konzentration von der Nase als unangenehm wahrgenommen. »Wir haben gehört, dass eine Menge von 10 Millionstel tolerabel sei«, sagte Iris Heußner. In Eichen aber seien 50 Millionstel gemessen worden. Das Gesundheitsamt wurde auch schon eingeschaltet; es bestätigte die Geruchsbelästigung und die möglichen Gesundheitsbeeinträchtigungen, warnte die Anwohner: Eine längere Einwirkung könne zu einer Abnahme der Geruchsempfindung führen. Ein weiteres Symptom, das einige bereits bei sich festgestellt haben. Eine dringende Verbesserung der Situation, so die Gesundheitsbehörde, müsse herbei.

Die Stadt Kreuztal hat die Hoffnung, dass der Gestank bald Geschichte sein könnte. Und auch Arne Siebel sprach von einem »Umdenkungsprozess«, der beim Großeinleiter eingesetzt habe. Die Brauerei teilte sodann gestern mit, gemeinsam mit der Stadt werde man »alles daransetzen, hier eine für alle Anwohner zufriedenstellende Lösung zu schaffen«. Einiges sei aktuell schon in die Wege geleitet worden: Der ph-Wert der Abwässer sei z.B. deutlich angehoben worden, spezielle Dosierungen würden hinzu gegeben, die zur Geruchsabsorption beitrügen, Gelmatten würden ausgelegt. »Es ist darüber hinaus ein Regenrückhaltebecken geplant, um so zusätzliches Wasser für zusätzliche Spülungen zu haben.« Eine Beratungsfirma sei eingeschaltet worden, »um Ursachenforschung zu betreiben. Aus den gewonnenen Erkenntnissen werden weitere Schritte zur Beseitigung der Geruchsbelästigung abgeleitet«.

Die Eichener sind frustriert und genervt und erwarten, dass der Gestank verschwindet, das Leben in den vier Wänden und auch im Garten wieder genießbar wird. »Sonst verlangen wir Entschädigung finanzieller Art«, meinte eine Anwohnerin. »Aber selbst das hilft uns ja nicht richtig weiter…«

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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