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Michael Alterauge hat „Agrardialog“ mit angeschoben
Handel und Landwirte an einem Tisch

Michael Alterauge in seinem neuen Stall. Gemolken wird vom Roboter, der Landwirt muss nur noch gelegentlich mit der Gabel nachhelfen. Der Bauer und Unternehmer ist seit Jahren ganz vorn dabei, wenn es um faire Erzeugerpreise geht.
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  • Michael Alterauge in seinem neuen Stall. Gemolken wird vom Roboter, der Landwirt muss nur noch gelegentlich mit der Gabel nachhelfen. Der Bauer und Unternehmer ist seit Jahren ganz vorn dabei, wenn es um faire Erzeugerpreise geht.
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  • hochgeladen von Klaus-Jürgen Menn (Redakteur)

win Drolshagen. Eigentlich ist das, was die deutschen Milchbauern betreiben, verbotenes Dumping. Denn so heißt in der Wirtschaft der „Verkauf von Gütern oder Dienstleistungen unter den Herstellungskosten bzw. den Selbstkosten“. Und das ist bei der Milch der Fall. Würden alle Kosten wie in der Industrie aufsummiert, die zur Herstellung eines Liters Milch anfallen, kommt man auf rund 46 Cent. Ausgezahlt werden den Landwirten derzeit lediglich 32. Kostendeckend ist die Milchproduktion nur noch, wenn beispielsweise die eigenen Lohnkosten der Landwirte und ihrer helfenden Familienangehörigen nicht einberechnet werden oder der Wert, den Land und Gebäude darstellen und der auch anders genutzt werden könnte.

win Drolshagen. Eigentlich ist das, was die deutschen Milchbauern betreiben, verbotenes Dumping. Denn so heißt in der Wirtschaft der „Verkauf von Gütern oder Dienstleistungen unter den Herstellungskosten bzw. den Selbstkosten“. Und das ist bei der Milch der Fall. Würden alle Kosten wie in der Industrie aufsummiert, die zur Herstellung eines Liters Milch anfallen, kommt man auf rund 46 Cent. Ausgezahlt werden den Landwirten derzeit lediglich 32. Kostendeckend ist die Milchproduktion nur noch, wenn beispielsweise die eigenen Lohnkosten der Landwirte und ihrer helfenden Familienangehörigen nicht einberechnet werden oder der Wert, den Land und Gebäude darstellen und der auch anders genutzt werden könnte. Es war das Jahr 2008, als bundesweit viele Milchbauern auf die Straße gingen und öffentlichkeitswirksam durch zum Teil provokante Aktionen auf ihre Misere hinwiesen. 40 Cent forderten sie damals – passiert ist nicht viel.
Seit vielen Jahren ganz vorn an der Front für sich und seine Berufsgenossen ist der Drolshagener Milchbauer und Forstunternehmer Michael Alterauge. Er ist auf Kreis- und Landesebene aktiv im Bundesverband deutscher Milchviehhalter (BDM) und seit Jahren ganz vorn dabei, wenn es darum geht, die Milchviehhaltung so umzugestalten, dass sie wieder auskömmlich wird. Keine Zuschüsse, Fördermittel oder Almosen wollen die Milchbauern im BDM, sondern, dass ihre Milch ihnen so bezahlt wird, dass es auskömmlich wird.

Ein gewaltiger Fortschritt

Nun sieht er einen gewaltigen Fortschritt. Er heißt „Agrardialog“. Eine ganze Reihe von Verbänden, die sich unabhängig vom großen, mächtigen Deutschen Bauernverband gegründet haben – oder sogar gezielt dagegen – sitzen seit einiger Zeit gemeinsam als „Milchdialog“ an einem Tisch: der BDM selbst, die Milchgruppen der überparteilichen und -verbandlichen Aktion „Land schafft Verbindung“, die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft, die Freien Bauern, das European Milk Board und die Milcherzeugergemeinschaft „Milch-Board“. Und dann kam es zu so etwas wie einem Durchbruch: Der Bundesverband des Deutschen Lebensmittelhandels (BVLH) kam dazu und stieg ein. Der „Agrardialog“ entstand. Alterauge: „Wir haben es endlich geschafft, ganz viele an einen Tisch zu bekommen.“ Der nächste Schritt sei, nun auch noch die Verarbeiter mit dazu zu bekommen.
„Die Gespräche sind gut angelaufen, es ist das erklärte Ziel aller Beteiligten, über das Produkt mehr Wertschöpfung auf den Hof zu bekommen.“ Schließlich sei ja auch dem Handel und den Verarbeitern nicht geholfen, wenn durch dauerhaft niedrige Milchpreise über kurz oder lang die Produktion von Rohmilch in Deutschland auslaufe.

Bauernverband scherte aus

Und dann kam der Rückschlag: Der Deutsche Bauernverband, der sich am „Milchdialog“ erst gar nicht, dann sehr verhalten beteiligte, stieg seinerseits in Gespräche mit dem Handelsverband Deutschland ein, dem Dachverband, in dem auch der BVLH organisiert ist, und veröffentlichte anschließend eine entsprechende Erklärung, vorbei an den längst in Arbeitsgruppen eingeteilten „Milchdialog“-Initiatoren. Für die Vertreter des „Milchdialogs“ ein Affront.
Doch wurde ihnen nun kräftig der Rücken gestärkt: Aldi Nord, Aldi Süd, Edeka, Kaufland, Lidl und Rewe sowie der BVLH habe eine Mitteilung veröffentlicht, der zufolge „ihre feste Absicht“ bekräftigt wird, den „Agrardialog in dem gemeinsam gefundenen, strukturierten Arbeitsprozess fortzusetzen“. Bereits in dieser Woche sollen die Arbeitsgruppen erneut tagen und die Verarbeiter sollen baldigst in die Gespräche einbezogen werden. „Handelsunternehmen und BVLH erneuern ihr Angebot an den Deutschen Bauernverband, sich am Agrardialog zu beteiligen“, heißt es in dem Papier, das der BVLH veröffentlicht hat.
Für Michael Alterauge steht fest, dass sich immer mehr seiner Berufskollegen beim BDM oder bei „Land schafft Verbindung“ vertreten fühlen und nicht mehr beim Bauernverband. Neuestes Beispiel sei der Plan einer „Tierwohlsteuer“. die nach Meinung der alternativen Verbände am Ziel vorbeigeht. Sinnvoller als staatliche Almosen sei es, Landwirte durch die angemessene Bezahlung ihrer Produkte in die Situation zu versetzen, dass sie den höchsten Standard an Tierwohl auf ihren Höfen umsetzen können.

Michael Alterauge in seinem neuen Stall. Gemolken wird vom Roboter, der Landwirt muss nur noch gelegentlich mit der Gabel nachhelfen. Der Bauer und Unternehmer ist seit Jahren ganz vorn dabei, wenn es um faire Erzeugerpreise geht.
Zuletzt waren die Milchbauern 2018 mit plakativen Aktionen an die Öffentlichkeit gegangen (kl. Foto) – hier auf dem Olper Marktplatz; mit dabei auch Michael Alterauge (r.).
Autor:

Jörg Winkel (Redakteur) aus Stadt Olpe

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