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SZ-Serie ,,Leben im Denkmal''
Heimathaus Drolshagen für die Zukunft gerüstet

Die Bagger sind bereits angerollt. Ein gläserner
Zwischenbau wird an das Heimathaus gesetzt, der das Denkmal mit dem Anbau verbinden soll. Auf der bereits betonierten Fläche entsteht ein Innenhof für eine multifunktionale Nutzung.
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  • Die Bagger sind bereits angerollt. Ein gläserner
    Zwischenbau wird an das Heimathaus gesetzt, der das Denkmal mit dem Anbau verbinden soll. Auf der bereits betonierten Fläche entsteht ein Innenhof für eine multifunktionale Nutzung.
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yve Drolshagen. Wann war ich zuletzt hier?, frage ich mich beim Betreten des Heimathauses. Es muss einige Jahre her sein, eigentlich erinnere ich mich auch nur an den Vortragssaal. Im Flurbereich treffe ich Dr. Stephan Schlösser, er führt mich heute für die SZ-Serie „Leben im Denkmal“ nicht nur durch das historische Gebäude. Der Vorsitzende des Heimatvereins erzählt auch von ambitionierten Erweiterungsplänen. Die große Baustelle ist nicht zu übersehen, doch dazu später mehr. Zunächst möchte ich mehr über die Geschichte des Hauses erfahren.
Erinnerung an eine Persönlichkeit
Im gemütlichen Ofenzimmer im Erdgeschoss mit Kassettendecke und Wandvertäfelung blickt der Vorsitzende in die Vergangenheit, erinnert an den verheerenden Brand im Mai 1838.

yve Drolshagen. Wann war ich zuletzt hier?, frage ich mich beim Betreten des Heimathauses. Es muss einige Jahre her sein, eigentlich erinnere ich mich auch nur an den Vortragssaal. Im Flurbereich treffe ich Dr. Stephan Schlösser, er führt mich heute für die SZ-Serie „Leben im Denkmal“ nicht nur durch das historische Gebäude. Der Vorsitzende des Heimatvereins erzählt auch von ambitionierten Erweiterungsplänen. Die große Baustelle ist nicht zu übersehen, doch dazu später mehr. Zunächst möchte ich mehr über die Geschichte des Hauses erfahren.

Erinnerung an eine Persönlichkeit

Im gemütlichen Ofenzimmer im Erdgeschoss mit Kassettendecke und Wandvertäfelung blickt der Vorsitzende in die Vergangenheit, erinnert an den verheerenden Brand im Mai 1838. Er vernichtete alles, was innerhalb der ehemaligen Stadtmauer lag. Beim Wiederaufbau sei sich nicht mehr an den mittelalterlichen Strukturen orientiert worden, an einem zusammengewürfelten Gassensystem, sondern an geometrischen Grundrastern.

Dr. Stephan Schlösser, Vorsitzender des Heimatvereins für das Drolshagener Land, im Brunnensaal.
  • Dr. Stephan Schlösser, Vorsitzender des Heimatvereins für das Drolshagener Land, im Brunnensaal.

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An der neuen Annostraße errichteten dann 1840 Matthäus und Elisabeth Bone ein Gebäude für landwirtschaftliche Nutzung samt Wirtschaft, 1949 entstand der Anbau. Das Anwesen Bone übernahmen durch Vererbung Auguste und Rudolf Alterauge, bekannt als der „Baron“. Der „Titel“ ging an Rudolf jun. weiter, der später mit seiner Familie und dem landwirtschaftlichen Betrieb aus der Stadt auf den Papenberg aussiedelte. Damit endete die 150-jährige Geschichte des Gasthofs im Elternhaus des wohl bekanntesten der Söhne Drolshagens – Prof. Heinrich Bone, Pädagoge, Schulbuchautor, Kulturpolitiker und Erneuerer des katholischen deutschen Kirchenliedes. Heute bewahrt die im Heimathaus befindliche Buchstube Heinrich Bone in ihrem Namen die Erinnerung an die Persönlichkeit.

Der größte Heimatverein im Südsauerland

Dr. Schlösser erzählt, mit welch großem ehrenamtlichen Einsatz das Fachwerkhaus nach dessen Erwerb durch den Heimatverein ab 1993 umgebaut worden sei. Maßgeblich vorangetrieben von Prof. Dr. Hubertus Halbfas, dem Gründer und ehemaligen Vorsitzenden des Heimatvereins für das Drolshagener Land. „Wir sind der größte Heimatverein im Südsauerland“, so der heutige Vorsitzende. Der Verein vermiete seine Räumlichkeiten, „nicht um Geld damit zu verdienen, sondern um das denkmalgeschützte Haus zu erhalten“. Die Krise hat aber Ruhe in einen sonst lebendigen Ort einkehren lassen. Eigentlich wird hier diskutiert, konferiert, gesungen und gefeiert, Plattdeutsche Runden, Vorträge und politische Zusammenkünfte abgehalten oder Ausstellungen präsentiert.

Die Gewölbekeller im Heimathaus eignet sich für ungestörte Zusammenkünfte im kleinen Kreis.
  • Die Gewölbekeller im Heimathaus eignet sich für ungestörte Zusammenkünfte im kleinen Kreis.
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Buchstube wurde vor der Pandemie gut besucht

Ich verlasse mit Dr. Schlösser das gemütliche Ofenzimmer, um zu sehen, was sich alles auf den vier Etagen verbirgt. Im Erdgeschoss befindet sich die Gastwirtschaft, ihre zeitlose Gestaltung erinnert bewusst an ihr Gewand aus den 1950er-Jahren. Kunstwerke mit Bezug zum Drolshagener Land säumen die Wände. Auch in anderen Räumen laden Bilder zum Besichtigen ein. Die Buchstube ist verschlossen, Dr. Schlösser weiß aber, dass sie gut besucht wird – zumindest vor Ausbruch der Pandemie. Im Obergeschoss lebt der Hausmeister, ein Möbelschreiner, der nach dem Rechten schaut. Weitere Türen führen in eine Bibliothek und in ein Archiv mit Fotos, Büchern und Dokumenten.

Neues Hochzeitszimmer im Heimathaus

Dann stehe ich in einem Raum mit antiken Möbeln, auf dem Tisch steht ein Blumenbouquet und ein weißer Teller aus Ton. „Der ist für die Ringe“, sagt Dr. Stephan Schlösser. Mit der Stadt Drolshagen sei vereinbart worden, dass sich nun auch im Heimathaus Heiratswillige das Jawort geben können. Vom neuen Hochzeitszimmer geht es in den noch nicht ausgebauten Teil des Dachgeschosses, die jahrhundertealten Balken liegen frei, das Fachwerk wird hier oben von einer grünen Heuluke durchbrochen. Gegenüberliegend befindet sich seit fast 20 Jahren ein Vortragssaal.

Im untersten Geschoss zeigt mir Dr. Schlösser die Gewölbekeller, sichtbar ist das Feldsteinmauerwerk, mittig angeordnet rustikale Tische und Stühle – ein nahezu perfektes Ambiente für eine Weinprobe oder gemütliches Beisammensein im kleinen Kreis. Im angrenzenden Brunnensaal ist das Herzstück ein historischer und restaurierter Brunnen.

Die Gaststube erinnert bewusst an die Einrichtung der Wirtschaft in den 1950er-Jahren.
  • Die Gaststube erinnert bewusst an die Einrichtung der Wirtschaft in den 1950er-Jahren.
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Das Denkmal wird nicht beeinträchtigt

Wir verlassen das denkmalgeschützte Heimathaus, Dr. Schlösser hält Bauzeichnungen in den Händen. „Der Heimatverein möchte das Haus zukunftstauglich machen“, sagt Schlösser. Alle Räume werden bald barrierefrei erreichbar und nutzbar sein. Eine nach hinten versetzte Glaskonstruktion soll das Heimathaus und den Neubau dabei zur Einheit werden lassen. „Das Denkmal wird also nicht beeinträchtigt.“ Der Verein schafft mit Fördergeldern des Landes NRW in Höhe von etwa 890.000 Euro Platz für die Erweiterung der Buchstube, behindertengerechte Sanitäreinrichtungen, zusätzliche Lagerräume und für mehr kulturelle Nutzung und Bildungsarbeit – ob Musikunterricht oder Chorproben.

Jetzt ist es auch im Heimathaus möglich, sich das Jawort im neuen Hochzeitszimmer zu geben.
  • Jetzt ist es auch im Heimathaus möglich, sich das Jawort im neuen Hochzeitszimmer zu geben.
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Das Denkmal wird
nicht beeinträchtigt.
Dr. Stephan Schlösser
Vorsitzender Heimatverein

Der Vorsitzende zeigt auf eine bereits betonierte Fläche. „Das wird ein Innenhof.“ Das Freiluftgelände ist multifunktional nutzbar, ob als Parkraum, Biergarten oder als Örtlichkeit für Konzerte oder Theater unter freiem Himmel. Das Heimathaus werde nun zu einem Haus für alle Bürger, freut sich Dr. Schlösser.
Im Hinblick auf die Pandemie wünscht er sich, dass mit Fertigstellung des Anbaus endlich wieder Leben im Denkmal einkehren kann. Schon viel zu lange habe die Krise das Miteinander im sonst so beliebten Treffpunkt durchkreuzt.

Autor:

Yvonne Clemens (Redakteurin) aus Stadt Olpe

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