Kampf um die Johannes-Kapelle

Gläubige befürchten Schließung / »Das ist eine Kirche der Buchhalter«

mari Drolshagen. Gegenwärtige und zukünftige Belange des Bezirkes Drolshagen der Evangelischen Kirchengemeinde Olpe waren am Sonntag Themen einer Gemeindeversammlung, die im Anschluss an den Gottesdienst in der Johannes-Kapelle stattfand. Wie brisant und auch wichtig diese Thematik ist, zeigte die Resonanz: Die Kapelle war voll besetzt. Die Drolshagener fürchten, dass ihnen das gleiche Schicksal wie Rothemühle bevorsteht. Die dortige Kapelle wird nach bisheriger Beschlusslage zum 31. Dezember 2007 geschlossen, so dass die Gläubigen nach Wenden oder Olpe fahren müssen, um Gottesdienste zu besuchen.

In Drolshagen brodelt die Gerüchteküche schon länger, dass das sanierungsbedürftige Gotteshaus aufgrund fehlender Finanzen ebenfalls dicht gemacht wird. »Es ist dazu noch kein Beschluss gefasst und wir möchten alles erhalten, was eben geht«, stellte Doris Thieme seitens des Presbyteriums klar. »Doch wenn das Geld fehlt, um Dinge zu erhalten, müssen wir neue Wege gehen.«

Die Olper Kirchmeisterin berichtete von der maroden Finanzlage der Evangelischen Kirche in Westfalen. Noch im Jahr 1992 habe es erfreuliche Zahlen gegeben, doch dann sei es nach und nach zum Zusammenbruch gekommen. Die Mitgliederzahl gehe systematisch nach unten, im Jahr 2025 würde es in Deutschland nur noch 1,7 Millionen evangelische Christen geben. Demzufolge müsse auch der Pfarrerbestand um die Hälfte reduziert, im Gegenzug aber Pensionsversorgungen für die vielen Pfarrer geschaffen werden, die in den 70-er und 80-er Jahren eingestellt worden seien.

Hinzu komme, dass es immer weniger Erwerbstätige gebe. Das führe zu einer deutlichen Reduzierung der Kirchensteuereinnahmen. Und damit werde die einzige Einnahmequelle für den Haushalt deutlich gemindert, die Ausgabenseite stiege dagegen ständig an. Bislang seien die Haushalte durch Rücklagen ausgeglichen worden. Aber genau das sei das Problem: »Ab 2009 ist das nicht mehr zulässig. Wenn der Haushalt nicht durch Kirchensteuereinnahmen gesichert ist, greift das Haushaltssicherungssystem«, so Doris Thieme. Das bedeute, dass dann der Kreissynodenvorstand die Handlungsfähigkeit übernehme.

Bereits in diesem Jahr steckte das Presbyterium der Evangelischen Kirchengemeinde Olpe 22000e der Rücklagen in den Haushalt. »Wie können wir aus dieser Summe rauskommen und weiter als Gemeinde leben? Diese Frage gilt es zu klären«, brachte es der für Drolshagen zuständige Pfarrer Wolfgang Weiß auf den Punkt. Zumal an der Johannes-Kapelle umfangreiche Renovierungsmaßnahmen (Dach, Fußboden im Eingangsbereich, Sanierung des Anbaus) erforderlich sind, deren Kostenvoranschläge sich auf 60000 bis 70000e belaufen.

Es entfachte sich eine rege Diskussion. Neben Kirchmeisterin Doris Thieme standen alle drei Geistlichen der Evangelischen Kirchengemeinde Olpe, Drolshagens Pfarrer Wolfgang Weiß, Wendens Pfarrer und Presbyteriumsvorsitzender Martin Eckey, und Olpes Pfarrer Bernd Woydack, Rede und Antwort. Ob denn auch drei Angebote bezüglich der Renovierungsmaßnahmen eingeholt worden seien, wollte ein Gemeindemitglied wissen. Ob denn nicht eine zweit- oder drittklassige Lösung ausreichen würde, wenn nicht feststehe, ob und wie lange in der Kapelle überhaupt noch Gottesdienste gefeiert würden, regte ein anderes Mitglied an.

Das Misstrauen der Gläubigen gegenüber dem Presbyterium war spürbar. »Es läuft doch alles darauf hinaus, dass die Kirche geschlossen wird. Es gelten ausschließlich finanzielle Aspekte, das ist eine Kirche der Buchhalter«, warf Professor Dr. Hubertus Halbfas ein, dem – trotz seiner katholischen Religionszugehörigkeit – sehr am Erhalt der Johannes-Kapelle gelegen ist. Am Beispiel Heimathaus, das aus einem maroden Gasthaus ohne irgendwelchen Etat entstanden ist, machte er deutlich, dass ein Team von Menschen hinter einer solchen Sache stehen muss. »Nur mit Buchhaltungszahlen ist die Gemeinde am Ende«, warf er auf.

Dass ein Team von Menschen auch hinter der Johannes-Kapelle steht, wurde am Ende der Versammlung deutlich. Es formierte sich ein Arbeitskreis, der Ideen entwickeln will, den Bezirk Drolshagen, dessen Einzugsgebiet bis Rhode, Neger, Bleche und Kalberschnacke geht, in seiner jetzigen Form für die etwa 2000 Gemeindeglieder zu erhalten. »Ich bin freudig überrascht über diese Motivation und Bereitschaft, mit anzupacken«, hob Pfarrer Weiß hervor, der die Gemeinde vor drei Jahren übernahm. Insgesamt zählt die Evangelische Kirchengemeinde Olpe 8300 Gemeindeglieder und ist damit die zweitgrößte Gemeinde im Kirchenkreis Siegen. Sie wird von drei Pfarrern betreut und erhält in Kürze noch eine Hilfskraft.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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