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Der einzige Instrumentenmachermeister im Kreis
Meister Block lebt für die Musik

Die Musik ist sein Leben: Instrumentenmachermeister Holger Block.
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yve Öhringhausen. Mit seinem Beruf ist Holger Block im Kreis Olpe alleine auf weiter Flur. Er übt ein seltenes Handwerk aus, hat es von der Pike auf gelernt. Ausrichtsbolzen, Ausbeilhammer und -roller liegen sicher in seiner Hand, scheinen auf Hochglanz poliert. Der 43-Jährige braucht immer eine ruhige Hand, viel Konzentrationsvermögen für seine Arbeit oft auf den Zehntelmillimeter genau.

„Hereinspaziert“, begrüßt er die Siegener Zeitung, die mehr über die Tätigkeit eines Metallblasinstrumentenmachermeisters in Erfahrung bringen möchte. Im Eingangsbereich der Werkstatt fällt der Blick sofort auf eine lebensgroße Figur, umhüllt von einer Nachbildung der Uniform des „Ersten Garde-Regiments zu Fuß“, der Infanterie-Einheit der preußischen Armee.

yve Öhringhausen. Mit seinem Beruf ist Holger Block im Kreis Olpe alleine auf weiter Flur. Er übt ein seltenes Handwerk aus, hat es von der Pike auf gelernt. Ausrichtsbolzen, Ausbeilhammer und -roller liegen sicher in seiner Hand, scheinen auf Hochglanz poliert. Der 43-Jährige braucht immer eine ruhige Hand, viel Konzentrationsvermögen für seine Arbeit oft auf den Zehntelmillimeter genau.

„Hereinspaziert“, begrüßt er die Siegener Zeitung, die mehr über die Tätigkeit eines Metallblasinstrumentenmachermeisters in Erfahrung bringen möchte. Im Eingangsbereich der Werkstatt fällt der Blick sofort auf eine lebensgroße Figur, umhüllt von einer Nachbildung der Uniform des „Ersten Garde-Regiments zu Fuß“, der Infanterie-Einheit der preußischen Armee. Die Figur mit Pickelhaube dient als Garderobe des bunten Rocks im Grundton blau mit rotem Besatz. Gelegentlich schlüpft Holger Block in die Tracht. Er ist Mitglied im Traditionskorps „Erstes Garde-Regiment zu Fuß“, das sich der Musik aus der Kaiserzeit widmet – „und das in Bild und Ton“.

Ausbildung in Mainz

Der Vollblutmusiker verfügt über ein geschultes Ohr für den richtigen Klang. Eine Grundvoraussetzung für seine damalige Berufswahl. Nach der Schulzeit auf dem Städtischen Gymnasium in Olpe absolviert er einen zehnmonatigen Grundwehrdienst beim renommierten Luftwaffenmusikkorps Münster, beginnt 1998 seine Ausbildung zum Metallblasinstrumentenmacher bei der Firma Gebr. Alexander in Mainz. „Ich hatte das Glück, übernommen zu werden.“ In seiner Gesellenzeit liegt sein Schwerpunkt auf Reparaturarbeiten vom Schüler- bis zum Profibereich. Auf seine Zeit in Mainz blickt er gerne zurück.

„Sieben Jahre lang bin ich gependelt, dann habe ich meinen Lebensmittelpunkt komplett nach Mainz verlegt.“ 2012 hält er seinen Meisterbrief in der Hand, und nach vier weiteren Jahren bei Gebr. Alexander betritt er wohl die bedeutsamste Stufe auf der Karriereleiter. Aus Holger Block wird Meister Block, sein eigenes Unternehmen mit Sitz in Öhringhausen.

Der Sprung in die Selbstständigkeit

Laufen Ventile lahm, kratzen oder klemmen, rasseln oder schnarren plötzlich die Instrumente oder ist beim Hersteller partout kein Ersatzteil mehr zu finden, wird die Reise in das beschauliche Drolshagener Dorf angetreten. Manche lassen sich elegante Stützen, feinste Verzierungen und persönliche Gravuren anfertigen, wieder andere veredelte Oberflächen. Nicht selten werden wertvolle Objekte beim Transport oder aus Unachtsamkeit beschädigt, Meister Block kann mit materialschonendem Entfernen von Dellen und Beulen helfen, des Weiteren repariert und wartet er Holzblasinstrumente.

„Was hatte ich schon zu verlieren?“, spricht Block über den Sprung in die Selbstständigkeit. Es gab und gibt keinen einzigen Mitbewerber in einem Umkreis von einer Autostunde. Der Fachmann kehrt seinerzeit in die Heimat zurück, findet für seinen Betrieb eine Immobilie, die ihm vertraut ist. Es sind die ehemaligen Räumlichkeiten der Firma Kadagies, die sich auf das Herstellen von Kunststoffbeschichtungen und Sandstrahlen spezialisiert hatte. Heute gehört der Gebäudekomplex dem Unternehmen Sondro. „Bei Kadagies habe ich früher Ferienarbeit gemacht, jetzt bin ich wieder hier.“

Kunden aus dem Ausland

Und ist erfolgreich durchgestartet. „Ich hatte noch keine Werkzeuge, aber bereits die ersten Instrumente zur Reparatur und Wartung in der Werkstatt.“ Seine Kunden kommen sogar aus dem Ausland, aus Dänemark oder Luxemburg. „Es konnte nicht besser laufen“, wobei Meister Block die Betonung auf „konnte“ legt. Das Gros seiner Auftraggeber entstamme der Vielzahl der heimischen Musikvereine, deren Herzstück eben Trompete, Tuba, Posaune und Co. sei.

Gelegenheit, auf die noch intakte Spielfreudigkeit des Instrumentes zu achten, hätten die Blechbläser in den vergangenen Monaten wenig gehabt. Um die Pandemie zu überstehen, lägen auf den Vereinskassen zudem die Deckel. „Ich kann mich aber über Wasser halten“, zeigt sich Block weiterhin optimistisch. Das liege zum einen an regelmäßigen genehmigten Aufträgen verschiedener Musikkorps der Bundeswehr, zum anderen an Privatpersonen, „die meine Dienste in Anspruch nehmen“.

Spezielle Einzelstücke

Auch Meister Block möchte die geschwungenen Gold- und Silberbleche wieder an den Mund, nicht nur in den Händen halten. Er spielt mit Leidenschaft im Musikverein Frenkhausen und kann auf einen beachtlichen Werdegang verweisen. Schon als Kind nimmt er Hornunterricht, zunächst bei Gerhard Reuber (Gürzenich Köln), später bei Elisabeth Möbs (Staatstheater Mainz). Reiht sich unter anderem in die Riege der Sinfonietta Mainz, des Wiesbadener Hornensembles, der Berliner Symphoniker, der Mannheimer Bläserphilharmonie oder des „Orchestre national de jazz Luxembourg“ ein.

Das Steckenpferd von Block ist das Horn in all seinen Varianten, aber auch den E-Bass hängt er sich mit Freude über die Schulter. Sein Meisterstück – zur Perfektion geformt aus einem großem Stück Blech – ist ein Doppelhorn. „Das sind zwei Instrumente in einem, ein F- sowie ein B-Horn“, erklärt er. Hörner sind es auch, die er für Berühmtheiten wie Hermann Baumann oder Prof. Wolfgang Gaag in seiner Gesellenzeit in Mainz aufarbeiten durfte. „Das war schon etwas Besonderes“, denkt Block an die 15 Jahre in der Hauptstadt von Rheinland-Pfalz zurück und hätte dabei fast vergessen, der SZ die Tür zum Büro der Werkstatt zu öffnen, wo er etwas hütet, was nicht nur ebenfalls besonders, sondern einzigartig ist.

„Das ist der schönste Schellenbaum der Neuzeit.“ Jedes Fragment des mannshohen Gebildes mit einer Legierung aus Silber, echtem Büffelhaar und Adler mit einer imposanten Spannweite von 55 Zentimetern sei eine Sonderanfertigung. „Diesen Baum wollte uns Hello Graf von Rittberg spenden, wenn wir als Traditionskorps ,Erstes Garde-Regiment zu Fuß’ auf seinem 80. Geburtstag ein Ständchen spielen.“ Kurz vor seinem Ehrentag verstirbt der Graf, „seine inzwischen ebenfalls verstorbene Witwe hat das Versprechen trotzdem eingelöst“, freut sich Block über das Prachtexemplar, das mindestens so außergewöhnlich wie der Beruf des Instrumentenmachermeisters ist.

Die Musik ist sein Leben: Instrumentenmachermeister Holger Block.
Der Meisterbrief als Alleinstellungsmerkmal: Es gibt keinen zweiten Instrumentenmachermeister im Kreis Olpe.
Autor:

Yvonne Clemens (Redakteurin) aus Stadt Olpe

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