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Dorfverein betreibt beliebten Treffpunkt
Neues Leben im Bahnhof Hützemert

Heute erinnert eine restaurierte Dampflok und ein Güterwaggon an den früheren Bahnhof in Hützemert, der heute Dorfhaus und bewirtschaftete Jausenstation ist.
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  • Heute erinnert eine restaurierte Dampflok und ein Güterwaggon an den früheren Bahnhof in Hützemert, der heute Dorfhaus und bewirtschaftete Jausenstation ist.
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yve Hützemert. Eine auffallende Dampflok in Grün-Rot-Schwarz steht vor einem Güterwaggon auf Gleisen, daneben ein imposantes, schiefergetäfeltes und -bedachtes Gebäude. Das Schienenbett als auch die Bahnsteiglampe sind Überbleibsel längst vergangener Tage, eine Erinnerung an das bunte Treiben, das diese Örtlichkeit einst ausmachte – rund um den Hützemerter Bahnhof. 1903 von der königlich-preußischen Eisenbahnverwaltung eröffnet. Das sorgte für Aufschwung. Die Einwohnerzahl im Drolshagener Dorf wuchs von 92 im Jahr 1900 auf 366 im Jahr 1937 und auf über 1100 in der 1990er-Jahren. Nicht zuletzt aufgrund von Firmen, die sich wegen des wachsenden Güterverkehrs ansiedelten.

Bewohner setzen sich für Erhalt des Bahnhofs ein
Ab 1965 wurde es ruhiger am Bahnhof, Personal gab es nicht mehr.

yve Hützemert. Eine auffallende Dampflok in Grün-Rot-Schwarz steht vor einem Güterwaggon auf Gleisen, daneben ein imposantes, schiefergetäfeltes und -bedachtes Gebäude. Das Schienenbett als auch die Bahnsteiglampe sind Überbleibsel längst vergangener Tage, eine Erinnerung an das bunte Treiben, das diese Örtlichkeit einst ausmachte – rund um den Hützemerter Bahnhof. 1903 von der königlich-preußischen Eisenbahnverwaltung eröffnet. Das sorgte für Aufschwung. Die Einwohnerzahl im Drolshagener Dorf wuchs von 92 im Jahr 1900 auf 366 im Jahr 1937 und auf über 1100 in der 1990er-Jahren. Nicht zuletzt aufgrund von Firmen, die sich wegen des wachsenden Güterverkehrs ansiedelten.

Bis 1979 stoppte der Schienenbus am Bahnhof im Hützemert. Das Foto entstand kurz vor der Stilllegung des Personenverkehrs.
  • Bis 1979 stoppte der Schienenbus am Bahnhof im Hützemert. Das Foto entstand kurz vor der Stilllegung des Personenverkehrs.
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Bewohner setzen sich für Erhalt des Bahnhofs ein

Ab 1965 wurde es ruhiger am Bahnhof, Personal gab es nicht mehr. Der ehemals betriebsame Ort blieb bis zur Stilllegung 1979 unbesetzter Haltepunkt, Fahrkarten gab es im Zug beim Schaffner. Verwaist blieb das Haus nicht, sondern von Bahnhofsmitarbeitern noch einige Zeit bewohnt. Als schließlich der Abriss des geschichtsträchtigen Objekts drohte, setzten sich einige engagierte Bewohner für dessen Erhalt ein, gründeten 2008 einen Arbeitskreis, ein Jahr später den Dorfverein Hützemert. Seither steht der Bahnhof auch in der Denkmalliste der Stadt Drolshagen. Ein wichtiger Schritt für den Bestandsschutz des einstigen Bahnhofs.

Denkmal ist Jause, Standesamt-„Filiale“ und Vermietungsobjekt

Die Idee, dem ehrwürdigen Gebäude seine Funktion als Dorftreffpunkt zurückzugeben, konkretisierte sich 2012 mit der Fertigstellung des nahegelegenen Wegeringhauser Tunnels, mit 724 Metern der längste Fahrradtunnel in NRW als Bestandteil des „Bergischen Panoramaradweges“. Mittlerweile ist der Bahnhof beliebtes Vermietungsobjekt und auch wieder Haltepunkt, nicht für Zugreisende, aber für Radfahrer und Wanderer. Anja Wigger, Ortsvorsteherin und Beisitzerin des Dorfvereins, sagt, dass sie den Andrang insbesondere von E-Bikern nach dem Umbau der Immobilie ab 2013 zum Haus für die Gemeinschaft mit Jause nicht erwartet habe.

Die Plakat-Galerie zeugt vom kulturellen Leben im „Treffpunkt Alter Bahnhof“.
  • Die Plakat-Galerie zeugt vom kulturellen Leben im „Treffpunkt Alter Bahnhof“.
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,,Treffpunkt alter Bahnhof''

Der Dorfverein schaffte es seinerzeit, aus dem alten Bahnhof in nur 13 Monaten ein echtes Schmuckstück zu machen, den „Treffpunkt Alter Bahnhof“. Die Verantwortlichen haben mit viel Eigenleistung, Entschlossenheit und Fördermitteln eine kleine Erfolgsgeschichte in Hützemert geschrieben, haben wieder Leben in das Denkmal einkehren lassen. Allein in den vergangenen drei Jahren mehr als 30.000 Euro investiert, um für die Zukunft gerüstet zu sein. Seit der Eröffnung wird die Raststation mit Biergarten von Christian Scholemann vom benachbarten „Haus Wigger“ an Sonntagen im Winter und zusätzlich an Samstagen im Sommer betrieben. Weitere Räume stehen für private oder geschäftliche Zwecke zur Verfügung – ob für Geburtstage, Chorproben, Familientreffen, Tagungen oder „sanfte Sportarten“ wie Yoga. „Vor der Pandemie hatten wir im Durchschnitt 180 bis 200 Veranstaltungen im Jahr“, so Sascha Koch, einer von drei Geschäftsführern des Dorfvereins.

Vor der Pandemie hatten wir im Durchschnitt 180 bis 200 Veranstaltungen
im Jahr.
Sascha Koch
Geschäftsführer Dorfverein

Anja Wigger, Ortsvorsteherin von Hützemert und Beisitzerin im Dorfverein, mit Sascha Koche, einer von drei Geschäftsführern des Dorfvereins, in der Bahnhofsjause, die sich zur beliebten Anlaufstelle für Radfahrer und Wanderer entwickelt hat.
  • Anja Wigger, Ortsvorsteherin von Hützemert und Beisitzerin im Dorfverein, mit Sascha Koche, einer von drei Geschäftsführern des Dorfvereins, in der Bahnhofsjause, die sich zur beliebten Anlaufstelle für Radfahrer und Wanderer entwickelt hat.
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Country-Star Tom Astor im Bahnhof 

Das Leben im Denkmal wird zudem von Kleinkunst geprägt. Künstler schätzen die gemütliche und familiäre Atmosphäre. Eine Wand im Flur zum großen Saal wird von zahlreichen gerahmten Plakaten mit Programmhöhepunkten gesäumt. Country-Star Tom Astor griff hier schon in die Akkorde, im Mai kommt „Cara“ zum zweiten Mal, eine Irish-Folk-Band, die deutschlandweit zu den erfolgreichsten ihres Genres gehört. Erwartet wird unter anderem der in der Region bekannte Fotograf Klaus-Peter Kappest mit einer Multivisionsshow.

Outdoor-Bücherei wird zügig umgesetzt

Seit Frühjahr 2021 dürfen sich sogar Heiratswillige im Bahnhof in Hützemert das Jawort geben. Im früheren Wartesaal für Reisende mit einem Ticket der zweiten Klasse. Vertäfelte Wände, der aufgearbeitete Dielenboden und historische Bilder erinnern an jene Zeit. Die Außenanlage mit Lok und Waggon werde sehr gerne als Kulisse für Fotoshootings genutzt, erzählt Anja Wigger. Gleich daneben wartet der neue Spielplatz auf seine Einweihung. Beim Besuch der SZ steht Waltraud Heinrichs am Bücherschrank. Sie füllt Lesestoff nach. Ihre Idee, am Bahnhof eine kleine Outdoor-Bücherei zu errichten, setzte der Dorfverein zügig um. Der Schrank erinnert an Wellblechhütten frühere Bahnhöfe. Relativ neu sind auch die Ladestation für E-Bikes, Insektenhotels und die während der Pandemie angelegte Blumenwiese.

Anja Wigger und Sascha Koch blicken zum schmucken Wappenbaum. Seit der Aufstellung hätte nur einmal darunter gefeiert werden können. Falls die Krise es zulässt, möchte der Dorfverein endlich wieder ein Fest ausrichten und am 1. Mai wieder lebendiger Treffpunkt für Einheimische wie Ausflügler aus Nachbarregionen sein. „Wir sind vorbereitet“, sagt Koch, der als Geschäftsführer auf ein starkes Vorstandsteam und gleich auf über 150 Vereinsmitglieder setzen kann.

Autor:

Yvonne Clemens (Redakteurin) aus Stadt Olpe

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