Psalmen aus dem Leben

Werner Hucks und Martin Buchholz luden zu Psalmmeditationen ein.  Foto: gmz

gmz Eichen. „Das Flüstern des Windes“ zu hören, das wünschte Ulrich Hadem, Sprecher der Arbeitsgemeinschaft ev. Chöre, den Zuhörern, die am Freitagabend in der ev. Kirche Eichen saßen, um die Psalmmeditationen von Werner Hucks und Martin Buchholz zu hören. Passend zum „Jahr der Stille“ haben der Gitarrist und der Sprecher, Journalist und Buchautor ein Programm zusammengestellt, das im Rahmen von „Kreuztal-Sommer“ erstmalig vorgestellt wurde.

Martin Buchholz hat die Psalmtexte ausgesucht, die ja teilweise zu den ältesten literarischen Texten überhaupt gehören und durch ihre Aktualität und sprachliche Ausgefeiltheit bestechen. Die dramaturgisch geschickte Auswahl, die den Psalmen in verschiedenen Übersetzungen auch eigene Texte von Buchholz und Psalmbearbeitungen und Neuübertragungen von Hanns Dieter Hüsch oder Johannes Hansen zur Seite stellte, spannte einen Bogen von Psalm 139 mit seiner Frage nach der Positionierung des Menschen in Gottes Welt über den Psalm der Zuversicht, Psalm 23, zu den Gittit-Psalmen 8, 81 und 84, also den Psalmen, die von dem Gitarren-Urahn Gittit, einer hebräischen Drehleier, begleitet werden sollen. Das war natürlich die Stunde von Werner Hucks, der hier mit Eigenkompositionen die Texte wirkungsvoll interpretierte, zuversichtlich, energisch und drängend, nachdenklich oder suchend.

Überhaupt verstand Werner Hucks es hervorragend, die Musik als interpretatorische Ergänzung einzusetzen, als leise Untermalung zur artikulatorisch angenehm wohlausgebildeten, sehr auf sonore Wirkung bedachten Stimme von Martin Buchholz, der es verstand, die Texte als erlebte, „relevante“ Erfahrungen der Psalmisten ungemein lebendig werden zu lassen. Werner Hucks’ Musik überzeugte auch als am „Original“ orientiertes Zwischenspiel (die Psalmen sind ja schließlich Lieder) oder als flotte Rap-Version (bei der voll angekrassten Volxbibel-Version von Psalm 23, die so äußerst gelungen war).

Von der Zuversicht führte die Auswahl zu Klage- und Bittpsalmen, in denen die Verzweiflung ob der eigenen ausweglosen Lage (die manchmal, wie Hanns Dieter Hüsch moniert, auch durch den drohenden „Untergang des Mittagsschläfchens“ schon zur Katastrophe zu werden scheint) in Appelle an Gott münden, Hilfe zu senden. Die anschließenden Psalmen des Gotteslobes und der realistischen Darlegung der Schwierigkeiten, die aber in der Hinwendung zu Gott ihre unüberwindbare Größe verlieren, mündeten in das gemeinsam gesungene „Befiehl Du Deine Wege“ von Paul Gerhardt, das ja sicher auch als eine Art Psalm verstanden werden könnte.

Ohne Zugabe ließen die Zuhörer die beiden Interpreten nicht gehen, die sich mit einem Gedicht von Mascha Kaleko mit passender Musik verabschiedeten. Die Psalmen mit ihrer ergreifenden, manchmal bitteren Klage oder ihrem überschäumenden Lob sind zwar keineswegs immer Texte der Stille, aber ihre Lektüre kann zur Ruhe führen. Das verdeutlichte der Abend auf gelungene Weise.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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