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Der Wald im Wandel (SZ-Serie)
Waldkindergarten: Spielplatz und Lernort zugleich

Ein Waldkindergarten gilt als ein idealer Wegbereiter zur Förderung kindlicher Fähigkeiten: ein nachhaltiger Raum, ganz ohne Wände und Türen. Der Einzige dieser Art im Kreis Olpe befindet sich seit 2017 im Drolshagener Dorf Schreibershof unweit der Listertalsperre.
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  • Ein Waldkindergarten gilt als ein idealer Wegbereiter zur Förderung kindlicher Fähigkeiten: ein nachhaltiger Raum, ganz ohne Wände und Türen. Der Einzige dieser Art im Kreis Olpe befindet sich seit 2017 im Drolshagener Dorf Schreibershof unweit der Listertalsperre.
  • Foto: Yvonne Clemens
  • hochgeladen von Sonja Schweisfurth (Redakteurin)

yve Schreibershof. Die geheimnisvolle Welt der Natur erleben von Klein auf, im engen Kontakt mit ihr sein, von ihr lernen und lernen, sie zu schützen. Lange Spaziergänge durch den Wald, klettern über Wurzeln und Baumstämme, spielen im Matsch und im herbstlichen Laub, die Jahreszeiten dabei ungefiltert entdecken. Ein Waldkindergarten gilt als ein idealer Wegbereiter zur Förderung kindlicher Fähigkeiten, als ein nachhaltiger Raum, ganz ohne Wände und Türen. Der Einzige dieser Art im Kreis Olpe befindet sich seit 2017 im Drolshagener Dorf Schreibershof unweit der Listertalsperre.
Borkenkäfer hinterlässt SpurenDer Aufenthalt inmitten dichter Fichtenwälder, die frische Luft – das Kind im Einklang mit der unberührten Natur im sauerländischen Wald: Dieses Bild hat sich gewandelt.

yve Schreibershof. Die geheimnisvolle Welt der Natur erleben von Klein auf, im engen Kontakt mit ihr sein, von ihr lernen und lernen, sie zu schützen. Lange Spaziergänge durch den Wald, klettern über Wurzeln und Baumstämme, spielen im Matsch und im herbstlichen Laub, die Jahreszeiten dabei ungefiltert entdecken. Ein Waldkindergarten gilt als ein idealer Wegbereiter zur Förderung kindlicher Fähigkeiten, als ein nachhaltiger Raum, ganz ohne Wände und Türen. Der Einzige dieser Art im Kreis Olpe befindet sich seit 2017 im Drolshagener Dorf Schreibershof unweit der Listertalsperre.

Borkenkäfer hinterlässt Spuren

Der Aufenthalt inmitten dichter Fichtenwälder, die frische Luft – das Kind im Einklang mit der unberührten Natur im sauerländischen Wald: Dieses Bild hat sich gewandelt. Schwere Maschinen wüten im Forst, das Geräusch der Motorsäge ist ein fast täglicher Begleiter. Mahnend braun-rötliches Baumgerippe säumt viele Wege rund um Schreibershof. Der Borkenkäfer hat seine Spuren hinterlassen, die gefällten Fichten stapeln sich teils meterhoch.

Waldarbeiter mit Motorsäge

„Schau mal, Frau Schmelzer, da unten wird wieder gefällt.“ Henning schaut den Hang hinab und zeigt auf Waldarbeiter, die zum gewohnten Anblick geworden sind. Insbesondere die Jungen finden es höchst spannend, zu beobachten, wie der Vollernter die knochentrockenen Bäume fixiert, sie fällt und entastet. Die Gründe für die Vorgänge in „ihrem“ Wald sind den Kindern aber durchaus bewusst. „Das ist bei uns regelmäßig ein Thema“, berichtet Dana Lütticke. Sie ist stellv. Leiterin des Schreibershofer Kindergartens „Unter dem Regenbogen“, der sich mitten im Ort befindet. Diesem zugehörig ist der Waldkindergarten am Rande des Dorfes auf dem Gelände des Schützenplatzes. Im routierenden System besuchen alle Kinder der Einrichtung für acht Wochen am Stück die Kita unter freiem Himmel.

Kinder kennen den Wald gut

Durch das direkte Erleben der Umwelt, mit Beobachten und Experimentieren beantworten sich hier viele Fragen von selbst. Welche Nahrung welche tierischen Waldbewohner brauchen oder welche Insekten sich im Boden, unter Wurzeln oder unter Rinden verstecken. „Die Kinder wissen ganz genau, wie der Borkenkäfer aussieht“, sagt Erzieherin Stefanie Schmelzer, die beim Besuch der SZ mit Dana Lütticke die Wald-Kita betreut. Und schon zeigen die Jungen und Mädchen auf einen Berg voller Rinde, an dem wir an diesem Morgen vorbeikommen.

Wald ist Lernort und Spielplatz

„Wir gehen durch den Wald und sehen die riesigen Flächen, die abgeholzt worden sind, die Lkw, die die gefällten Fichten abtransportieren“, so Dana Lütticke. „Und wir müssen den Kindern auch erklären, warum das so ist.“ Der Wald sei schließlich nicht nur ihr Lernort, sondern auch ihr Spielplatz, der sich nun durch Trockenheit, Hitze und den Schädlingsbefall verändere. Die Kindergartenkinder aus Schreibershof wissen viel über die Tiere, die in den heimischen Wäldern leben, und über die Pflanzen und Bäume, die saubere Luft produzieren. Sie beachten die Regeln, reißen keine Blätter oder Äste ab. „Sie fassen nur das an, was der Wald hergibt“, erzählt Dana Lütticke. Mit dem pädagogischen Konzept der Wald-Kita solle vor allen Dingen der Respekt vor der Natur in den Fokus gerückt werden.

Das bedrohte Ökosystem Wald

„Gleichzeitig sehen die Kinder, wie immer mehr Bäume gefällt werden.“ Die Erzieherinnen in Schreibershof, zum Teil Waldpädagoginnen wie auch Einrichtungsleiterin Lena Willke, reden mit ihren Schützlingen über das bedrohte Ökosystem Wald. In einer Sprache, die die Kinder auch verstehen. „Auch ein Förster war hier und informierte über die Gründe für das Waldsterben“, erzählt Dana Lütticke. Vielfach werde das Thema auch zuhause mit den Eltern vertieft. „Davon berichten uns die Kinder.“
Zudem sei Anschauungsmaterial sehr nützlich. Es lagert neben Experimentierkästen in dem mit Fördermitteln finanziertem Bauwagen, der dem Kreis Olpe gehört und Unterschlupf bei extremen Wetterlagen bietet. Daneben steht eine Kiste mit Waldgut, in der sich ein sichtbares Zeichen des Walsterbens befindet. Rote Farbe auf einem Stück Holz, von Försterhand aufgesprüht, das Baumschicksal damit besiegelt.

Mehr Menschen unterwegs

Doch es ist nicht nur das Schwinden des Fichtenbestandes, welches die Kinder den Wald verändert wahrnehmen lässt. Es ist ein Grund, der mit dem Coronavirus einhergeht. „Die Menschen nutzen den Wald jetzt viel mehr“, berichtet Stefanie Schmelzer. „Das sehen wir an dem Müll.“ Zum Fahrplan des Waldkindergartens gehöre von Beginn an die Sensibilisierung für den Umweltschutz. „Mülltüten und Arbeitshandschuhe sind daher unsere ständigen Begleiter.“ Für die Kinder sei es eine Selbstverständlichkeit, den achtlos entsorgten Unrat aufzusammeln. Seit Aufkommen der Pandemie habe sich der Abfall deutlich vermehrt. Halb geleerte Chipstüten, Flaschen, Getränkedosen und natürlich Masken an Wegen und Bänken zählten zum Fundus. „Es ist auch erstaunlich, wie viele Ballons wir finden, die einst mit Helium gefüllt waren“, schildert Dana Lütticke. Auch sie lernt dazu. „Ich würde keinen mehr steigen lassen.“ Und vielleicht erinnerten die Kinder die Erwachsenen bei einer demnächst anstehenden Feier daran, wie umweltbelastend dieser Akt eigentlich sei.

Klima- und Umweltschutz

Der Wald wandelt sich, stärkt damit aber das Bewusstsein der Schreibershofer Kindergartenkinder für den Klima- und Umweltschutz nachhaltig. Sein Umbruch durchkreuzt die gesetzten Förderziele des Waldkindergartens daher nicht.Bewegungsfreude und -freiheit stehen weiterhin im Zentrum sowie die Förderung der Kreativität durch das Schaffen von eigenen Spielorten und Spielzeug aus elementaren Fundstücken des Waldes – ganz ohne Reizüberflutung.
Das Tipi steht weiterhin an seinem Platz, der nun lichter ist, auch der geliebte Wunschbaum, der bereits dafür gesorgt hat, „dass Mama nicht mehr von Corona spricht“ und zum Glück eine Buche und keine Fichte ist.

Hier finden Sie alle Artikel zur SZ-Serie "Der Wald im Wandel" im Überblick.

Autor:

Yvonne Clemens (Redakteurin) aus Stadt Olpe

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