Bauern in Wut
Wege aus der Milchkrise

Michael Alterauge (3. v. r.) und einige seiner Kollegen, die vor der Sitzung der Mitglieder des Bundesverbands deutscher Milchviehhalter den neuen Stall auf dem Papenberg in Augenschein nahmen. Fotos: win
3Bilder
  • Michael Alterauge (3. v. r.) und einige seiner Kollegen, die vor der Sitzung der Mitglieder des Bundesverbands deutscher Milchviehhalter den neuen Stall auf dem Papenberg in Augenschein nahmen. Fotos: win
  • hochgeladen von Jörg Winkel (Redakteur)

win Drolshagen. Ein nordrhein-westfälischer „Milchgipfel“ fand am Mittwoch auf dem Hof Alterauge in Drolshagen statt. 27 Milchbauern aus dem ganzen Land, allesamt Mitglieder des Bundesverbands deutscher Milchviehhalter (BDM), trafen sich auf Einladung von Michael Alterauge, der einer der Landesvorsitzenden dieses Verbands ist, um aktuelle Probleme und Lösungsansätze zu diskutieren. Vorher besichtigten sie den Hof ihres Vorsitzenden (siehe Extrakasten).

Anlass für das Treffen: Der 1. Juni ist der „Tag der Milch“, und im Nachgang dazu fanden die BDM-Mitglieder es nötig, abseits der regelmäßigen Telefonkonferenzen einmal wieder zu einem Treffen von Angesicht zu Angesicht zusammenzukommen und zu sprechen. Die Lage der Milchbauern ist seit Jahren schlecht. Sie beklagen, dass das, was die Molkereien ihnen zahlen, deutlich unter dem liegt, was sie an Erstellungskosten haben. Alterauge: „Das Ganze geht überhaupt nur, wenn man ohne Lohnkosten kalkuliert.“

Vor rund zehn Jahren hatte der BDM zum Milchstreik aufgerufen. 40 Cent pro Liter sei das, was ein Milchbauer erlösen müsse, um auskömmlich zu arbeiten. Die Lage hat sich nicht verbessert: Derzeit liegt der Auszahlungspreis in Nordrhein-Westfalen je nach Molkerei bei 33 bis 34 Cent. Alterauge: „Und heute müssten es 50 statt 40 Cent sein, die wir eigentlich brauchen.“ Gerade wieder habe ein Nachbarbetrieb die Milchviehhaltung aufgegeben. Im ganzen Kreis seien es keine 80 mehr.

Was erschwerend dazukommt: Molkereien und Milchindustrie fordern ständig höhere Standards, die sie im Handel gewinnbringend geltend machen können. Weidemilch, Heumilch, Biomilch, gentechnikfreie Milch – all solche „Extras“ kosten Geld. Ein Beispiel: „Um gentechnikfreie Milch anbieten zu können, haben wir allein durch das Futter Mehrkosten von 3 Cent pro Liter. Die Molkerei gibt uns aber nur 1.“ Nach wie vor sei es dringend nötig, die Milchmenge im Markt regeln zu können. „Wenn zu viel Milch da ist, dann muss die Menge runter, um die Preise zu festigen“, so einer der Milchbauern. Das sei zu Zeiten der Milchquote mehr schlecht als recht, aber immerhin im Prinzip möglich gewesen. Inzwischen hätten die Niederlande eine Hofquote eingeführt: Mehrlieferungen werden dort mit kräftigen Abschlägen auf den Milchpreis geahndet. „Aber wir wollen keine neue Quote“, so Alterauge; „wir wollen ein Instrument zur Marktregelung.“

Nach wie vor sei der Graben zwischen dem Deutschen Bauernverband und dem BDM tief. „Aber die auf beiden Seiten identischen Probleme zwingen uns gemeinsam an einen Tisch“, so Elmar Hannen, Co-Vorsitzender des BDM-Landesteams.

Eins wurde beim Ortstermin in Drolshagen deutlich: Die Milchbauern sind nicht weniger „geladen“ als vor zehn Jahren, und wer den damaligen Milchstreik miterlebt hat, weiß, dass sie zu entschlossenem Handeln in der Lage sind. Dazu muss der Leidensdruck nur noch minimal steigen.

Autor:

Jörg Winkel (Redakteur) aus Stadt Olpe

following

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

Folgen Sie diesem Profil als Erste/r

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung einbetten

Abbrechen
add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.