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Das große Ziel heißt Paris 2024
Yves Maubach ist Rollstuhl-Rugby-Nationalspieler

Der Drolshagener Yves Maubach (Bildmitte) hat seine ersten Spiele in der Rollstuhl-Rugby-Nationalmannschaft absolviert. Hier kämpft er gegen zwei kanadische Spieler. Sein großes Ziel sind die Paralympischen Spiele 2024 in Paris.
  • Der Drolshagener Yves Maubach (Bildmitte) hat seine ersten Spiele in der Rollstuhl-Rugby-Nationalmannschaft absolviert. Hier kämpft er gegen zwei kanadische Spieler. Sein großes Ziel sind die Paralympischen Spiele 2024 in Paris.
  • Foto: privat
  • hochgeladen von Uwe Bauschert (Redakteur)

jb Drolshagen.  Ein einziger Fehler, der auch noch aus jugendlichem Leichtsinn begangen, hat das Leben von Yves Maubach aus Drolshagen von einer Sekunde zur anderen völlig verändert. Beim Baden im Edersee hat er genau den Fehler begangen, der als Punkt 1 in den allgemeinen Baderegeln aufgeführt ist: Kein Kopfsprung in unbekannte Gewässer. Die Folgen waren drastisch. Von einer Sekunde zur anderen querschnittsgelähmt.
Insgesamt sechs Monate Krankenhausaufenthalt zunächst in Kassel, danach in der Rehaklinik von Bad Wildungen. Zeit genug, um sich Gedanken zu machen, wie es danach weitergehen soll, hatte er. Seinen Ehrgeiz hat er zu keinem Zeitpunkt abgestreift. „In der Rehaklinik habe ich viele Spezialisten kennengelernt.

jb Drolshagen.  Ein einziger Fehler, der auch noch aus jugendlichem Leichtsinn begangen, hat das Leben von Yves Maubach aus Drolshagen von einer Sekunde zur anderen völlig verändert. Beim Baden im Edersee hat er genau den Fehler begangen, der als Punkt 1 in den allgemeinen Baderegeln aufgeführt ist: Kein Kopfsprung in unbekannte Gewässer. Die Folgen waren drastisch. Von einer Sekunde zur anderen querschnittsgelähmt.
Insgesamt sechs Monate Krankenhausaufenthalt zunächst in Kassel, danach in der Rehaklinik von Bad Wildungen. Zeit genug, um sich Gedanken zu machen, wie es danach weitergehen soll, hatte er. Seinen Ehrgeiz hat er zu keinem Zeitpunkt abgestreift. „In der Rehaklinik habe ich viele Spezialisten kennengelernt. Ich wollte so schnell wie möglich wieder selbstständig werden und normale Tätigkeiten wieder ohne Hilfe lernen: sich selbst anziehen, Toilettenbesuch und so weiter“, erzählt Yves Maubach aus seiner Rehaphase.

Drei Mal pro Woche nach Bochum zum Training

„In der Klinik gab es ein großes Sportangebot. Ich habe vieles ausprobiert. Dann erzählte ein Physiotherapeut, dass er früher Trainer im Rollstuhl-Rugby war. Er hat Kontakte geknüpft. Und dann bin ich nach Bochum zu einem Training gefahren, um das einmal kennen zu lernen. Das hat mir sofort gefallen. Das war vor 18 Monaten. Ich bin dabei geblieben. Jetzt fahre ich drei Mal in der Woche nach Bochum zum Training“, erzählte Yves Maubach.
Und diese Sportart kommt seinem Naturell als gelernter Handballer entgegen. Er war ein talentierter Spieler. Beim TuS Derschlag hatte er es immerhin zum Spieler in der Jugend-Oberliga geschafft. Anschließend hatte er auch als Haupttorschütze einen großen Anteil daran, seinen Heimatverein TuS Drolshagen auf einen vorderen Platz in der Kreisliga A zu führen. So gut hatten die „Dräulzer“ Handballer nämlich noch nie gestanden.

Weiterbildung zum zum Hochbau-Techniker

Von zu Hause im Sauerland hat er eher selten zum Training nach Bochum aufbrechen müssen. Auch im Beruf nutzt er die Chance, um weiterzukommen. Sich Hängen lassen ist nie in Frage gekommen. Wenige Wochen vor dem Unfall hatte er seine Ausbildung als Dachdecker abgeschlossen und war anschließend als Geselle in seinen Beruf eingestiegen. Jetzt nutzt er die Chance, um sich im Berufsförderungswerk Oberhausen zum Hochbau-Techniker weiterzubilden. Im Mai steht bereits die Prüfung an.
Allein das ist eigentlich bereits Belastung genug. Jetzt kommt auch noch wegen Corona eine Form des Online-Unterrichts hinzu, weil auch diese Einrichtung (mit Internat) geschlossen ist. Und nebenbei will Yves Maubach auch noch umziehen in seine erste eigene – behindertengerechte – Wohnung, und zwar mit Freundin.

Erste Länderspiele in Kanada bestritten

Ereignisreich verläuft ohnehin seit geraumer Zeit sein Leben. Denn auch sportlich geht es rapide aufwärts. Relativ schnell hat Yves Maubach in seiner neuen Sportart auf sich aufmerksam gemacht. „Anfang des Jahres bin ich in den zwölf Spieler umfassenden ersten Kader der Nationalmannschaft berufen worden“, erzählt Maubach.
Diese sollte für das letzte Qualifikationsturnier zu den Paralympischen Spielen in Tokio personell deutlich umgestellt werden, nachdem die bisherige Mannschaft in einem ersten Turnier klar gescheitert war. Insgesamt zehn Tage war die Nationalmannschaft unterwegs, um vor zwei Wochen in Vancouver, Kanada, in einem viertägigen Turnier mit acht Nationen die beiden letzten Qualifikanten auszuspielen.
Da die Thailänder nicht mehr ausreisen durften, maßen sich am Ende nur noch sieben Mannschaften. Um es vorweg zu nehmen, das deutsche Nationalteam wurde hinter den deutlich besseren Teams aus Kanada und Frankreich guter Dritter. Gegen diese beiden Mannschaften blieben die Deutschen chancenlos und verloren jeweils hoch mit mindestens 24 Punkten Unterschied. Als Erfolgserlebnisse verbuchte das deutsche Team Siege über Brasilien (50:46), Kolumbien (58:50) und nach jeweils sehr spannenden Partien über die Schweiz (46:45) und Schweden (63:62). Die Partien wurden im riesigen Richmond Olympic Oval auf sporthistorischem Boden ausgetragen, denn hier fanden vor zehn Jahren die Olympischen Wettkämpfe im Eisschnelllauf statt. Die Spiele sind übrigens auf YouTube abrufbar (Stichwortsuche: 2020 IWRF Paralympic Qualifying).
„Ich bin mit meinen Leistungen sehr zufrieden und hoffe, dass ich jetzt einen Stammplatz im Nationalkader habe. Ich war in meinem ersten Länderspiel natürlich sehr aufgeregt. International wird ein deutlich höheres Tempo gespielt. Gegen Frankreich und Kanada sind uns Grenzen aufgezeigt worden. Ich habe ein gutes Gefühl und für mich selbst das Ziel Paralympics 2024 in Paris vorgenommen“, hat sich Yves Maubach nach seiner Länderspielpremiere kämpferisch und ehrgeizig ein großes Ziel gesetzt.

Autor:

Jürgen Betz (Redakteur) aus Siegen

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