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Dem Osterhasen auf der Spur
Er wohnt am Steimel!

Ganz schön aufwendig, das Osternest mit „Dom-Aufbau“, das in den 1950er-Jahren die Kinder verzückte.
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  • Ganz schön aufwendig, das Osternest mit „Dom-Aufbau“, das in den 1950er-Jahren die Kinder verzückte.
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sz Erndtebrück.  Kennen Sie das auch? Die Faszination, die das Geheimnis der Oster- oder auch Weihnachtstraditionen ausüben kann? Das gespannte Warten auf die auf unerklärliche Weise auftauchenden Ostereier an den unterschiedlichsten Stellen im Garten oder auf dem Spazierweg,  …  die Freude über die bunten Zucker-Eier (sahen gut aus, aber waren eigentlich zu süß) oder Schoko-Eier, die Schokohasen oder auch die Freude am eigenen Färben der gekochten Ostereier. Das besondere Osterfrühstück. Der Strauß mit Tulpen, Osterglocken in den Zweigen, die erste grüne Blätter zeigen … 
Das alles macht das Osterfest, abgesehen vom christlichen Inhalt, zu einem besonderen Erlebnis im Jahr, ein Fest des Neubeginns, der voller Geheimnis steckt. Geheimnissen, die man als Kind genießt.

sz Erndtebrück.Kennen Sie das auch? Die Faszination, die das Geheimnis der Oster- oder auch Weihnachtstraditionen ausüben kann? Das gespannte Warten auf die auf unerklärliche Weise auftauchenden Ostereier an den unterschiedlichsten Stellen im Garten oder auf dem Spazierweg,  …  die Freude über die bunten Zucker-Eier (sahen gut aus, aber waren eigentlich zu süß) oder Schoko-Eier, die Schokohasen oder auch die Freude am eigenen Färben der gekochten Ostereier. Das besondere Osterfrühstück. Der Strauß mit Tulpen, Osterglocken in den Zweigen, die erste grüne Blätter zeigen … 
Das alles macht das Osterfest, abgesehen vom christlichen Inhalt, zu einem besonderen Erlebnis im Jahr, ein Fest des Neubeginns, der voller Geheimnis steckt. Geheimnissen, die man als Kind genießt. Diese Magie, dieser Zauber der schönen Überraschung, der zweckfreien Freude ist unbezahlbar. Und schwingt nach, wie die Erinnerungen von Marianne Seelbach zeigen.  gmz

Ganz sicher: Der Osterhase wohnt am Steimel!

Der Osterhase wohnte am Steimel zwischen Erndtebrück und Schameder. Daran gab es für mich als Kind keinen Zweifel. Als ich einmal am Karfreitag mit meinen Eltern dort spazieren ging, fand ich im weichen Moos am Wegrand ein buntes Ei.

„Das hat der Osterhase verloren“, erklärte mir meine Mutter. „Er hat jetzt viel zu tun und ist in Eile. Da ist ihm das Ei bestimmt aus der Kiepe gefallen.“

Osterhasen tragen Kiepen

Dass der Osterhase die Eier in einer Kiepe transportierte, wusste ich. Die Hasenfrau aus Stoff, die ich im Jahr zuvor zu Ostern bekommen hatte, trug auch eine auf dem Rücken!

Die Osterhäsin mit Kiepe und flottem Karo-Röckchen aus den frühen 1950er-Jahren ist auch heute noch in der Osterzeit unterwegs.
  • Die Osterhäsin mit Kiepe und flottem Karo-Röckchen aus den frühen 1950er-Jahren ist auch heute noch in der Osterzeit unterwegs.
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Nicht weit von der Fundstelle sah ich am Rand der Fichtenschonung frische dunkle „Böhnchen“ im Moos. Sie waren für mich der Beweis, dass hier der Osterhase wohnte. Im darauffolgenden Jahr wollte ich 
natürlich wieder am Karfreitag dort spazieren gehen. Vielleicht würden wir ja dem Osterhasen begegnen. Ich fand ein buntes Ei, doch der Osterhase ließ sich nicht blicken … 

Osternest vor Regen geschützt

Zu Hause hatte ich für Ostern alles vorbereitet. An der Böschung zwischen dem Eiskeller und unserem Garten hatte ich Moos gesammelt. Die Böschung war in den 50er-Jahren vor dem Ausbau der Breidenbachstraße dicht bewachsen und nicht so steil und felsig wie heute. Meine Mutter hatte mir geholfen, ein Nest zu bauen, daneben eins für Papa und eins für Mama. Damit die Nester vor Regen und Schnee geschützt waren, hatten wir sie in der Scheune direkt an der Wand zum Haus angelegt.

Da hört man doch was ...!

Am Ostersonntag wachte ich morgens früh auf. Alles war still. Plötzlich hörte ich ein Geräusch in der Scheune. Es klang so, als würde jemand an der Wand oder der Scheunentür kratzen. Das konnte nur der Osterhase gewesen sein! Im Haus rührte sich noch nichts. Ungeduldig wartete ich darauf, dass meine Eltern wach wurden. Allein wäre ich nicht in die Scheune gegangen. Als sie wach waren, erzählte ich aufgeregt, was ich gehört hatte, dann gingen wir in die Scheune. Alle drei Nester waren mit bunten Eiern gefüllt, und in meinem Nest saß außerdem ein in Stanniol verpackter Osterhase aus Schokolade. Und ich hatte gehört, wann der Hase vom Steimel alles gebracht hatte!
Auf den Gedanken, dass unsere Katze das Geräusch in der Scheune verursacht haben könnte, bin ich nicht gekommen. Ich packte meine Schätze in ein Körbchen und trug sie ins Haus.

Ostereier-Weitwurf als Wettbewerb

Am Nachmittag gingen wir spazieren. Ein paar Ostereier nahmen wir mit. Auf einer Wiese im Wellerstal waren schon einige Familien mit ihren Kindern eingetroffen. Sie warfen Ostereier um die Wette. Ziel war es, ein Ei möglichst weit zu werfen, ohne dass es zu Bruch ging. Zwar war die Wiese schön weich, aber nicht alle Eier waren für diesen Crashtest hart genug gekocht. Hier und da verbarg sich auch ein Stein im Gras, und wenn ein Ei darauf traf, ging es zu Bruch. Brocken von Eigelb und Eiweiß mit Schale flogen auf die Wiese. Die größeren Stücke konnte man noch essen, aber manche Eier waren einfach futsch.

Zu schade zum Werfen ...

Nachdem auch mein erster Wurf zu einer Bruchlandung geworden war, hatte ich keine Lust mehr zum Eierwerfen.  Dazu waren mir die schönen Eier zu schade! Lieber nahm ich sie wieder mit nach Hause und verwahrte sie noch ein wenig. Von denen mit den aufgeklebten bunten Papierbildchen konnte ich mich besonders schlecht trennen. Dass der Osterhase Verwandtschaft im Siegerland hatte, erfuhr ich später. Auch bei einem Osterspaziergang am Giller fand ich ein Ei.

Auch in Stendenbach gibt es einen Osterhasen!

In Stendenbach hinterließ der Osterhase schon in der Woche vor Ostern Spuren. Wenn der kleine Heinz aus dem Kindergarten kam, erzählten seine Eltern und Großeltern, dass sie den Osterhasen im Garten gesehen hätten. Gespannt  begab sich Heinz auf Spurensuche. Weil das Mittagessen schon auf dem Herd stand und die Suche nicht zu lange dauern durfte, beschrieb die Familie, wo ungefähr sie den Hasen gesehen hatte. Tatsächlich fand sich dort ein buntes Ei. Auch am Fuß des Kindelsbergs legte der Osterhase Eier ins Moos. Heinz fand sie beim Osterspaziergang mit seinen Eltern. Sogar Schokoladeneier waren dabei, und an einem Baumstumpf lehnte ein großer Osterhase, dessen goldene Ohren in der Sonne glänzten. Die Überraschung war gelungen und die Freude groß. Trotz beweiskräftiger Spuren wurde jedoch auch hier der echte Osterhase nicht entdeckt.

Aufwendige Osternest-Konstruktion

Moos für sein Osternest hatte Heinz reichlich gefunden. Beim Bau des Nestes benötigte er allerdings Hilfe, da es eine recht aufwendige Konstruktion war. Unter einem Strauch im Garten wurden Weiden- oder Haselzweige an beiden Enden in den Boden gesteckt, so dass eine Kuppel wie bei einer Konzertmuschel entstand.

Die etwas einfachere Variante des Osternestes stammt ebenfalls aus den 1950ern. Auch so ein Nest entwickelt sich, wie das große Bild  zeigt.
  • Die etwas einfachere Variante des Osternestes stammt ebenfalls aus den 1950ern. Auch so ein Nest entwickelt sich, wie das große Bild zeigt.
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Heinz bedeckte diese mit Moos und polsterte den Boden. Vor die Öffnung des Nestes wurde ein Zäunchen aus Zweigen gesetzt. Da dieses Verfahren recht aufwendig war, baute der Vater eine Kuppel aus stabilen Drähten, die er zusammenschweißte. Sie wurde in den folgenden Jahren anstatt der Konstruktion aus Zweigen verwendet.

"Eierhickeln" in Spezialbahn

Als Heinz ein wenig älter war, legte er mit seinen Freunden eine Bahn zum „Eierhickeln“ im Kleinen Wäldchen in Stendenbach an, wenn das Wetter es zuließ. Mit den Händen schoben sie die trockenen Fichtennadeln auseinander, so dass eine Rinne entstand, durch die man die Eier rollen konnte, natürlich mit gehörigem Schwung. Steine wurden aus der Bahn entfernt, und heruntergefallene Äste und kleine Wurzeln mit dem Taschenmesser abgeschnitten, um die Eier vor Schaden zu bewahren. Das Osterei, das am weitesten rollte und unbeschädigt blieb, machte den Eigentümer zum Gewinner des Wettkampfs.
Aber die Eier durch eine einfache und gerade Bahn den Hang hinunter zu hickeln, wäre langweilig gewesen. Deshalb wurden Schikanen eingebaut, z. B. eine S-Kurve. Bei zu hoher Geschwindigkeit allerdings flogen die Eier aus der Kurve, und manchmal zerschellten sie am nächsten Baumstamm. Aber die Trümmer waren meistens noch groß genug zum Essen.

Auch den Eier-Weitwurf kennen man in Kreuztal

Auf einer Wiese in der Nähe wurden Eier geworfen. Wer schaffte die größte Weite? Einer der Freunde war Spezialist im Eierwerfen. Ihm gelang es immer wieder, seine Ostereier deutlich weiter als die Kameraden zu werfen. Einmal ging beim Aufprall die Schale eines Ostereis zu Bruch und flog zur Seite. Das Ei jedoch blieb ganz und lag sauber gepellt auf der Wiese. Mit gut gefülltem Magen gingen die Jungen schließlich nach Hause.  Marianne Seelbach

Autor:

Redaktion Kultur

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