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Langes Warten auf die Impfung gegen Corona
Ärger über Umgang mit chronisch Kranken

Den heiß ersehnten Piks hat Wolfgang Dickel mittlerweile
bekommen. Er ist jedoch trotzdem frustriert, weil andere Menschen mit schweren Erkrankungen weiterhin warten müssen.
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    bekommen. Er ist jedoch trotzdem frustriert, weil andere Menschen mit schweren Erkrankungen weiterhin warten müssen.
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bw Erndtebrück. Auf den erlösenden Piks warten derzeit zwar viele Menschen, aber besonders sehnsüchtig diejenigen, die aufgrund unterschiedlichster Vorerkrankungen gefährdeter sind, bei einer Corona-Infektion einen schweren bis tödlichen Verlauf zu erleiden. Zu ihnen gehört auch Wolfgang Dickel aus Erndtebrück. Der heute 50-Jährige hat Diabetes, er musste zehn Jahre zur Dialyse und erhielt vor einigen Jahren bei einer Transplantation an der Uniklinik in Marburg eine neue Niere und eine neue Bauchspeicheldrüse. Für Wolfgang Dickel wäre eine Erkrankung am tückischen Coronavirus, wie für viele andere chronisch kranke Menschen, lebensgefährlich.

bw Erndtebrück. Auf den erlösenden Piks warten derzeit zwar viele Menschen, aber besonders sehnsüchtig diejenigen, die aufgrund unterschiedlichster Vorerkrankungen gefährdeter sind, bei einer Corona-Infektion einen schweren bis tödlichen Verlauf zu erleiden. Zu ihnen gehört auch Wolfgang Dickel aus Erndtebrück. Der heute 50-Jährige hat Diabetes, er musste zehn Jahre zur Dialyse und erhielt vor einigen Jahren bei einer Transplantation an der Uniklinik in Marburg eine neue Niere und eine neue Bauchspeicheldrüse. Für Wolfgang Dickel wäre eine Erkrankung am tückischen Coronavirus, wie für viele andere chronisch kranke Menschen, lebensgefährlich.

Rückmeldung bleibt aus

Daher hat sich der Erndtebrücker früh um einen Impftermin bemüht: Schon Ende Februar füllte er das Online-Formular aus und sendete ein entsprechendes Attest an den Kreis, nachdem er gelesen hatte, man könne einen Antrag auf Priorisierung stellen. „Da stand schon direkt bei, man sollte auf Kontaktaufnahme per E-Mail oder per Telefon verzichten“, sagt Wolfgang Dickel. Die Tage gingen ins Land, aber eine Rückmeldung blieb aus. Wochen vergingen und schließlich versuchte er sein Glück telefonisch – ohne Erfolg. „Beim Kreis war kein Durchkommen“, erinnert sich der Erndtebrücker. „Ich frage mich, weshalb hat man das dann überhaupt angeboten. Ich kenne keinen einzigen, der diesen Antrag gestellt hat und eingeladen wurde.“ Dass er keine Reaktion erhalten habe, verrät er, „das hat mich mächtig geärgert.“ Die Hoffnung auf eine schnelle Corona-Schutzimpfung hatte er schon aufgegeben. Die Lösung fand sich allerdings, weil er wegen der Corona-Pandemie momentan nicht zur Kontrolle nach Marburg, sondern zum Dialysezentrum in Bad Laasphe fährt. Genau dort hat Wolfgang Dickel am 9. April die erste Impfung erhalten. Frustriert ist er trotzdem, denn er weiß von einigen Menschen, die trotz eines Antrags wie er vergeblich auf einen Termin im Impfzentrum gewartet haben und bislang noch nicht geimpft wurden.

Anträge zum größten Teil überflüssig

Das hat allerdings Gründe, die Torsten Manges als Sprecher der Kreisverwaltung erläutert. Im Verlauf des Monats März ist eine Welle an Anträgen im Siegener Kreishaus gelandet, allerdings war der überwiegende Teil vollkommen überflüssig. Denn laut der Verordnung zum Anspruch auf Schutzimpfung gegen das Coronavirus des Bundes haben chronisch Kranke ohnehin einen Anspruch auf Impfung. Dazu gehören unter anderem Personen nach Organtransplantation, mit behandlungsbedürftigen Krebserkrankungen, chronischer Leber- oder Nierenerkrankung. Nachzulesen ist dies in § 3 Schutzimpfungen mit hoher Priorität. Soll heißen: Wer sich mit seiner Erkrankung ohnehin in dieser Liste wiederfindet, hätte weder Antrag stellen noch Attest einreichen müssen. Jeder, der einen Antrag online gestellt habe, so Torsten Manges, habe auch eine Eingangsbestätigung per E-Mail erhalten – je später der Antrag gestellt wurde, desto konkreter seien darin auch die Informationen gewesen, vor allem die letztlich entscheidende: Trotz hoher Priorität habe es im März schlichtweg keinen Impfstoff für chronisch Erkrankte gegeben, stellt Torsten Manges klar. Genau das sei auch immer wieder kommuniziert worden. Und wo kein Impfstoff, da auch kein Terminangebot. Sprich: Ob nun per E-Mail oder telefonisch wären chronisch Erkrankte bis Ende März gar nicht zum Zuge gekommen, weil das Land dem Kreis auch klar vorgibt, an welche Zielgruppen die jeweiligen Impfdosen verabreicht werden dürfen. Erst vor Ostern habe der Kreis eine Sonderlieferung von 2000 zusätzlichen Impfdosen erhalten, die ganz konkret an chronisch Erkrankte verteilt wurden. Unmittelbar nach Ostern stiegen die Hausärzte in die Corona-Schutzimpfungen ein und sie sind nun die Anlaufstelle für chronisch kranke Personen. Allein: Die Kontingente reichen bei weitem noch nicht aus, dass alle Menschen mit schweren Vorerkrankungen nun auch relativ schnell geimpft werden können.

Unbedingt an den Hausarzt wenden

Bleibt Wolfgang Dickels Frage: Warum eigentlich ein Antragsverfahren, wenn die meisten Betroffenen keinen Antrag hätten stellen müssen? Dieses Verfahren war nur für Personen gedacht, die sich eben nicht mit ihrer Erkrankung auf der erwähnten Liste in § 3 der Verordnung zum Anspruch auf Schutzimpfung gegen das Coronavirus wiedergefunden haben, die allerdings eine Krankheit vergleichbarer Schwere und damit eine hohe Priorität zur Schutzimpfung hätten. Genau sie wollte das Land für die weitere Impfkampagne ermitteln. In den übrigen Fällen, bei denen kein Antrag nötig gewesen wäre, haben es womöglich manche Praxen zu gut gemeint im Sinne von: „Doppelt hält besser.“ Die Folge war dann eine Flut von einigen Tausend Anträgen, die der Kreis nicht alle einzeln beantworten hätte können. Und eine weitere Folge war der verständliche Frust bei den Betroffenen. Weil beim Kreis nun aber nach wie vor Anträge eingehen von Menschen mit schweren Vorerkrankungen, die einen Impftermin bekommen wollen, verweist Torsten Manges noch einmal darauf, dass sie sich unbedingt an ihren Hausarzt wenden müssen.

Den heiß ersehnten Piks hat Wolfgang Dickel mittlerweile
bekommen. Er ist jedoch trotzdem frustriert, weil andere Menschen mit schweren Erkrankungen weiterhin warten müssen.
Wolfgang Dickel ärgert sich über den Umgang mit chronisch Kranken.
Autor:

Björn Weyand (Redakteur) aus Bad Laasphe

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