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Vortrag der Volksbank Wittgenstein
Aktivere Regulierung des Wolfsbestandes gefordert

Zwischen Feindbild und gern gesehenem Gast: Am Wolf scheiden sich in Deutschland die Geister.
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tika Schameder. In kaum einem europäischen Land ist die Diskussion um den Wolf derart emotional geführt wie in Deutschland. Die Lager sind tief gespalten, Gegner und Befürworter des Abschusses der Tiere befinden sich in einem tiefgreifenden Konflikt. Als Wilhelm Brüggemeier am Mittwochabend im Gemeindebau in Schameder das Wort erhob, klebten seine Zuhörer regelrecht an seinen Lippen. „Die Weidetierhaltung darf dem Wolf nicht weichen“, forderte der Vizepräsident des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbandes (WLV), dem auch der Netpher Landwirt Henner Braach in gleicher Funktion angehört. Der Siegerländer war – neben zahlreichen Wittgensteiner Landwirten – einer der Zuhörer bei der Vortragsveranstaltung „Wolf und Weidehaltung“, den die Volksbank Wittgenstein initiiert hatte.

tika Schameder. In kaum einem europäischen Land ist die Diskussion um den Wolf derart emotional geführt wie in Deutschland. Die Lager sind tief gespalten, Gegner und Befürworter des Abschusses der Tiere befinden sich in einem tiefgreifenden Konflikt. Als Wilhelm Brüggemeier am Mittwochabend im Gemeindebau in Schameder das Wort erhob, klebten seine Zuhörer regelrecht an seinen Lippen. „Die Weidetierhaltung darf dem Wolf nicht weichen“, forderte der Vizepräsident des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbandes (WLV), dem auch der Netpher Landwirt Henner Braach in gleicher Funktion angehört. Der Siegerländer war – neben zahlreichen Wittgensteiner Landwirten – einer der Zuhörer bei der Vortragsveranstaltung „Wolf und Weidehaltung“, den die Volksbank Wittgenstein initiiert hatte.

Laut einer Statistik, die Wilhelm Brüggemeier vorlegte, lebten in den Jahren 2017/2018 gezählte 73 Wolfsrudel in Nordrhein-Westfalen. „Der Wolf ist in der Expansion“, konstatierte der WLV-Vizepräsident. Der WLV geht von einer dynamischen Ausbreitung in NRW aus – und damit von einer Populationssteigerung um ein Drittel jährlich. In der europäischen und deutschen Gesetzgebung gilt der Wolf als streng geschützte Tierart, eine vorsätzliche Entnahme – also eine Jagd auf den Wolf – ist strafbar. Andere europäische Mitgliedsstaaten haben die Abschussregeln gelockert, in der Bundesrepublik Deutschland ist eine Entnahme aber nur unter besonderen Bedingungen und nur mit Genehmigung erlaubt – etwa wenn einzelne Tiere zum Problem für Menschen oder zum dauerhaften Problem für Weidetiere avancieren. „Das Wolfsmanagement in NRW ist derzeit kein Regulierungsmanagement, es ist vielmehr ein Handlungsleitfaden, eine Begleitung des Wolfes – und keine Steuerung der Population“, haderte Wilhelm Brüggemeier. Für Landwirte, die Weidehaltung betreiben, zeichnete er daher eine dunkle Zukunft: „Die Art der Tierhaltung wie wir sie kennen, werden wir nicht aufrecht erhalten können.“

Bessere Schutzmaßnahmen für Weidetiere stellen daher aus Sicht von Wilhelm Brüggemeier keine Lösung dar. „Wenn wir den Wölfen nichts entgegensetzen, haben sie einen gedeckten Tisch. Und wenn die Population irgendwann eine entsprechende Größe erreicht hat, dann stehen wir vor vollendeten Tatsachen. Der Wolf beeinträchtigt die Weidehaltung stark. Ein rein passiver Herdenschutz verliert auf Dauer seine Wirkung“, betonte der WLV-Vizepräsident – und erntete für sein Plädoyer für gelockerte Bedingungen für die Entnahme den Applaus der Landwirte.

Dass der Mann aus dem Kreis Steinfurt als Vertreter eines landwirtschaftlichen Interessenverbandes bei seinen Zuhörern offene Türen einlaufen würde, dürfte ihm durchaus bewusst gewesen sein. Deutlich neutraler positionierte sich indes Matthias Mennekes. Der Mitarbeiter von Wald und Holz NRW ist einer von kreisweit drei ehrenamtlichen Luchs- und Wolfsberatern. „Wolfsberater sind neutral. Wir sind weder Wolfskuschler, noch Wolfshasser“, konstatierte Matthias Mennekes – und warb um Verständnis für diese Haltung, gerade dann, wenn es zu einem Riss bei einem Weidetier gekommen ist.

Die Wolfsberater müssen dann allzu oft als emotionaler Puffer herhalten, obgleich sie vollkommen schuldlos sind. Sie sichern lediglich Genmaterial zur einwandfreien Überprüfung, ob es sich etwa um einen Wolfsangriff handelt. „Dies muss am besten 24 Stunden nach dem Riss passieren. 48 Stunden danach ist das Genmaterial fast nicht mehr brauchbar“, berichtete er. Die Wolfsberater senden Daten und Material dann an das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen zur weiteren Untersuchung.

„Der Wolf ist auf eigenen Pfoten zurückgekehrt, es gab keine Wiederansiedlung“, betonte Matthias Mennekes mit Blick auf die nach dem Bundesnaturschutzgesetz streng geschützte Tierart. Derzeit sei eine Änderung des Gesetzes in Gange, die eine Tötung grundsätzlich erleichtern soll. Aber: „Die Jägerschaft sollte sich bewusst sein, dass die Aufnahme des Wolfes in das Jagdrecht nicht nur die Jagd nach sich zieht, sondern auch die Hege.“

Dass sich der Wolf gefühlt von der Jagd nach Wildtieren entfernt und Weidetiere reißt, wusste Matthias Mennekes zu erklären: „Der Wolf wählt den Weg des geringsten Widerstandes.“ Laut Wilhelm Brüggemeier sind seit Sommer 2017 bis dato gut 60 Nutztiere durch Wölfe gerissen worden. Und Matthias Mennekes führte zugleich an, dass eine Untersuchung von Wolfskot auf breiter Basis ergeben habe, dass sich die Raubtiere zumeist von Rehen ernähren – mehr als die Hälfte der Nahrung besteht aus selbigen, gefolgt von Wildschweinen (17 Prozent), Rotwild (15 Prozent) und Dammwild (sechs Prozent).

Nutztiere machen demnach nur 1,1 Prozent der Beute aus – wenig tröstlich für die Landwirte, deren Tiere es betrifft. Eine zu hohe Population, wie sie etwa Wilhelm Brüggemeier befürchtete, sah er aber nicht auf Deutschland zukommen: „Die Sterblichkeit durch den Straßenverkehr ist hoch. Zudem sind gerade Jungtiere empfindlich“, betonte der Wolfsberater. Zudem verdeutlichte er, dass der Siedlungsschwerpunkt der Wölfe in Nord- und Ostdeutschland liegt – und vergleichsweise selten im Westen. Um die Weidetiere unter den gegebenen Umständen zu schützen, empfahl auch er entsprechende Herdenschutzmaßnahmen: „Herdenschutz ist aber nur wirksam, wenn er konsequent angewendet wird. Elektrozäune sind dabei durchaus empfohlen.“

Zwischen Feindbild und gern gesehenem Gast: Am Wolf scheiden sich in Deutschland die Geister.
Matthias Mennekes, Wolfsberater bei Wald und Holz NRW, Volksbank-Vorstand Kai Wunderlich, WLV-Vizepräsident Wilhelm Brüggemeier und der LWK-Herdenschutzberater Moritz Specht (v. l.) beschäftigten sich mit „Wolf und Weidehaltung“.
Autor:

Timo Karl (Redakteur) aus Erndtebrück

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