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Ausgewanderte Wittgensteiner (SZ-Serie)
Algenforscherin feiert Weihnachten in Schweden mit Zweitfamilie

Sophie Steinhagen stammt aus Schameder – inzwischen lebt sie allerdings in Schweden und arbeitet dort als Algenforscherin. Hier auf diesem Foto ist sie vor ihrem Haus mit ihren Nachbarn Ruben und Margareta Coster zu sehen.
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  • Sophie Steinhagen stammt aus Schameder – inzwischen lebt sie allerdings in Schweden und arbeitet dort als Algenforscherin. Hier auf diesem Foto ist sie vor ihrem Haus mit ihren Nachbarn Ruben und Margareta Coster zu sehen.
  • Foto: privat
  • hochgeladen von Sonja Schweisfurth (Redakteurin)

bw Göteborg/Schameder. Die Nähe zu ihrer Familie und zu ihren Freunden in Deutschland ist für Dr. Sophie Steinhagen unersetzlich. Denn gerade die Weihnachtszeit sei dafür da, dass Familie und Freunde zusammenkommen, findet die 30-Jährige. „Seit ich mich erinnern kann, verbringt meine Familie den ersten Weihnachtstag bei meinen Großeltern in Erndtebrück, und dieser Tradition in diesem Jahr nicht nachkommen zu können und meine Familie nicht in die Arme schließen zu können, werde ich sehr vermissen.“ Denn ihren Plänen, zum Weihnachtsfest nach Hause nach Wittgenstein zu reisen, hat die Corona-Pandemie einen Strich durch die Rechnung gemacht. „Gerade in dieser Zeit fällt einem umso mehr auf, wenn man auf diese Nähe verzichten muss“, sagt die aus Schameder stammende Meeresbiologin.

bw Göteborg/Schameder. Die Nähe zu ihrer Familie und zu ihren Freunden in Deutschland ist für Dr. Sophie Steinhagen unersetzlich. Denn gerade die Weihnachtszeit sei dafür da, dass Familie und Freunde zusammenkommen, findet die 30-Jährige. „Seit ich mich erinnern kann, verbringt meine Familie den ersten Weihnachtstag bei meinen Großeltern in Erndtebrück, und dieser Tradition in diesem Jahr nicht nachkommen zu können und meine Familie nicht in die Arme schließen zu können, werde ich sehr vermissen.“ Denn ihren Plänen, zum Weihnachtsfest nach Hause nach Wittgenstein zu reisen, hat die Corona-Pandemie einen Strich durch die Rechnung gemacht. „Gerade in dieser Zeit fällt einem umso mehr auf, wenn man auf diese Nähe verzichten muss“, sagt die aus Schameder stammende Meeresbiologin.

Algenforscherin in Göteborg

Seit 2018 lebt Sophie Steinhagen nun in Schweden. Nach ihrem Studium in Gießen und ihrer Promotion am Geomar Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung in Kiel zog es sie an das Meeresforschungsinstitut der Universität in Göteborg, wo sie seit gut zwei Jahren als Algenforscherin tätig ist. Sophie Steinhagen untersucht zum Beispiel, wie man Algen und deren vielfältige Inhaltsstoffe als neue und nachhaltige Ressourcen nutzen kann. Dafür forscht die gebürtige Wittgensteinerin nicht in Göteborg: Ihre Arbeit findet in einer abgelegenen Forschungsstation auf Tjärnö, einer kleinen und idyllischen Insel ganz in der Nähe der norwegischen Grenze, statt.

Einzigartige Naturlandschaft

Dass Schweden ihre Wahlheimat geworden ist, habe vor allem zwei Gründe. „Zum einen ist das Institut in Göteborg eines der besten, um Algenforschung zu betreiben. Beruflich gesehen ist es also eine tolle Möglichkeit, um Wissenschaft zu betreiben und Lehre für Studenten direkt am und im Ökosystem Meer anbieten zu können“, erzählt Sophie Steinhagen. „Zum anderen ist die weitreichende und oftmals unberührte Naturlandschaft in Skandinavien schlichtweg einzigartig und beeindruckend. Ich wohne ganz in der Nähe des Kosterhavet-Nationalparks, dem einzigen maritimen Nationalpark des Landes.“ Für eine Meeresbiologin sei das allein wegen der Artenvielfalt ein gelebter Traum.

Eisbaden stärkt das Immunsystem

Dafür muss sie aber in diesem Jahr auf eine Heimreise verzichten. „Ich vermeide nicht nötige Kontakte, daher werde ich nicht mit meiner Familie in Deutschland feiern können.“ Ihre Nachbarn Margareta und Ruben Coster, ein sehr gastfreundliches und herzliches Ehepaar, sind mittlerweile aber zu ihrer schwedischen Familie geworden, „wir werden die Feiertage gemeinsam verbringen“. Weihnachten heißt in Schweden übrigens Jul. Und den Abend des 23. Dezember, also einen Tag vor Jul, verbringt man gemeinsam mit allen Vorbereitungen und mit dem Schmücken des Baums. Diesen Abend nennen die Schweden Uppesittarkväll („Sitzabend“). Anstatt Glühwein trinkt man reichlich Glögg mit Mandeln und Rosinen und als Süßigkeit gibt es schwedische Pepperkakor (Pfefferkuchen). Auch den 24. Dezember verbringen die Schweden gemeinsam und genießen das Julbord, ein großes Buffet mit viel Fisch und dem traditionellen Julschinken. Und ganz wichtig ist das traditionelle Eisbaden zur Stärkung des Immunsystems.

Besinnliche und fröhliche Zeit

„Insgesamt erlebe ich diese Julzeit in Schweden als sehr besinnlich und fröhlich“, berichtet Sophie Steinhagen. Und die winterlich frostige Natur verleihe der Julzeit einen ganz einzigartigen Charme. „Besonders schön sind die weihnachtlich geschmückten, typisch roten schwedischen Holzhäuser. In ihnen findet man in der Julzeit häufig Figuren sogenannter Julenisse. Das sind kleine Wichtel, die ganz typisch für die skandinavische Kultur sind.“

Schweden bleiben offen und freundlich

Einen etwas anderen Weg geht Schweden ja in dieser Corona-Krise. Trotzdem sagt Sophie Steinhagen: Die Kontakte werden, wo immer möglich, reduziert und Hygieneregeln spielen eine große Rolle. „Was mich begeistert: Die Schweden, die ich kenne, sind trotz der neuen körperlichen Distanz weiterhin offen und freundlich. Rücksichtnahme, Menschlichkeit und Optimismus geben sich die Hand und widersprechen sich nicht.“ Aber dennoch werde das Bedürfnis nach weniger schwierigen Zeiten natürlich immer gegenwärtiger. „Da unterscheidet sich Schweden vermutlich im Moment von keinem anderen Land, obwohl hier im Vergleich zu Deutschland andere Restriktionen gelten.“

Sophie Steinhagen stammt aus Schameder – inzwischen lebt sie allerdings in Schweden und arbeitet dort als Algenforscherin. Hier auf diesem Foto ist sie vor ihrem Haus mit ihren Nachbarn Ruben und Margareta Coster zu sehen.
Aus Wittgenstein raus in die weite Welt: Die SZ stellt Menschen vor, die ausgewandert sind und Weihnachten sowie die Corona-Pandemie aus einem ganz anderen Blickwinkel betrachten.
Autor:

Björn Weyand (Redakteur) aus Bad Laasphe

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