Als die Musik vom Plattenteller kam

Schießverein Zinse hat in fünf Jahrzehnten eine beeindruckende Entwicklung vollzogen

schn Zinse. Mit 50 Jahren ist der Schießverein »Dreiherrenstein« Zinse in der großen Gilde der Schützen ein eher junger Verein. Trotzdem können die Zinser Schützen von sich mit Fug und Recht behaupten, ebenfalls ein Traditionsverein zu sein. Anlässlich des 50. Vereinsgeburtstags fand am Freitag, nach dem Jugend- und Kaiservogelschießen (Siegener Zeitung berichtete aktuell) ein Festkommers statt. Zahlreiche Gäste aus der Umgebung waren zum Festplatz gekommen, um mit den »Dreiherrenstein«-Schützen zu feiern.

Der Vorsitzende Andreas Weiß erinnerte in seiner Begrüßung an das Gründungsjahr 1956. Als Hubertus Alex, Ernst Limper, Wilhelm und Herbert Weiand, Hans Hofius sowie Adolf und Rudolf Bald, alle gerade zwischen 17 und 24 Jahre alt, sich zusammentaten und den Schießverein aus der Taufe hoben, wurde wieder ein Verein in Zinse heimisch. Einer der Gründer, Wilhelm Weiand, lebt heute in Kanada, an das Jubiläum seines Vereins hat er aber gedacht. Andreas Weiß richtete der Festgesellschaft die Grüße des Auswanderers aus. Eine der beiden Festreden kam von Gründungsmitglied Hubertus Alex. Er warf einen Blick in die Geschichte des Vereins und berichtete von Anekdoten, die sich über die Jahre zugetragen haben. »In Deutschland sagt man scherzhaft, wenn drei sich treffen, dann gründen sie einen Verein«, begann Alex seine Rede. So ähnlich sei es auch in Zinse gewesen.

Die sieben jungen Männer, darunter auch er, hätten zehn Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg ein Schützenfest feiern wollen. Nicht nur für sich allein, auch für die zahlreichen Feriengäste, die damals noch ihren Urlaub in Zinse verbrachten. »Wir hatten keine Ahnung, was wir da vorhatten.« Zusammen hatten die Schützenbrüder wahrscheinlich keine 100 DM auf der Tasche, berichtete der Festredner. Davon musste dann die Vorfinanzierung des Festes gestemmt werden. Den ersten Vogel schnitzte Herbert Weiand, der dann von Adolf Bald erlegt wurde. Für diese Ehre musste der Regent dann erst mal richtig tief in die Tasche greifen und 30 DM in die Festkasse bezahlen. Das Festzelt stand auf einem Platz, den der SGV zur Verfügung gestellt hatte. Das Zelt selbst war aus Fichtenstangen und rostigen Blechen zusammengebaut. Die Königskette bestand aus einer alten Waffenreinigungskette. Daran befestigt war ein achtzackiger Stern, in den der Name des Königs eingeschlagen wurde.

Die Musik kam vom Plattenspieler, als Beleuchtung diente eine einzelne Glühbirne. Den Strom holte man aus der Garage der Familie Bald, deren beide Söhne ja zu den Schützen gehörten. Das Stromkabel stammte noch von den amerikanischen Truppen, die 1945 auch Zinse besetzt hatten. Wenn es feucht wurde, dann fiel der Strom aus. Von damals bis heute hat der Verein einen langen und erfolgreichen Weg zurückgelegt. Der Festplatz wurde in die Nähe des Dreiherrensteins verlegt und in diesem Zug kam Rudolf Bald auf die Idee, den Namen »Dreiherrenstein« auch in den Vereinsnamen aufzunehmen. 1974 bekamen die Schützen das Gelände des heutigen Festplatzes von Prinz Stanislaus zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg geschenkt.

Der Spender wurde daraufhin zum ersten Ehrenmitglied des Vereins und im Jubiläumsjahr zum Schirmherren ernannt. Der Schirmherr blickte in seiner Rede auf einige Anekdoten der Weltgeschichte der vergangenen 50 Jahre zurück. Mit viel Humor spannte er den Bogen von 1956 bis ins Jahr 2006. Die aktuellen und ehemaligen Regierenden in den Hauptstädten der Welt bekamen dabei ihr Fett weg. Für große Erheiterung sorgte auch das Geschenk der Löschgruppe Womelsdorf, mit der der Schießverein schon seit vielen Jahren eine tiefe Freundschaft pflegt. Die Feuerwehrmänner hatten sich bewusst gegen ein Flachgeschenk entschieden. Mit im Gepäck hatten sie ein »EHTLF 50«, ein Erste Hilfe Tanklöschfahrzeug 50 Liter Löschmittelgemisch, oder – kurz gesagt – ein Holzauto mit einem 50-Liter-Fass Bier auf der Ladefläche.

Die ehemaligen Schützenkönige des Vereins verliehen dem Verein ein Fahnenband, das an das Jubiläum erinnert. Die vier noch im Verein verblieben Gründungsmitglieder Hubertus Alex, Rudolf Bald, Hans Hofius und Ernst Limper wurden im Rahmen des Kommersabends zu Ehrenmitgliedern ernannt. Die gleiche Ehre wurde auch Kurt Hofius, Erich Schneider, Friedhelm Hermann Weiß zuteil, die zwar keine Gründungsmitglieder sind, aber trotzdem schon 50 Jahre den »Dreiherrenstein«-Schützen angehören. Mit der Kölner Medaille am schwarz-weiß-grünen Band des Westfälischen Schützenbundes wurden Erich Schneider und Friedhelm Hermann Weiß ausgezeichnet. Die Verdienstnadel des Schützenkreises Wittgenstein bekam Armin Diehlmann und die Ehrennadel des Schützenkreises Christoph Weiß und Meik Hofius. Für die musikalische Umrahmung des Abends sorgten der MGV Gemischter Chor Helberhausen, die Jagdhornbläser des Hegerings Erndtebrück und der Bollnbacher Musikverein Herdorf.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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