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Vergewaltigung in Erndtebrück
Beweislast scheint erdrückend

Im Prozess um eine Vergewaltigung in Erndtebrück erscheint die Beweislast erdrückend.
  • Im Prozess um eine Vergewaltigung in Erndtebrück erscheint die Beweislast erdrückend.
  • Foto: SZ-Archiv
  • hochgeladen von Daniel Montanus (Redakteur)

mick Erndtebrück/Siegen. Bislang hatte der 22-jährige Angeklagte entschieden abgestritten, am 18. März 2020 eine Frau vor der ehemaligen Erndtebrücker Hauptschule vergewaltigt zu haben. Jetzt ist diese Position aus Sicht seines Verteidigers nicht mehr zu halten. So viel sei für ihn nach der Hauptverhandlung deutlich geworden, betonte Anwalt Uwe Krechel am Freitag vor dem Landgericht Siegen. Aber: Wenn sein Mandant ihm nun sage, „ich glaube nicht, dass ich das getan habe. Aber ich weiß es nicht“, liege für ihn der Gedanke nahe, ob da nicht eine psychiatrische Begutachtung des Mannes dringend geboten sei. Zumal der junge Mann bei der Festnahme selbst für die Polizei ungewöhnlich desolat gewirkt habe: „Ich weiß auch nicht, warum man bei einer Vergewaltigung Schuhe und Strümpfe verlieren muss.

mick Erndtebrück/Siegen. Bislang hatte der 22-jährige Angeklagte entschieden abgestritten, am 18. März 2020 eine Frau vor der ehemaligen Erndtebrücker Hauptschule vergewaltigt zu haben. Jetzt ist diese Position aus Sicht seines Verteidigers nicht mehr zu halten. So viel sei für ihn nach der Hauptverhandlung deutlich geworden, betonte Anwalt Uwe Krechel am Freitag vor dem Landgericht Siegen. Aber: Wenn sein Mandant ihm nun sage, „ich glaube nicht, dass ich das getan habe. Aber ich weiß es nicht“, liege für ihn der Gedanke nahe, ob da nicht eine psychiatrische Begutachtung des Mannes dringend geboten sei. Zumal der junge Mann bei der Festnahme selbst für die Polizei ungewöhnlich desolat gewirkt habe: „Ich weiß auch nicht, warum man bei einer Vergewaltigung Schuhe und Strümpfe verlieren muss.“

Der Angeklagte habe im Alter von zwölf Jahren erstmals mit Cannabis herumgespielt. Das sei für den heutigen Zustand vielleicht nicht so relevant. Schon aber, dass mit 16 Jahren auch die härteren Drogen gekommen seien. Zur Tatzeit habe sein Mandant wieder einmal reichlich den Drogen zugesprochen, dazu noch Alkohol getrunken, so der Verteidiger. Der entscheidende Satz für den erfahrenen Rechtsanwalt: „Mein Kopf war an dem Abend Matsche.“ Danach habe er weitere Gespräche geführt und dabei feststellen müssen, dass der Angeklagte Probleme mit einfachsten Fragen habe, „die mir sogar Grenzdebile beantworten können“. Es sei diesem etwa nicht möglich gewesen zu erklären, was seine Eltern arbeiten und ob sie dafür das Haus verlassen müssten. Das sei schon bedenklich bei einem, „der 22 ist und nicht 102“.

Nach dem bisherigen Verfahren sieht Krechel keine Möglichkeit mehr, seinem Mandanten einen Schuldspruch zu ersparen. Er habe eine Belastungszeugin gehört, deren glaubhafte Aussage er nicht widerlegen könne. Zugleich aber halte er seinen Mandanten auch nicht für einen völlig skrupellosen Verbrecher. Er sei für ihn „ein Mann der Irrationalität, ein Mann der Drogensucht, ein Mann der Verwahrlosung“.

Ein Mann, dem geholfen werden müsse. Die Polizei hatte den Verdächtigen in Tatortnähe festgenommen. Seither hatte er jede Verantwortung zurückgewiesen und seine Unschuld beteuert. Seine Freundin, die später am Abend mit ihm zusammentraf, wollte nichts Auffälliges bemerkt haben, traute ihrem Freund eine solche Tat auf keinen Fall zu. Dann aber gab es ein Gutachten, das DNA-Spuren des Opfers in seiner Harnröhre nachwies.

Da passte dann gar nichts mehr. Er wolle nun nicht von einer völligen Schuldunfähigkeit seines Mandanten sprechen, betonte Uwe Krechel. Und er hoffe darauf, „keinen Mandantenverrat“ zu begehen und diesem möglicherweise statt einer sicher notwendigen Drogentherapie in geschlossener Einrichtung die schwerere Unterbringung in der Psychiatrie zu verschaffen. Andererseits gehe es aber um die Sicherheit aller. Und es sei nun einmal nach dem Verlauf der Verhandlung nicht zu leugnen, dass sein Mandant einer ihm völlig unbekannten Frau in der Dunkelheit Gewalt angetan habe. Das Gericht hatte am Donnerstag bereits Kontakt zum Sachverständigen Dr. Bernd Roggenwallner aufgenommen. Nach erster Prüfung der Unterlagen habe dieser eine eingeschränkte Steuerungsfähigkeit des Angeklagten nicht ausschließen können, sagte die Vorsitzende Elfriede Dreisbach.

Der Verteidiger hatte ein solches Vorgehen der Kammer erwartet. Sein Mandant sei bereit zur Untersuchung. Am nächsten Verhandlungstag Anfang April sollen dann auch noch einmal dessen Freundin und Eltern sowie die Geschädigte für Fragen des Gutachters zur Verfügung stehen.

Autor:

Redaktion Siegen aus Siegen

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