Birkelbacher Kirche

In der Birkelbacher Kirche ist der Wurm drin. Nach Pfingsten wird das Gotteshaus geschlossen, allerspätestens zum Erntedankfest will Pfarrerin Simone Conrad aber hier wieder predigen. Bis dahin gilt: „Kein Gottesdienst fällt aus.“ Foto: jg
  • In der Birkelbacher Kirche ist der Wurm drin. Nach Pfingsten wird das Gotteshaus geschlossen, allerspätestens zum Erntedankfest will Pfarrerin Simone Conrad aber hier wieder predigen. Bis dahin gilt: „Kein Gottesdienst fällt aus.“ Foto: jg
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jg Birkelbach. Das Birkelbacher Kirchengebäude steht zwar Tag für Tag sehr malerisch in dem schönen Dorf, spielt aber ganz selten mal die Hauptrolle in einem Zeitungsartikel. Das war 2001 anders, damals feierte die Kirche nämlich ihr hundertjähriges Bestehen, am ersten Advent 1901 wurde hier der erste Gottesdienst gefeiert. Auch nach 2001 wurde die Kirche desöfteren fotografiert, bekam eine neue Pfarrerin und war immer wieder der Ort für schöne Veranstaltungen. Und was ist draus geworden?

Tja, im Augenblick ist in Birkelbach der Wurm drin. Nicht etwa im Gemeindeleben, das ist immer noch extrem lebhaft und fröhlich. Nein, der Wurm ist im Kirchengebälk. Im vergangenen Jahr habe es im Frühjahr eine der üblichen Kirchenbegehungen gegeben, damals allerdings mit einer größeren Gruppe als üblich. Auch örtliche Handwerker seien dabei gewesen - und weil die sehr genau geguckt hätten, seien ihnen die Probleme mit dem Holzwurm schnell aufgefallen. Die rieselnden Sägespäne waren bis dahin nicht als Gefahr wahrgenommen worden. Ihre erste Reaktion sei Panik gewesen, erinnert sich Pfarrerin Simone Conrad, natürlich habe sich sofort die Frage nach der Statik der Kirche gestellt. Das Landeskirchenamt sei den Birkelbachern sofort beigesprungen, habe Ideen und Adressen gehabt, schließlich sei das Problem nichts Außergewöhnliches, weil der 2,5 bis 5 Millimeter lange Gemeine Nagekäfer in den feuchten und kühlen Kirchen reichlich zu fressen und ideale klimatische Bedingungen vorfindet - auch für seine Larven. Und so sei dann erst einmal ein Gutachten erstellt worden. Zu allem Unglück bestätigte das nicht nur den Holzwurm, der wohl schon seit 20, vielleicht sogar 30 Jahren hier gefressen habe, sondern fand noch ein anderes Problem: unter den Holzpodesten lauerte der Schwamm. Allerdings gab es auch gute Nachrichten: Der Wurm hatte sich noch nicht ins Holzdach durchgefressen und die Kerne der tragenden Balken seien nicht so dünn, dass sie ersetzt werden müssten. Somit sei die Statik nicht in Gefahr gewesen, und auch die Orgel sei Gott sei Dank nicht vom Holzwurm befallen.

Sowohl der Schwamm als auch der Wurm verlangten nach Taten. So wird nach Pfingsten die Birkelbacher Kirche zugemacht. In Eigenleistung werden die Kirchenbänke abgeschraubt, die Holzpodeste und der Teppichboden herausgerissen. Der weitere zeitliche Fahrplan sieht folgendermaßen aus. Anfang Juni beginnt die thermische Behandlung, vor der vor allem die Orgel gut verpackt werden muss. Dann rückt man den Schädlingen mit heißer Luft zu Leibe. 75 Grad sei die Luft warm, so Simone Conrad, um auch in den Holzbalken die 55 Grad Celsius zu erreichen, die nötig seien, um Würmer und Larven abzutöten. Eine Woche lange laufe das Ganze, man müsse vor Juli fertig sei, das gebe der Zeitplan der Holzwurm-Aktivitäten vor. Dann folgten die neuen Holzpodeste mit einer besseren Luftzirkulation und ein neuer Boden. Bis Mitte September, so hoffe die Pfarrerin, sei Alles gehalten. „Spätestens bis zum Erntedankfest will ich meine Kirche wiederhaben.“ Und mit der gleichen Inbrunst wie Simone Conrad „meine Kirche“ sagt, sagen Birkelbacher, Birkefehler, Womelsdorfer und Rösper „unsere Kirche“.

Gleich zu Anfang habe man mit den Vereinen der vier Dörfer gesprochen, alle hätten sofort ihre Unterstützung zugesagt, und immer wieder seien diese beiden Wörter gefallen, es gehe schließlich um „unsere Kirche“. Das sei in ganz Wittgenstein schon noch etwas ganz Besonderes und darüber freut sich Simone Conrad: „Das tut gut.“ Und deshalb sei es für das Presbyterium auch keine Alternative gewesen, als die Bielefelder auf günstigere Lösungen mit viel Chemie verwiesen hätten, die sich eher an den rationalen Berechnungen orientierten, wie lange man aufgrund des demographischen Wandels überhaupt noch so eine große Kirche in Birkelbach brauche oder halten könne.

Das kam für die Kirchengemeinde gar nicht in Frage. Überhaupt sei das tatkräftige Presbyterium mit seinen vielen verschiedenen Gaben und dem unbedingten Willen, die Ärmel hochzukrempeln, ganz wichtig für sie, betont die Pfarrerin der Gemeinde. Genau wie die Unterstützung aus der Region der Kirchengemeinden, wo die Pfarrer von Erndtebrück bis Wingeshausen und Raumland zusammenarbeiten. Und dann wie gesagt die Unterstützung der vielen Helfer. Die Kirchenbänke etwa könnten bei Werner Dörnbach zwischengelagert werden, um nur ein Beispiel von vielen zu nennen.Aber vielleicht hat dieses Engagement der Menschen nicht nur mit der schönen Kirche zu tun, sondern auch mit dem Ansatz, den die Gemeinde in ihrer Arbeit vertritt. So steht für Simone Conrad schon jetzt fest: „Kein Gottesdienst fällt aus.“ Die finden während des Sommers im Gemeindehaus statt, dort wird dann auch getauft. Für die Trauungen bekommt die Gemeinde Asyl in Wingeshausen oder auch in Erndtebrück, Simone Conrad ist jedenfalls überzeugt: „Das kriegen wir hin.“Auch wenn der ganze Spaß wohl 100 000 Euro kosten wird. Die Kirchengemeinde wird an ihre Rücklagen gehen müssen, man werde versuchen, alle Fördertöpfe in Anspruch zu nehmen, die es gebe, aber natürlich sei man auch auf Spenden angewiesen. Beim Kirchenkreis, der der Gemeinde ebenfalls von Anfang Unterstützung zugesichert habe, gebe es mit der Nummer 30 50 52 ein Spendenkonto bei der Sparkasse Wittgenstein (BLZ: 460 534 80), das Stichwort laute: Kirche Birkelbach. Auch Spendenquittungen können ausgestellt werden, wenn man diesen ausdrücklichen Wunsch der Spende beifügt. Und um noch einmal den Geist von Simone Conrad deutlich zu machen, hier noch ein fester Vorsatz in Bezug auf die Kirche: „Sie wird noch schöner als vorher.“ Und außerdem reicht es Simone Conrad dann mit dem unschönen Thema. Im Mai starte ein neuer Mädchenclub in der Kirchengemeinde, zwei Konfirmandinnen vom vergangenen Jahr würden damit beginnen, das könne man doch auch mal in der Zeitung schreiben.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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