Interview mit Imker-Vorstand Hans Werner Wunderlich
Blütenvielfalt hilft heimischen Bienen

Hans Werner Wunderlich, Vorsitzender des Imkervereins Luisenburg, zeigt einen Bienenkasten, in dem mehr als 10 000 Exemplare überwintern.
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vc Erndtebrück. Biene ist nicht gleich Biene. Unterschiedliche Arten stellen sich in Wittgenstein unterschiedlichen Herausforderungen. Die Siegener Zeitung hat bei Hans-Werner Wunderlich, dem Vorsitzenden des Imkervereins Luisenburg, nachgefragt.

Herr Wunderlich, in den vergangenen Jahren wurde oft über die angespannte Lage der Wildbienenvölker berichtet. Was war oder ist die größte Gefahr für Sie?
Das Wort Wildbienenvölker ist erst einmal einzuordnen: Aus der Sicht der Imker gibt es zwar verwilderte Honigbienenvölker, die aber erfahrungsgemäß in freier Natur eine geringe längere Überlebenschance haben. Dies begründet sich zum einen durch den Mangel an geeigneten Nistmöglichkeiten, denn den klassischen hohlen Baum gibt es in den hiesigen Nutzwäldern nicht zu genüge. Weiterhin setzt den Honigbienenvölkern ein Parasit, die Varroamilbe, so sehr zu, dass die Völker nach ein bis zwei Jahren meist absterben.
Zu echten Wildbienen, die in einer sozialen Gemeinschaft leben, zählen in unserer Region die Hummeln. Hummeln bauen ihre Nester gerne in Mauselöchern. In stark bewirtschafteten Wiesen und Ackerflächen sowie bebauten und verdichteten Flächen fehlen Hummeln ebenfalls geeignete Nistmöglichkeiten und der Schutz durch Bewuchs. Unbearbeiteten Böschungen, Brachen und naturnahen Gärten werden wegen menschlichem Ordnungsdenken wenig Raum gegeben.
Weiterhin gibt es in unserer Region auch verschiedene solitär lebende Wildbienenarten, die scheu und zurückgezogen leben. Die bei uns häufigste einzeln lebende Wildbiene ist die Mauerbiene. Sie nistet in Ritzen, Fugen und hohlen Gehölzstengeln. Gerne besiedelt sie die sogenannten Wildbienenhotels. Allen gemeinsam kann auch durch den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln erheblicher Schaden zugefügt werden.

Den Bienenvölkern, die von den Mitgliedern ihres Vereins betreut werden, geht es gut?
Im Gegensatz zu vielen anderen Bestäubern geht es den Honigbienenvölkern meist gut, weil sie der menschlichen Betreuung unterliegen. In einer reich strukturierten Landschaft, die bei uns hier in einer Mittelgebirgsregion vorzufinden ist, sind zudem noch ausreichend angepasste Blühpflanzen übers Jahr verteilt vorhanden. Eine normale Völkerentwicklung ist somit gegeben und die Imker in unserer Region sind im Allgemeinen mit den Honigernten zufrieden. Die Honigbienen in dieser Haltungsform werden zu den Haustieren gezählt, der Besatz pro Fläche liegt hier über dem einer natürlichen Verbreitung. Ob dadurch Honigbienen in Nahrungskonkurrenz zu Wildbienenarten stehen, konnte in unserer Region nicht nachgewiesen werden.

Welche Bedeutung haben Bienen für die Bestäubung in der Pflanzenwelt und warum sind Bienen für die Fruchtvielfalt so wichtig?
Viele Insekten, zu denen auch die Bienen vieler Arten zählen, haben eine enorme Bestäubungsleistung. Da gibt es Spezialisten, die nur genau eine Pflanzenart bestäuben und so ein enges Abhängigkeitsverhältnis zwischen Bestäuber und Pflanze besteht. Oder die sogenannten Generalisten, die eine große Vielfalt an Pflanzen bestäuben und für deren Fortbestand sorgen. Die dadurch hervorgehenden Samen und Früchte dienen der Menschheit und der Tierwelt als eine bedeutende Nahrungsgrundlage. Honigbienen sind Generalisten und dazu noch blütenstet. Die letztgenannte und besondere Eigenschaft beschreibt den ausschließlichen Blütenbesuch ein und derselben Art während der Blühphase. Dadurch wird für eine gezielte und effiziente Bestäubung gesorgt.

Was kann jeder Bürger dafür tun, um den Lebensraum für die Bienen zu erhalten oder auszubauen?

Man kann als Bürger den bestäubenden Insekten helfen, indem man auf geeigneten Grundstücken mehr Blütenvielfalt zulässt. Das kann durch Saat und Pflanzung gezielt durchgeführt werden. Aber auch (kleinste) brachliegende Flächen entwickeln eine Pflanzengesellschaft, die dann Insekten und sonstiger Tierwelt zu Gute kommt.
Man sollte nicht vergessen, dass Insekten bei vielen Kleintieren und in der Vogelwelt eine wichtige Rolle in der Ernährung spielen. Widersprüchliches Verhalten fällt hier oft bei der Bearbeitung von kommunalen Flächen auf. Gehölze an Wirtschaftswegen werden immer wieder mit schwerem Gerät unsachgemäß beschnitten und abgeholzt sowie Böschungen gemäht oder sogar der Bewirtschaftung preisgegeben. Dagegen werden meist öffentlichkeitswirksame, aber wenig nachhaltige Blühstreifen und Blühflächen angelegt, die eine aufwendige und kostspielige Dauerpflege erfordern. Bezüglich Aussaat und Pflanzung beraten die Untere Landschaftsbehörde des Kreises Siegen-Wittgenstein, die Landwirtschaftskammer und auch der benachbarte Imker gerne.

Autor:

Redaktion Wittgenstein aus Bad Berleburg

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