Gedenken in Erndtebrück
Bomben trafen Eisenbahnerdorf ins Mark

Mit solchen Bombentrichtern war Erndtebrück nach dem 10. März 1945 übersät. Immerhin blieb dieses Haus an der Pulverwaldstraße verschont. Das Bild stammt vom 7. April 1945.
3Bilder
  • Mit solchen Bombentrichtern war Erndtebrück nach dem 10. März 1945 übersät. Immerhin blieb dieses Haus an der Pulverwaldstraße verschont. Das Bild stammt vom 7. April 1945.
  • Foto: SZ-Archiv
  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

bw Erndtebrück. Der 10. März 1945 war sicher einer, wenn nicht gar der schwärzeste Tag in der Erndtebrücker Geschichte. Den ältesten Bürgern der Edergemeinde, die diesen Tag miterlebt haben, dürfte er sich ins Gedächtnis eingebrannt. Es war der Tag des schlimmsten von drei schweren Bombenangriffen auf das Eisenbahnerdorf Erndtebrück, das als Verkehrsknotenpunkt eines der wichtigsten Ziele in der Region für die Alliierten war. 86 Menschen starben an jenem Tag im Frühling 1945. „Dieser Tag ist und bleibt für die Bürgerinnen und Bürger ein Gedenktag, ein Tag der Trauer um die Menschen, die ihr Leben verloren“, meinte Bürgermeister Henning Gronau.

Bürgermeister Henning Gronau (M.) und seine beiden Stellvertreter Lothar Menn (r.) und Lorenz Benfer stellten einen Kranz zum Gedenken an die Opfer auf. Gronau bedankte sich bei der Reservistenkameradschaft für die Herrichtung der Anlage.
  • Bürgermeister Henning Gronau (M.) und seine beiden Stellvertreter Lothar Menn (r.) und Lorenz Benfer stellten einen Kranz zum Gedenken an die Opfer auf. Gronau bedankte sich bei der Reservistenkameradschaft für die Herrichtung der Anlage.
  • Foto: Björn Weyand
  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

Mit seinen Stellvertretern Lothar Menn und Lorenz Benfer stellte er am Mittwoch einen Kranz zum Gedenken an die zivilen Opfer auf dem alten Friedhof im Ederfeld auf. In kleiner Runde, weil die Corona-Pandemie nicht mehr zuließ.

Erndtebrück wurde von Alliierten bombardiert

Die Alliierten hatten vor dem 10. März 1945 schon zwei Mal das kleine Örtchen an der Eder bombardiert. Den ersten schweren Angriff erlebten die Erndtebrücker am 16. Dezember 1944. Zwölf Lightning-Jagdflieger steuerten zur Mittagszeit ihr Ziel an, der Angriff galt den wichtigen Bahnanlagen. An diesem Tag starben sechs Menschen, davon fünf Bedienstete der Reichsbahnbetriebswerkstätte. Es sollte aber nur ein Vorgeschmack sein auf das, was noch kommen sollte. Der zweite schwere Luftangriff auf Erndtebrück folgte am 22. Februar 1945, an jenem Tag starben 14 Menschen. Wieder war der Bahnhof das Angriffsziel. Dessen Gelände und das nähere Umfeld, vor allem auch die heutige Berliner Straße, wurden mit Bomben übersät. Als die Bevölkerung nach dem Angriff aus den Kellern kam, war die Umgebung des Bahnhofs ein einziges, großes Trümmerfeld. Da ein Zug unmittelbar vor dem Bombardement Richtung Berleburg abgefahren war, fiel die Zahl der Opfer nicht noch höher aus. Zumindest an diesem Tag.

Ein wahres Inferno in Erndtebrück

Ganz anders am 10. März 1945. Die beiden heftigen Bombenangriffe hatten letztlich die Verkehrswege in Erndtebrück nur vorübergehend außer Betrieb gesetzt. Daher steuerte die alliierte Luftwaffe ein weiteres Mal das Dorf an – mit verheerenden Auswirkungen. Der 10. März 1945 war ein Samstag. Als die Sirenen heulten, erklang aus der Ferne auch schon das Brummen der Motoren. Die Erndtebrücker rannten in die Keller und die Mehrzahl der Bürger hatte kaum die Schutzräume erreicht, als die ersten Bomben detonierten und das Inferno begann. Insgesamt warfen die Flieger vier Bombenteppiche in zwei Wellen ab. Und es hätte noch schlimmer ausgehen können als ohnehin schon: Der Wind ließ die Bomben der zweiten Welle in das damals unbebaute Gebiet auf dem Köpfchen abdriften. Die zerfetzten Eisenbahnschienen und -schwellen lagen bis zur Marburger Straße und am Hachenberg.
Rund 300 verletzte Menschen mussten unter schwierigsten Bedingungen versorgt werden. Der später zum Ehrenbürger der Gemeinde ernannte Dr. Paul Meißner, zu dem Zeitpunkt bereits 70 Jahre alt, konnte die Aufgabe nicht mehr alleine bewältigen. Glück im Unglück war, dass ein Oberstabsarzt mit zwei zweiteren Medizinern zufällig im Ort war. Etwa 500 Sprengbomben waren auf die Gemeinde niedergegangen. 86 Erndtebrücker verloren an diesem Tag ihr Leben, 49 Häuser wurden vollkommen zerstört und 29 schwer beschädigt.

"Als die Bomben vom Himmel fielen"

„Die Toten wurden in der Schule und der Kirche auf den Bänken und im Seitenschiff niedergelegt und mit Tüchern bedeckt. Die ortsansässigen und auswärtigen Schreinereien arbeiteten Tag und Nacht an den Särgen und Männer erfüllten das traurige Werk der Einsargung. In langer Reihe wurden die Särge auf den Bänken gestellt. Ein heute kaum noch vorstellbares Bild des Leids und des Grauens“, so schilderte einst Edgar Dietrich in seinem Buch „Als Bomben vom Himmel fielen“ die damaligen Geschehnisse.

Autor:

Björn Weyand (Redakteur) aus Bad Laasphe

following

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

2 folgen diesem Profil
ThemenweltenAnzeige
Die Siegener Zeitung begrüßt den Lenz mit einem Sonder-Abo: Sparen Sie drei Monate lang mit unserem Frühlings-Abo.

SZ+ informiert schnell und gut
Mit dem Frühlings-Abo drei Monate sparen

Der Frühling hat - kalendarisch- begonnen und die Siegener Zeitung begrüßt den Lenz mit einem Sonder-Abo: Sparen Sie drei Monate lang mit unserem Frühlings-Abo. Verlässliche Informationen trotz unruhiger Corona-LageIn diesem einmal mehr besonderen Jahr sehnen sich viele Menschen noch mehr nach den ersten Frühlingsboten. Ist doch mit den steigenden Temperaturen, den kräftiger werdenden Sonnenstrahlen und dem Aufblühen der Natur im zweiten Jahr der Corona-Pandemie noch mehr Hoffnung verbunden als...

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen